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Panorama Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist neuer Papst Franziskus I.
Nachrichten Panorama Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist neuer Papst Franziskus I.
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23:42 13.03.2013
Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien ist der neue Papst. Quelle: afp
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Rom

Erstmals kommt ein Papst aus Südamerika. Kardinal Jorge Mario Bergoglio, Erzbischof von Buenos Aires, wurde am Mittwoch im fünften Wahlgang des Konklaves in Rom zum Nachfolger von Benedikt XVI. gewählt.

Um 20.22 Uhr trat der 76-jährige Argentinier als Papst Franziskus I. auf den Balkon des Petersdoms und wurde von Zehntausenden Menschen umjubelt. Kurz zuvor hatte Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran das Ergebnis des Konklaves mit den traditionellen lateinischen Worten "Habemus papam" (Wir haben einen Papst) verkündet. Franziskus I. ist der 266. Papst der Kirchengeschichte.

Kurze Ansprache

Um 19.05 Uhr hatte weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle der Weltöffentlichkeit angezeigt, dass mit Zwei-Drittel-Mehrheit eine Entscheidung unter den 115 Kardinälen gefallen war, wer künftig die katholische Weltkirche mit mehr als einer Milliarde Gläubigen führen soll. In einer kurzen Ansprache dankte Franziskus I. den Menschen vom Balkon des Petersdoms aus und betete ein "Vater unser" für seinen zurückgetretenen Vorgänger Benedikt XVI. Erstmals spendete der neue Papst den Segen "Urbi et Orbi" (der Stadt und dem Erdkreis). Er bat die Gläubigen um Unterstützung für sein Amt und verabschiedete sich nach rund zehn Minuten mit den Worten: "Gute Nacht! Und ruht gut aus!"

Schärfster Konkurrent von Joseph Ratzinger

Der aus Deutschland stammende Benedikt hatte als erster Papst der Neuzeit mit 85 Jahren zum 28. Februar aus Altersgründen seinen Rücktritt erklärt. Beim Konklave vor acht Jahren soll Bergoglio der schärfste Konkurrent von Joseph Ratzinger gewesen sein. Der Argentinier erhielt damals italienischen Medienberichten zufolge 40 Stimmen der versammelten 115 Kardinäle. Erst im vierten Wahlgang habe der konservative Flügel der Purpurträger den damaligen Präfekten der Glaubenskongregation und deutschen Kurienkardinal gegen den als progressiv geltenden Lateinamerikaner durchgesetzt.

Entsprechend groß war nach der Wahl am Mittwoch der Jubel in Argentinien. Präsidentin Cristina Kirchner beglückwünschte Bergoglio per Twitter zu seiner Wahl und wünschte ihm viel Erfolg bei der verantwortungsvollen Aufgabe, "die Gerechtigkeit, die Gleichheit, die Brüderlichkeit und den Frieden" zu fördern. Gläubige, die sich zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Wahlergebnisses in einer Messe in der Kathedrale von Buenos Aires befanden, spendeten dem neuen Oberhaupt der katholischen Kirche minutenlangen Beifall.

Reaktionen aus Deutschland

Bundespräsident Joachim Gauck schickte noch am späten Mittwochabend ein Glückwunschschreiben nach Rom. "Sie treten die Nachfolge Petri in Zeiten großer Herausforderungen an", schreibt das deutsche Staatsoberhaupt darin. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte: Sie freue sich besonders mit den Christen in Lateinamerika, "dass nun zum ersten Mal einer der Ihren an die Spitze der katholischen Kirche berufen worden ist". Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erklärte: "Der lateinamerikanische Kontinent darf stolz sein, erstmals in der Geschichte der Kirche einen Nichteuropäer als Papst zu stellen." Die katholische Kirche sei Weltkirche, die in besonderer Weise durch den neuen Heiligen Vater repräsentiert werde.

Den Kölner Kardinal Joachim Meisner überraschte die Wahl des Argentiniers. Er habe vor dem Konklave an ganze andere Kandidaten gedacht, sich aber sehr über die Wahl gefreut, sagte er nach der Wahl. Das Konklave habe gezeigt: "Die Regie hat ein anderer geführt, nicht wir als Kardinäle." Meisner spielte damit darauf an, dass bei der Wahl eines Papstes Gottes Wille offenbar werden soll.

Namenswahl

Viele Kirchenvertreter und Politiker würdigten den neuen Papst für die Wahl seines Namens. Franziskus erinnert an den Heiligen Franz von Assisi (um 1181-1226), der sich besonders für Arme einsetzte. So betonte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York die gemeinsamen Ziele von katholischer Kirche und Vereinten Nationen wie die Armutsbekämpfung, die Förderung des Friedens auf der Welt und den Einsatz für Menschenrechte. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sagte, es freue ihn besonders, dass der neue Papst durch die Namenswahl bewusst ein Zeichen setze für die Armen und für Gerechtigkeit in der Welt. Der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten wünschte Papst Franziskus I. "Gottes Segen für sein Amt und seine großen Aufgaben in der römisch-katholischen Kirche, viel Kraft für anstehende Entscheidungen und einen weltoffenen Blick".

epd

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