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Netzwelt Google Clips: die Kamera, die ihre Motive wählt
Nachrichten Medien Netzwelt Google Clips: die Kamera, die ihre Motive wählt
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18:47 08.10.2017
Hat seine Umgebung klar im Blick: Die neue, selbstlernende Kamera Clips von Google. Quelle: AP
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Google Clips – das ist eine ganz neue Definition des Begriffs Selfie. Denn das jüngste Produkt aus dem Hause des Datenriesen entscheidet ziemlich allein, was und wen es aufnimmt. Der Algorithmus in der ultrakompakten Kamera funktioniert dabei ein wenig wie populäre Sprachsysteme à la Alexa oder Siri. Der Nutzer bringt dem Gerät zunächst etwas bei – später kann das Gerät dann aus dem Gelernten eigene Schlüsse ziehen.

Im Fall von Google Clips heißt das, dass sie Personen und Situationen erkennen und darauf eigenständig entscheiden kann, ob das Motiv sich aufzunehmen lohnt. Oder, um den werblichen Text aus der Google-Produktvorstellung zu zitieren: „Wir haben in Clips maschinelle Lernfunktionen integriert. Wenn du Clips anschaltest, schaut sich die Kamera nach Momenten um, die sich lohnen, festgehalten zu werden. Clips wartet auf stabile, klare Aufnahmen von Menschen, die du kennst. Du kannst die Kamera dabei unterstützen zu lernen, wer Dir wichtig ist – wenn also Oma in der Stadt ist, wird ihr großer Empfang aufgezeichnet.“

Google scheint zu ahnen, welche Geister man da gerufen hat. Beschwichtigend heißt es in dem PR-Text weiter: „Uns ist bewusst, dass Privatsphäre und die Hoheit darüber wirklich wichtig sind, also haben wir das für Clips-Nutzer, ihre Familien und Freunde beherzigt. Clips wurde unter Berücksichtigung dieser Prinzipien entwickelt.“ Wirklich? Denn nach dieser Einschränkung wird der Geist endgültig aus der Flasche gelassen.

„Clips sieht aus wie eine Kamera, und wenn sie eingeschaltet ist, leuchtet eine Diode, damit jeder weiß, was Clips tut und wann es aufnimmt. Am besten funktioniert Clips, wenn man sie zu Hause mit der Familie und engen Freunden benutzt. Während du mit Clips Aufnahmen machst, lernt die Kamera, die Gesichter derer zu erkennen, die dir wichtig sind – und hilft dir dabei, mehr Augenblicke mit ihnen festzuhalten. Und schließlich findet der gesamte Lernprozess auf dem Gerät statt. Und wie bei jeder Kompaktkamera verlässt nichts dein Gerät, bis du entscheidest, es zu sicher oder zu teilen.“

Wirklich beruhigend klingt das aber nicht, wie auch etliche Reaktionen auf Twitter zeigen. So schrieb Elon Musk, Schöpfer von PayPal, Tesla und SpaceX: „Das Ding macht tut noch nicht mal so als sei es ,unschuldig’. Und User M!tch antwortet auf dem Twitter-Account des Zukunfts-Portals „The Verge“ auf die Frage, warum man ein solches Gerät brauche: „Ich möchte es haben, damit, wenn ich mich ihrer Übermacht ergeben muss, mir die Roboter gnädig sein werden.“ Worauf User Kristin entgegnet: „Als jemand, der im Bereich Robotics arbeitet, würde ich nicht darauf setzen, dass das System irgendwann einmal gnädig wäre.“

Es kommt recht selten vor, dass Protagonisten der digitalen Revolution wie Musk oder The Verge sich gegenüber einer neuen Technik reserviert oder gar skeptisch zeigen. Googles Schnappschuss-Kästchen, das selbst entscheidet, ob und wann Oma fotogen ist, ist das schon vor Markteinführung gelungen ...

Von RND/Daniel Killy

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