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Netzwelt Odysseus ohne Hose – Das neue „Assassin’s Creed“ im Test
Nachrichten Medien Netzwelt Odysseus ohne Hose – Das neue „Assassin’s Creed“ im Test
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09:13 07.10.2018
Bei „Assassin's Creed Odyssey“ ist die riesige Spielewelt fast das Wichtigste. Quelle: Ubisoft
Hannover

Nach unzähligen Hollywoodfilmen und Terra-X-Episoden wirkt die Antike etwas abgedroschen. Bemerkenswert frisch wirkt sie dagegen in „Assassin’s Creed Odyssey“. Die Sonne knallt auf blühende Weinberge, bunte Fresken strahlen von den Wänden und die Menschen dieser hosenlosen Zeit tragen furchtlos akkurate historische Bekleidung.

Die „Assassin’s-Creed“-Serie erzählt historische Heldengeschichten in immer neuen Epochen. Sie platziert ungewöhnliche Charaktere in der Nähe großer historischer Ereignisse und lässt sie dann durch das ganze Land kämpfen und klettern, reiten und schleichen. Fast wichtiger als die zähen Handlungsstränge um Geheimbünde und Verschwörungen ist die riesige Spielwelt. Die geschichtlichen Hintergründe wurden sorgfältig recherchiert – zu dem neuen Spiel in Griechenland wird später ein ernst gemeinter Museumsmodus erscheinen, der das blutige Action-Rollenspiel in ein Freilichtmuseum verwandelt. Auch ohne Mord und Totschlag ist die Welt faszinierend.

In „Assassin’s Creed Odyssey“ wird geflucht und gespottet

Wirklich zum Leben erwacht das alte Griechenland, wenn Menschen den Mund aufmachen. Dialoge in historischen Romanen klingen oft zu edel, geistreich, oder umständlich. Hier fluchen und spotten die Menschen so wild wie heute. Altgriechische Einsprengsel helfen bei der Verortung – und ein Wertesystem, dass sich in seiner Brutalität deutlich von dem unseren unterscheidet. Zu Beginn der Geschichte, 431 vor Christus, bricht der peloponnesische Krieg aus. Aber nicht nur feindliche Fraktionen, auch Räuber, Schurken und Kopfgeldjäger bekommen Speer und Schwert von Alexios oder Kassandra zu spüren – Spieler dürfen sich aussuchen, ob ihr antiker Held männlich oder weiblich ist.

Das sollten Eltern über „Assassin’s Creed Odyssey“ wissen

Gewaltverherrlichend ist das neue Assassin’s-Creed-Abenteuer nicht. Aber Mord und Totschlag gehören bei einer Darstellung antiker Kriegsführung nun mal dazu. Spieler sind in diesem Abenteuer ein Söldner, sie stehen auf dem Schlachtfeld. Nebenbei schlachten sie auch Unschuldige ab, wenn sie wollen – und wenn die Münze stimmt. Nebenbei ist „Odyssey“ auch das freizügigste Spiel der Serie und erlaubt der Heldin oder dem Helden auch eine ganze Reihe größerer und kleinerer Liebschaften. Vor dem Geknutsche wird züchtig abgeblendet, die Gewalt dagegen gibt’s in realitätsnahen Nahaufnahmen zu bestaunen. Die Entscheidung, was moralisch richtig und was falsch ist, wird löblicherweise auch von dem Spiel an seine Helden herangetragen. Der kampffreie Museumsmodus für die ganze Familie wird erst noch nachgereicht, er ist zum Start des Spiels nicht verfügbar.

Eine noch riesigere Fortsetzung ist irgendwie übertrieben

Wie andere Fortsetzungen auch muss sich „Assassin’s Creed Odyssey“ fragen lassen, ob die Welt wirklich reif ist für ein neues Epos. Ubisoft hat keine große Antwort auf die Frage, aber viele kleine: Die Welt ist neu, die Gespräche bieten erstmals Multiple-Choice-Antworten, das Kampfsystem ist etwas kühner, und erstmals bemerken die Menschen, wenn sie bestohlen werden.

Aber noch im letzten Jahr hat „Assassin’s Creed Origins“ ein vergleichbares Riesending in Ägypten veranstaltet. „Odyssey“ ist abwechslungsreicher, bunter, offener – aber wer sich „Origins“ komplett um die Ohren gehauen hat, der war locker über 100 Stunden beschäftigt. Dass jetzt eine noch riesigere Fortsetzung erscheint, fühlt sich übertrieben an. Wenigstens nächstes Jahr sollen die Assassinen aussetzen, hat Ubisoft verraten. Es müssen ja nicht gleich Jahrhunderte sein, aber eine kleine Pause wird der großen Serie guttun.

„Assassin’s Creed Odyssey“

Wertung: 4,5 von 5 Punkten

Genre: Action-Rollenspiel

Erscheinungsdatum: 5. Oktober 2018

Plattform: PC, PS4, Xbox One

Preis: ab 60 Euro

Jugendfreigabe: 16

Entwickler & Publisher: Ubisoft

Von Jan Bojaryn/RND

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