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Ohne Hose fahr'n wir zur EM

Spielerfrauen Ohne Hose fahr'n wir zur EM

Sie sind Models und Medienstars - und sie wissen: Sex sells. Mancher etwas sperrig geratene Profifußballer bessert seine Glamourbilanz durch eine attraktive Begleiterin auf. An der Spitze: Sami Khediras Verlobte Lena Gercke und Bastian Schweinsteigers Freundin Sarah Brandner. Ein Blick auf die merkwürdige Spezies der Spielerfrau.

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104 Zentimeter lange Beine: Sami Khediras Verlobte Lena Gercke erfreut in Lwiw die Männerwelt.

Quelle: dpa

Lwiw. Kann schon mal passieren, dass man einfach seine Hose vergisst. Donald Duck zum Beispiel läuft auch den ganzen Tag ohne Hose herum. Und so steht Lena Gercke, früheres PRO7-Topmodel und aktuelle Verlobte von Nationalspieler Sami Khedira, am Flughafen im ukrainischen Lwiw in einem halbtransparenten Schlabbershirt herum, das ihr winziges Jeanshöschen komplett verdeckt. Ist natürlich Zufall, dass sich hier heute die Fotografen drängeln, die auf nackte, weibliche Beine lauern bei dieser für heterosexuelle hominide Männchen eher unerotischen Kerleveranstaltung namens Fußball-EM.

Also stöckelt die 24-Jährige lächelnd auf hohen Hacken und exakt 104 Zentimeter langen Beinen über den Parkplatz (die Boulevardpresse hat freundlicherweise genau nachgemessen). Neben ihr geht Silvia Meichel (26), Freundin von Mario Gomez. Ganz zufällig saßen die Frauen und Freundinnen der deutschen Spieler auf dem Weg zur EM im selben Flugzeug wie die Journalisten und Fotografen. Eine gute Gelegenheit für Lena Gercke, auf dem Rollfeld gleich mal ihr Lächeln anzuknipsen und zu posieren, als sei das hier die Bambi-Verleihung. Oder zumindest der soundsovielte Geburtstag von Udo Walz.

„Spielerfrau“ – das ist nach Zahnarztfrau und Kanzlergattin der drittmerkwürdigste Beruf der Welt. Werber sprechen von „Guerilla-Marketing“, wenn Unbeteiligte etwas von der Aufmerksamkeit abzweigen möchten, die eigentlich anderen gebührt. Es gibt dazu die Geschichte von der Fliege, die auf dem Rücken eines Ochsen sitzt. „Wir pflügen“, sagt die Fliege.

Lena Gercke hat diese Profession nicht erfunden. Aber sie führt sie in Polen und der Ukraine zu neuer Blüte. Bisher galt noch Bastian Schweinsteigers Begleiterin Sarah Brandner als Leitwölfin im Kader der deutschen „Wifes and girlfriends“ („WAGs“) – wie die Spielerfrauen in Großbritannien heißen, die dort die „Yellow Press“ hauptberuflich mit schillernden Seifenblasen füttern.

Wer hat’s erfunden? Die Engländer. Unvergessen die „Queen of WAGs“, Victoria Beckham, die bei der WM 2006 in Deutschland im Blitzlichtgewitter die Baden-Badener Boutiquen leershoppte, während Cheryl Cole und die spätere Coleen Rooney sich in durchsichtigen Tops fotografieren ließen. Im britischen Sender ITV lief schon 2002 die Serie „Footballers wive$“, die sich über das Phänomen das Maul zerriss. Und Amy MacDonald zürnte in ihrem Song „Footballers Wife“: „Oh Marilyn Monroe, wo bist du? / Die Spielerfrau plappert über ihre Nöte / Es interessiert mich einfach nicht / Was glaubt die, wer sie ist?“

