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Nachrichten Medien Sat.1. setzt Maschmeyer-Show ab
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16:21 12.04.2018
Aus für den TV-Unternehmer: Sat.1 hat Carsten Maschmeyers Show „Start up!“ abgesetzt. Quelle: dpa
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Berlin

Das ging dann doch schnell: Wegen desaströser Quoten hat der TV-Sender Sat.1 die groß angekündigte und bundesweit beworbene Gründershow „Start up!“ des Unternehmers Carsten Maschmeyer abgesetzt. Die noch nicht gesendeten Folgen werden nur online zu sehen sein. Die Sendung war nach einem stetigen Quotensinkflug zuletzt bei desaströsen Marktanteilen von 1,9 Prozent im Gesamtpublikum und 2,8 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen angekommen. Der große Werbeaufwand, der Flankenschutz durch teures Marketing und die großflächigen Ankündigungen im Vorfeld – all das half nicht. Es war ein Flop.

Es sollte Maschmeyers großer Durchbruch als TV-Star und schillernde Medienfigur sein: In „Start up!“ buhlten Jungunternehmer mit ihren Geschäftsideen um die Gunst des Multimillionärs. Als Lohn winkte die gemeinsame Gründung einer Firma. Das ohnehin schon komplizierte Konzept blieb stets rätselhaft. Die Strahlkraft der Sendung und ihres Stars wurde auch dadurch nicht größer, dass es sich um einen offensichtlichen Nachbau des Vox-Erfolgsformates „Die Höhle der Löwen“ handelte. Ziel des Unternehmers dürfte gewesen sein, ähnlich wie Donald Trump in den USA mit „The Apprentice“ den Sprung vom Unternehmer zum durchaus populären Entertainer zu schaffen, quasi zur Unternehmerversion vom Dieter Bohlen.

„Das Format war nicht relevant genug“

„Leider war für die Zuschauer unser uniques, hochwertiges spezifisches Format ‚Start Up!‘ mit der Entwicklung von Logos, Claims und neuen Produkten nicht relevant genug“, teilte Sat.1 mit. In diesem Statement ist gleichzeitig einer der Gründe versteckt, warum „Start up!“ nicht funktionieren konnte: Die Welt des Risikokapitals mit ihren Marketingfloskeln, „uniquen Claims“ und speziellem Fachchinesisch („Das ist nicht skalierbar!“) ist von der Lebenswirklichkeit des gemeinen Sat.1-Zuschauers so weit entfernt wie Sat.1 selbst von der Marktführerschaft. Wen außerhalb der Agenturwelt interessiert die Gestaltung eines Logos oder die Suche nach einem reizvollen Werbeclaim?

Bei Vox und der „Löwenhöhle“ bezieht die Show ihren Reiz aus den schillernden Persönlichkeiten der Juroren, zu denen – Ironie der Fernsehgeschichte – seit dem Abgang des insolventen Reiseunternehmers Vural Öger – auch Maschmeyer gehört. Es ist ein geschickt konstruiertes Gesellschaftsspiel, bei dem die Fallhöhe zwischen den abgezockten Geldgebern mit Herz und den aufgeregten Jungunternehmern jene Emotionen erzeugt, die Zuschauer bindet.

Per Twitter hatte Maschmeyer zuletzt versucht, Aufmerksamkeit für seine darbende Show zu erzeugen. Er rief in einer Art selbstironischer Flucht nach vorne dazu auf, böse Tweets zu „Start up!“ abzusetzen: „Ich freue mich schon auf #StartUpSat1 – und eure kreativ-fiesen Beiträge zu mir und der Sendung!“ Doch seine Social-Media-Offensive ging nach hinten los: Er erntete vornehmlich Hohn und Spott in den sozialen Medien. Die 10.000 Euro, die Maschmeyer für den „bösesten Tweet“ auslobte, gingen schließlich an Twitterer Michael Fritz. Er hatte geschrieben: „Sind wir mal ehrlich, ohne Kohle wäre @maschmeyer vermutlich Bademeister oder 80er Jahre David-Hasselhoff-Party-Double aus Castrop-Rauxel. Vermutlich beides.“

Selbst alte „Dr. House“-Folgen waren beliebter

Den Quoten nützte die Aktion nichts: Mit nur noch 280 000 jungen Zuschauern schaffte „Start up!“ nicht einmal mehr den Sprung in die 50 beliebtesten Sendungen am Mittwochabend, ermittelte der Branchendienst Meedia. „Selbst uralte ,Dr. House’-Folgen bei Super RTL waren beliebter.“

Woran lag’s? Maschmeyer bleibt eine Reizfigur. Das muss kein Hindernis sein. Es ist unter Umständen sogar förderlich, wenn es um den „Buzz“ geht, ohne den eine neue Show nicht in die Gänge kommen kann. In diesem Fall aber blieben das Format und die Rolle seines Aushängeschildes darin konstant rätselhaft.

Maschmeyer selbst äußerte sich gelassen zum Aus für die Sendung: „Alle, auch ich, haben sich mehr erhofft“, schrieb er bei Twitter. „So ist Gründen: Glaube ans Produkt, gib alles, um es stark umzusetzen.“ Das Thema sei wohl zu spezifisch, so dass es vor allem für jüngere gründeraffine Menschen relevant sei.

Von Imre Grimm

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