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Medien Niedrigste Quote seit elf Jahren: Das Dschungelcamp schwächelt
Nachrichten Medien Niedrigste Quote seit elf Jahren: Das Dschungelcamp schwächelt
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21:59 24.01.2019
Das Interesse sinkt seit Jahren kontinuierlich: Daniel Hartwich und Sonja Zietlow moderieren „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Bei den jüngeren Zuschauern holt die 13. Staffel der Show aktuell den niedrigsten Zuschauerschnitt der Sendungsgeschichte. Quelle: Stefan Menne/RTL/dpa
Murwillumbah

Manchmal ist es schön, wenn wenigstens im Fernsehen alles ist wie immer. Das Blau der „Tagesschau“. Der schiefe Schädel von Claus Kleber. Die Endlosschleife von „The Big Bang Theory“ bei Pro7. Die Hitler-Dokus auf n-tv. Es ist keine durchweg schöne, aber eine vertraute Welt, ein optisches Zuhause.

Trashfernsehen aber funktioniert anders. Es stirbt, wenn es zu routiniert zugeht. Es braucht immer neue Erregungsfaktoren, immer frische Steigerungen. Es lebt davon, die Geschmacksgrenzen auszuloten und mit diebischer Freude am Tabubruch ins Unsägliche zu verschieben.

Verrottende Kulissen, blätternde Farbe

Was uns direkt nach Murwillumbah führt, in den australischen Dschungel. Dort machen die Insassen des Dschungelcamps 2019 im Prinzip alles richtig: Sie zoffen, knuddeln, ärgern sich. Sie tragen Schlepphoden und Gummibusen zu Markte. Dazu Heulerei am Lagerfeuer, peinliche Beichten, klimperäugige Naivität und ein bisschen Kotzfruchtgewürge. Es ist alles wie immer. Und das ist genau das Problem von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Sinnbildlich für das abgenutzte Format: die verrottenden Kulissen im „Dschungelkolosseum“ oder im „Zirkus“. Da blättert die Farbe, da fault das Holz. Das ganze Camp wirkt – wie die Sendung insgesamt – wie Ingrid von Bergen an einem Bad-Hair-Day.

Gegenüber 2014 fast drei Millionen Zuschauer verloren

Und das macht sich bemerkbar: Die aktuelle 13. Staffel ist die quotenschwächste seit zehn Jahren. Das ergab eine Auswertung von Media Control für das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Im Schnitt verfolgten 5,27 Millionen Zuschauer im Gesamtpublikum die ersten 13 Folgen der Dschungelsause 2019. Der Marktanteil liegt aktuell im Staffelschnitt bei 23,7 Prozent. Im Jahr 2014 sahen noch mehr als acht Millionen Menschen im Schnitt zu. Der Marktanteil lag damals bei 30,7 Prozent. Es war das Jahr, in dem die Allzeit-Dschungelheldin Larissa Marolt zur Kultfigur reifte. Nur 2008 gab es mit 4,89 Millionen Zuschauer im Gesamtpublikum noch schwächere Werte.

In der Werbezielgruppe der niedrigste Wert der Geschichte

Und in der für RTL so wichtigen Werbezielgruppe der 14- bis 59-Jährigen? Da sieht es aktuell noch bitterer aus als beim Gesamtpublikum: 3,88 Millionen Jüngere schalteten ein. Das wäre – wenn es über das Finale am Sonnabend hinaus so bliebe – sogar der schwächste Wert in der Geschichte des Dschungelcamps. Der Marktanteilsschnitt liegt bei den Werberelevanten aktuell bei 31,6 Prozent. Wirtschaftlich ist das noch immer ein Erfolg. Das Camp ist für RTL noch immer eine zuverlässig sprudelnde Geldquelle. Und Larissa Marolts fallen nicht vom Himmel. Aber Zahlen lügen nicht: Das Interesse am Dschungelcamp hat über die Jahre stark nachgelassen. Im Larissa-Marolt-Jahr 2014 lag der Anteil der interessierten Jüngeren bei 39,1 Prozent. Im Schnitt. Das waren stolze acht Prozent mehr als jetzt.

Vor allem die Prüfungen wirken altbacken

Die Ursachen liegen sicher in der Gewöhnung des inzwischen abgehärteten Publikums. Andererseits wirkt die Show vor allem in den Prüfungen inzwischen altbacken. RTL hat versucht, mit einem Preisgeld von 100.000 Euro für den Gewinner den Anreiz zu erhöhen, sich publikumswirksam zum Horst zu machen. Und tatsächlich gehört die Dschungelbesetzung 2019 zu den interessanteren der letzten Jahre. Doch es wird immer schwerer für den Sender, aus dem angejahrten Format noch Funken zu schlagen.

Von Imre Grimm

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