Der DFB – aufgeschreckt durch die Fleischbeschau am Flughafen – hat bereits eingegriffen: Man bat die Fotografen, die Objektive fürderhin nicht mehr allzu offensiv auf die deutschen Frauen zu richten. Doch das dürfte nicht im Interesse der Protagonistinnen liegen. Denn das „WAG“-Dasein ist ein einträgliches Geschäft. Sarah Brandner sitzt künftig an der Seite von Jan Hofer in der Jury der NDR-Neuauflage von „Dalli, Dalli“ mit Kai Pflaume. Unwahrscheinlich, dass man in Hamburg ohne die popularisierende Wirkung von Bastian Schweinsteiger von sich aus auf das 23-jährige Münchener Model gekommen wäre, von dem Schweinsteiger einst sagte, es sei „sein liebstes Kuscheltier“.

Es ist eine Win-Win-Situation: Attraktivität ist ein hohes Gut in der Mediengesellschaft. Und so bessert mancher etwas sperrig geratene Profifußballer seine Glamourbilanz durch eine attraktive Begleiterin auf –  während die Frauen umgekehrt mit geringem Aufwand große Werbewirkung erzielen. „Bild“ registrierte atemlos Gerckes „Mini-Mini-Mini-Shorts“ und die „laaangen Beine“ und meldete, dass Marcel Schmelzers Freundin Jenny Rohde (23) ein „rosa Halstuch und Cargo-Pants im Military-Look“ trug, während sich Mats Hummels Freundin Cathy Fischer (23) für eine „verwaschene Jeansjacke“ entschieden habe. Nachwuchskomiker Mehmet Scholl – selbst zum zweiten Mal verheiratet – nannte als seinen Traumberuf einst „Spielerfrau“.

Zumindest Brandner freilich will nicht bloß als attraktiver „Glücksbringer“ („Bild“) wahrgenommen werden – und noch weniger als Teil einer sexualisierten Medienphantasie, eines liebestollen Trosses, der spärlich bekleidet in Osteuropa einfällt und unter dem Motto „Unsere Mädels sind schon Europameister!“ („Bild“) nach dem Sieg gegen Portugal „Jogis Jungs“ („Bild“) mit einer „Liebesnacht belohnen“ („Bild“) durfte. „Ich will nicht als Anhängsel wahrgenommen werden“, sagte Brandner der „Gala“. „Ich gehe einfach meinen Weg“.

Auf keinen Fall will sie das Klischee des blonden Luxusweibchens mit Riesensonnenbrille erfüllen, das seine Popularität allein der Tatsache verdankt, dass es das Bett mit einem Starfußballer teilt. Wie die Liverpooler Maurerstochter Coleen McLoughlin zum Beispiel, die als Teenager Wayne Rooney kennenlernte, der sie dann beim ersten Date in den Kinofilm „Spion in geheimer Missionarsstellung“ ausführte. Heute hat sie eine eigene Parfümserie und mehrere Millionen eigene Pfund auf dem Konto.

Am Mittwoch flogen die niederländischen WAGs in der Ukraine ein. Sylvia van der Vaart, die Victoria Beckham des europäischen Festlands, twitterte ein Foto, das Schlimmstes vermuten lässt: „Oranje girls!!! ♥“ – dazu das Bild von elf aufgerüschten Holländerinnen. Es sieht aus wie ein Junggesellinnenabschied in Atlantic City.

Deutschland beobachtet derlei „Karrieren“ mit Skepsis. Man sieht leistungslosen Erfolg hier traditionell kritischer als anderswo. Sarah Connors jüngere Schwester Anna-Maria Lagerblom allerdings hat jüngst vorgemacht, wie man sich in Rekordzeit in den Promi-Zirkus katapultiert: Zwei Jahre war sie mit Mesut Özil liiert, dann wechselte sie das Metier. Seit Mai ist sie mit Rapper Bushido verheiratet.

Das hat bei Gina-Lisa und Jerome Boateng zwar noch nicht geklappt. Aber sie arbeitet dran.

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