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21:49 03.09.2013
Von Saskia Döhner
Am Dienstag haben rund 100 Wissenschaftler am Georg-Eckert-Institut in Braunschweig Fluch und Segen des Internets diskutiert. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Braunschweig

„Eine Homepage kann von einem auf den anderen Tag ganz anders aussehen“, sagt Prof. Martin Schulze Wessel, Vorsitzender des Verbandes der Historiker Deutschlands. „Wie kann diese flüchtigen Quellen archivieren?“ Ein Screenshot ist immer nur eine Momentaufnahme.

Am Dienstag haben rund 100 Wissenschaftler am Georg-Eckert-Institut in Braunschweig Fluch und Segen des Internets diskutiert. Die digitale Technik sei für Historiker hilfreich, sagt der Münchener Geschichtswissenschaftler Schulze Wessel: „Wir müssen die Vergangenheit mit modernen Mitteln betrachten.“ Der Mensch sei dabei aber weiterhin unersetzlich: „Computer können zwar Texte lesen, aber nicht deuten.“ Denn Sprache ändert sich, und die Bedeutung von Begriffen auch. Computer wissen das nicht, Menschen schon.

„In Zeiten der Exzellenzinitiative ist der wissenschaftliche Alltag in hohem Maße vom Wettbewerb der Standorte geprägt“, sagt der Verbandsvorsitzende Schulze Wessel, „Forschung wird aber weitergebracht durch das Teilen von Forschungsergebnissen in Netzwerken, digitale Medien unterstützen die Kooperation über Standorte und nationale Grenzen hinweg. Digital ließen sich nicht nur Bücher, sondern gleich auch noch mehrere Rezensionen lesen, um das Werk einzuordnen.

Die wissenschaftliche Zunft dürfte sich nicht nur ums sich selbst drehen, auch hier böten die neuen Medien neue Möglichkeiten, heißt es bei der Tagung. Durch das Internet öffne sich die historische Welt auch zunehmend den Laien, meint Schulze Wessel. Warum nicht ein Faksimile einer Quelle ins Netz stellen, dazu Kommentare von Historikern und möglicherweise auch noch ein Forum einrichten, in dem die Nutzer die Ergebnisse kommentieren? „Ich hätte nichts dagegen“, sagt der Geschichtsprofessor. Die Wissenschaft solle weit über die Universität hinaus wirken, wünscht er sich.

Wenn sich die Quellen ändern, muss sich auch die Ausbildung derjenigen ändern, die sie interpretieren sollen. „Wir wenden uns an die Historiker von morgen“, sagt Simone Lässig, Direktorin des Georg-Eckert-Instituts und Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft „Digitale Geschichtswissenschaft“ im Historikerverband. Der neue Technik werde von den Historikern viel Euphorie, aber auch viel Skepsis entgegengebracht. Wichtig sei es, nicht in die Falle einer technologiegetriebenen Forschung zu tappen, sondern sich die Medien nutzbar zu machen. Über das Internet könne beispielsweise das gute alte Archiv zumindest virtuell wieder Einzug halten in die Historikerausbildung. Die dichtgedrängten Bachelorstudiengänge, durch die die Studenten hetzen müssten, hätten Exkursionen in echte Archive unmöglich gemacht, sagt Lässig.

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