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Mut zur Lücke

Sabine Heinrich moderiert „Unser Star für Oslo“

Von Imre Grimm

Doch, auch die ARD hat junge Talente: Moderatorin Sabine Heinrich ist die erste Gewinnerin von Stefan Raabs Grand-Prix-Sause. Mit Charme und Witz führt die 33-Jährige Newcomerin das Regiment.

Die Moderatoren von „Unser Star für Oslo“: Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich.

© dpa

Sabine - das sagen die wenigsten. Selbst Freunde sagen „Frau Heinrich“. Frau Heinrich – das klingt so hübsch ironisch, so liebenswert vertüddelt. Sogar Frau Heinrich sagt gelegentlich Frau Heinrich, wenn sie über sich selbst spricht, was sie selten tut, weil sie eben nicht so gern über sich selbst sprechen mag. In Nordrhein-Westfalen ist die 33-Jährige ein mittelgroßer Star. Einer freilich, dessen Gesicht kaum jemand kannte. Das wird sich ändern. Und alles nur, weil Stefan Raab gern 1LIVE hört, wenn er mittags in Köln-Mühlheim zur Arbeit ins Studio fährt.

„1LIVE mit Frau Heinrich“ heißt ihre Radiosendung im WDR, für die nicht wenige das schreckliche Wort „Kult“ verwenden. Lustig, routiniert, sympathisch gibt die 33-Jährige da seit neun Jahren montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr den menschlichen Kitt zwischen den Charthits. Sie hat sich eine breite Fanbasis erquasselt, seit damals, als sie an Weiberfastnacht 2001 („Der erste 1LIVE-Redakteur, den ich sah, trug eine lila Perücke“) aus ihr unverständlichen Gründen das Casting bestand. „Die waren doch alle besoffen.“ Und dann, im November 2009, kam der Anruf ihres Lebens: Frau Heinrich soll es also sein, die Vertreterin der „ARD-Jugendwellen“ beim Grand-Prix-Joint-Venture zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Privaten. „Den ersten Schock habe ich im Schnaps ertränkt.“

Mehr als 1000 Radiosendungen hat die Westfälin aus Kamen-Heeren im Kreis Unna schon hinter sich, hat davor als Redakteurin bei mehreren Tageszeitungen gearbeitet. Auch eine zehnteilige kleine Ferien-Late-Show im WDR-Fernsehen 2006 („Schorn und Heinrich“) hat sie tapfer hinter sich gebracht. Dieses Ding hier aber, die Moderation der achtteiligen Castingshow „Unser Star für Oslo“ mit ihrem PRO7-Kollegen Matthias Opdenhövel („Schlag den Raab“), ist das mit Abstand größte in ihrer Karriere. Der Raab, so heißt es, höre sie gern sprechen und habe sein Plazet gegeben. Das war entscheidend.

„Ich bin’s nicht gewöhnt, dass mir Leute beim Reden zugucken“, sagt sie. „Ich kenne das aus der Uni bei Referaten: Wenn ich da in gelangweilte Gesichter gucke, drohe ich schnell zu verunsichern. Mein Schulterbereich sieht sehr unentspannt aus. Da müssen Sie mal drauf achten.“ Eine Moderationstrainerin hat ihr in einem TV-Crashkurs beigebracht, das „Selbstbewusstsein, dass ich im Radio habe, ins Fernsehen zu übertragen“. Operation gelungen. Der Mut der ARD, bei dieser „nationalen Aufgabe“ eine TV-Nachwuchskraft ins Rennen zu schicken, hat sich ausgezahlt. Im Kosmos der Öffentlich-Rechtlichen, in der Radiosender für Jüngere tatsächlich noch „Jugendwellen“ heißen – ein Wort, das nach „Bitte nicht stören“-Messingschildern klingt, nach Technikern in weißen Kitteln und angemoosten Sendesälen in Fünfziger-Jahre-Optik –, wirkt Sabine Heinrich wie aus der Gegenwart: unverkrampft, spontan, glaubwürdig, authentisch.

Da hat die oft als senil verschriene ARD in den eigenen Reihen doch tatsächlich jemanden gefunden, der den Charme einer größeren Schwester versprüht inmitten dieses nationalen Kindergeburtstags namens Grand-Prix-Vorentscheid. Dieser wandelt sich unter der Ägide von Raab zum echten Musikfest. Und zeigt der RTL-Konkurrenz von „DSDS“ ganz nebenbei, dass Casting nicht zwangsläufig eine erniedrigende, oberflächliche Kinderbeschimpfungsveranstaltung sein muss.

Aufgeregt war sie vor der ersten Sendung am 2. Februar. Klar doch, so als Neuling. „Ach Frau Heinrich“, haben die Kollegen bei 1LIVE gesagt, „du stellst dich ja sonst auch auf den Stuhl und rockst die Bude!“ Aber gleich ein paar Millionen Zuschauer? Das übersteht man nur, wenn man die Sache nicht allzu ernst nimmt. „Für mich ist der Grand Prix nicht so ein Event-Ding“, sagt sie. „Ich guck’ das nicht mit 20 Leuten und Länderflaggen auf der Frikadelle.“ Die größte Übung, sagt sie, ist es, ruhig zu bleiben, abgeklärt zu tun. „Denn in Wahrheit möchte ich die ganze Zeit schreien: Booaah, guck mal! Da ist Stefan Raab!“

Es läuft gut für Frau Heinrich. Und manchmal kann es auch bei der ARD ganz schnell gehen: Am 4. März darf sie – ebenfalls mit Opdenhövel an ihrer Seite – gleich noch die Echo-Verleihung aus Berlin moderieren (20.15 Uhr, ARD). Hat sie noch nie gemacht. Macht aber nichts. Wird sie schon packen. Mut zur Lücke.

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