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Netzwelt Tech-Milliardär Elon Musk: Genie oder Wahnsinn?
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10:38 08.08.2018
Elon Musk. Quelle: Charles Sykes/AP
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Hannover

Elon Musk scheint ständig auf einem schmalen Grat zu wandern. Zwischen Erfolg und Ruin. Zwischen Genie und Wahnsinn. Zwischen Empathielosigkeit und dem ernsthaften Wunsch, die Menschheit zu retten.

Bei den jüngsten Quartalszahlen zum Beispiel, da musste Tesla einen Verlust von 718 Millionen Dollar vermelden. Es war nicht die erste schlechte Nachricht für den Elektroautobauer in den vergangenen Tagen: Ende Juni schaffte Tesla die mehrmals verschobenen Fertigungszahlen für das Model 3 nur mit Ach und Krach. Zuvor hatte Tesla zahlreiche Mitarbeiter entlassen, Musk einen ehemaligen Angestellten wegen Sabotage verklagt, der wiederum prompt zurück klagte. Anfang August dann kündigte Musk plötzlich per Twitter an, Telsa von der Börse zu nehmen – und sorgte für Chaos.

Elon Musk polarisiert

Doch es geht auch anders: Am 3. August gab die NASA die Namen der Astronauten bekannt, die mit Musks Unternehmen SpaceX ins All fliegen. Gemeinsam mit Boeing ist SpaceX das erste kommerzielle Unternehmen, das Menschen ins Weltall transportieren wird. Im April 2019 soll der erste Testflug stattfinden. Als SpaceX vor mehr als einem Jahrzehnt begann, Raketen zu bauen, hielten das nicht wenige für unmöglich.

Elon Musk polarisiert. Für viele ist er ein Aufschneider. Im Besten Fall ein guter PR-Mensch, der es schafft, sich und seine Unternehmen immer wieder in den Mittelpunkt zu stellen, dabei aber unmögliche Dinge zu unmöglichen Zeitpunkten verspricht. Für andere ist er ein Genie. Ein Mann, der die Menschen zum Träumen bringt – von einer Kolonie auf dem Mars, vom Ende des Benzinautos, von einem Transportmittel, mit dem man von Berlin nach München nur eine halbe Stunde braucht – und der das auch tatsächlich liefern kann.

Musk steckt sein Geld bereitwillig in seine Unternehmen

Musk wurde 1971 geboren und ist in Südafrika aufgewachsen. Die Kindheit beim Vater soll hart gewesen sein. Schon damals interessiert er sich für elektrische Autos und das Weltall, hat die besondere Gabe, sich große Mengen Informationen zu merken. Eine Fähigkeit, die er sich laut seinem Biografen Ashlee Vance bis heute bewahrt hat.

Als Musk in die USA kommt, gründet er zusammen mit seinem Bruder Zip2, eine Art Kombination aus GoogleMaps und Yelp. Die Brüder verkaufen Zip2 für 307 Millionen US-Dollar, aber erst PayPal macht Musk so richtig, richtig reich. Geld, das er bereitwillig in seine Unternehmen steckt. Denn Musk, das betont er selbst, ist bereit, für seine Ideen so gut wie alles zu opfern.

Viele hielten SpaceX für eine dumme Idee

Das liegt daran, dass Musk nicht an kurzfristigen Zielen hängt. SpaceX, das Raketenunternehmen, soll nicht einfach nur Gewinne erwirtschaften. Nein, es soll die Menschen zum Mars bringen, aus ihnen eine interplanetare Spezies machen. Tesla soll nicht einfach nur viele Autos bauen, es soll das Ende des Benzinautos einläuten. Dumm nur, wenn dabei jemand im Weg steht. Ob das ein Mitarbeiter ist, der behauptet, etwas sei unmöglich oder eingespielte Traditionen.

Diese Energie, die Fähigkeit, wenn es am Schwierigsten wird, das Meiste aus sich selbst herauszuholen, hat Musk weit gebracht. Viele hielten SpaceX für eine Schnapsidee, Musk für einen weiteren „rich dude“, der auf dem Weg zu seinem Traum vom Weltall sein ganzes Vermögen verbrennen würde. Doch SpaceX baut und fliegt mittlerweile tatsächlich Raketen, und zwar solche, die – im Gegensatz zu denen von NASA oder ESA – wiederverwendbar sind (was einige auch für unmöglich hielten). Auch Tesla stand 2008 schon einmal kurz vor dem Aus, doch Musk schaffte es, den Autobauer zu retten. Das letzte Auto-Start-Up, das sich auf dem amerikanischen Markt behaupten konnte, schreibt Vance, war Chrysler. Das war 1925.

Will Musk sich nun ständig selbst übertrumpfen?

Aber vielleicht hat sich Musk inzwischen zu viel auf den Teller getan. Tesla und SpaceX sind ja nicht die einzigen Musk-Projekte. Dazu gesellen sich aktuell unter anderem noch The Boring Company, Hyperloop, Open AI oder Musks neuste Idee: ein Medienunternehmen namens „Thud!“.

Vance, der Musk mehrere Jahre begleitet hatte, schreibt im Nachwort seiner Biografie, er habe eine Veränderung in Musks Persönlichkeit festgestellt. Früher wäre Musk zwar ambitioniert gewesen, hätte aber immer noch Selbstzweifel gehabt. Der Mann, der den Erfolg von SpaceX und dem Tesla Model S erlebt habe, wolle sich nun ständig selbst übertrumpfen.

Musk scheint immer im Mittelpunkt stehen zu müssen

Die Website Mashable hat die denkwürdigsten Elon-Musk-Momente 2018 gesammelt. Dazu gehört unter anderem: Die Flammenwerfer, mit denen die Tunnel-Firma The Boring Company Millionen verdiente, der Tesla-Roadster im All und der Streit um ein pupsendes Einhorn.

In der Liste fehlt noch das U-Boot, das Musk für die Rettung der thailändischen Fußballmannschaft, die in einer Höhle gefangen war, konstruieren ließ. Der Eindruck, der nicht erst entstand, als er einen der Retter als Pädophilen beschimpfte: Hier will sich wieder einer selbst in den Mittelpunkt stellen, hier glaubt Musk wieder, es besser als alle anderen zu wissen.

Musk kann kolossal scheitern oder gewinnen

Doch ganz abschreiben sollte man Musk nicht. Vance jedenfalls sagt über Musk: „Während ich die gleichen geschäftlichen Fehler, die persönlichen Schwächen und Herausforderungen wie alle anderen sehe, bin ich immer noch davon überzeugt, dass Musk seine Aufgaben erfüllen wird. Er ist nicht wirklich zum Scheitern verurteilt.“ Ähnlich sehen es wohl die Tesla-Anleger, die trotz der Verluste davon überzeugt zu sein scheinen, dass Tesla jetzt nachhaltig profitabel werden kann.

Natürlich kann es immer noch passieren, dass Musk kolossal scheitert. Es kann aber auch sein, dass er tatsächlich vieles von dem, was er verspricht, umsetzt. Die Frage, ob Musk mehr Genie oder Wahnsinn ist – oder vielleicht sogar beides –, ist noch nicht beantwortet. Musk selbst sieht die Sache eher pragmatisch: Wenn ich ein Narzisst bin (was durchaus sein könnte), dann bin ich wenigstens ein nützlicher, twitterte er.

Von Anna Schughart/RND

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