Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Panorama Fliegerbombe in Dresden nach 48 Stunden entschärft
Nachrichten Panorama Fliegerbombe in Dresden nach 48 Stunden entschärft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 24.05.2018
Die Fliegerbombe wurde am Dienstag bei Bauarbeiten gefunden. Quelle: dpa
Anzeige
Dresden

Der Polizeieinsatz in Dresden-Löbtau ist beendet. Die Fliegerbombe, die dort am Dienstag bei Bauarbeiten gefunden wurde, ist entschärft. Die Sperrungen werden aufgehoben, alle Anwohner können zurück in ihre Wohnungen.

Drei Schritte geplant

„Wir wollen den Einsatz heute zu Ende bringen und gehen deshalb mehr Risiko ein“, sagte Polizeisprecher Thomas Geithner am Donnerstagmittag. Konkret sprach Geithner von drei Schritten: Ein aus Leipzig angeordneter Löschroboter setzte zunächst dem Brand ein Ende. Schäden an Gebäuden – das hätten von einem Hubschrauber gemachte Aufnahmen gezeigt – seien nicht entstanden, sagte Geithner.

Anschließend hat ein gepanzerter Bagger die Brandreste von der 250-Kilogramm-Bombe geschoben. Damit hätte man zwar keine Erfahrung gehabt, ging aber davon aus, dass es in dieser Lage das beste Mittel sei.

„Schwierige und belastende Situation“

„Es ist schon die zweite Nacht, die Anwohner hier nicht in ihren Wohnungen verbracht haben. Das ist für alle schwierig und belastend“, sagte Geithner. Man tue alles dafür, dass der Einsatz mit Sperrung und Evakuierung nicht in eine dritte Nacht gehe. „Versprechen können wir das nicht – es hat bei diesem Einsatz schon so viele Überraschungen gegeben.“

Der zweite, ferngesteuerte Entschärfungsversuch war in der Nacht zu Donnerstag nicht optimal verlaufen. Der Zünder wurde um 23.18 Uhr per Fernzündung aus der Bombe gedreht. „Wir gehen derzeit davon aus, dass es schon beim ersten Ruck des Zünders zur Teildetonation und dann zum Funkenflug kam“, sagte ein Polizeisprecher. Dabei kam es zum Brand des Dämmmaterials. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Detonation richtet keine größeren Schäden an

Größere Schäden seien nicht entstanden. Man habe zu gepresstem Karton gegriffen, weil dieser die Wucht einer Detonation sehr gut absorbieren könne, reagiert Geithner auf Kritik, warum ausgerechnet mit brennbarem Material abgedämmt wurde.

Am Mittwochnachmittag, nach einem ersten Entschärfungsversuch, war klar: Der fünf Zentner schwere Blindgänger sollte ferngesteuert entschärft werden. Nach Angaben von Polizeisprecher Geithner wurde dabei ein sogenannter Raketenaufsatz auf den Zünder montiert. Dieser kann per Fernsteuerung bewegt werden und soll sich gemeinsam mit dem Zünder aus der Bombe herausdrehen.

Wegen der großen Explosionsgefahr hatte die Polizei am späten Mittwochnachmittag die Absperrung um ein unbebautes Gebiet südlich der Fröbelstraße erweitert. Man wollte die Druckwelle in diese Richtung leiten, sagte ein Sprecher. Nach Angaben der Experten würde die Wahrscheinlichkeit einer Detonation bei 50:50 liegen.

Erster Versuch abgebrochen

Die Spezialisten zur Beseitigung von Kampfmitteln hatten einen ersten Einsatz am Mittwochmittag zunächst abgebrochen, weil die Situation zu heikel gewesen sei. „Der mechanische Zünder ist freigelegt. Nach Einschätzung unserer Experten ist die Detonationsgefahr höher als erwartet“, so die Polizei. Der Sperrbezirk blieb bis auf Weiteres bestehen. Mehr als 700 Polizisten unterstützten die Aktion. Auch Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) machte sich ein Bild von der Situation. Wöller dankte den Einsatzkräften. Das Ganze laufe reibungslos und hochprofessionell ab.

Die Schwierigkeit des Einsatzes: Die Bombe befand sich in einem Zustand, in der sie nach herkömmlichen Mitteln nicht entschärfbar war, so Polizeipräsident Horst Kretzschmar. Bei einer Bewegung des Zünders oder der Bombe war eine Detonation wahrscheinlich.

Schutzwall aus Dämmmaterial

Deshalb wurden entsprechende Vorkehrungen getroffen. Um die Bombe herum wurde ein Schutzwall aus Dämmmaterial errichtet. Auch verschiedene Gebäude und Einrichtungen mussten auf ähnliche Weise geschützt werden. Antransportiert wurden Betonblöcke, Papierballen und mit Sand gefüllte Bigpacks.

Ziel war es, dass Umfeld für den Fall einer Detonation abzusichern. Es sei viel Neuland dabei gewesen und daher auch für die Polizei ein Experiment, sagte ein Sprecher.

Anwohner im Umkreis von 400 Metern mussten im Vorfeld ihre Wohnungen verlassen. Rund 8700 Menschen sind betroffen. Nach Einschätzung der Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes handelt es sich um eine fünf Zentner Fliegerbombe englischer Bauart.

Zeitplan gerät aus den Fugen

Eigentlich hatten die Spezialisten eine Entschärfung noch in der Nacht zu Mittwoch geplant. Aufgrund der zahlreichen Betroffenen im Evakuierungsgebiet konnte dieser Zeitplan aber nicht eingehalten werden. Verzögerungen gab es insbesondere bei der Räumung der beiden Seniorenheime und der geriatrischen Klinik mit insgesamt mehr als 230 Bewohnern. Sie wurden in der Notunterkunft in der Messe, wo insgesamt knapp 1300 Bewohner aufgenommen wurden, sowie in den Krankenhäusern der Region untergebracht – im Städtischen Klinikum Dresden, im Diakonissenkrankenhaus Dresden, im Universitätsklinikum Dresden und im Krankenhaus Freital.

Von der Absperrung betroffen waren auch verschiedene Geschäfte, eine Berufsschule, eine Kita, Betriebe und Einkaufsmärkte. Ein Zutritt in den Bereich war während der Entschärfung nicht möglich. Auch für den Fahrzeugverkehr war das Areal gesperrt.

Der Berufsverkehr war seit Mittwoch stark beeinträchtigt. Das von Räumungen betroffene Gebiet liegt mitten in der Innenstadt unweit des Hauptbahnhofs. Von Staus und Behinderungen betroffen sind vor allem die Kesseldorfer Straße, die Löbtauer Straße, die Nossener Brücke, die Tharandter Straße und die Nebenstraßen. Auch bei den Dresdner Verkehrsbetrieben führte der Bombenfund für zahlreiche Verspätungen.

Fluggäste mussten erneut mit großen Einschränkungen rechnen. Die Flugsicherung habe am Donnerstag wieder eine Sperrung des Luftraumes über der Stadt ausgerufen, teilte ein Sprecher des Flughafens in Dresden am Morgen mit. Dadurch seien Starts und Landungen am Flughafen nicht möglich.

Bereits am Mittwoch gab es Einschränkungen. Wegen der Entschärfung hatten insgesamt 25 Starts und Landungen am und vom Flughafen Dresden abgesagt werden müssen. Der Flughafen war zeitweise komplett geschlossen.

Die Stadt hat ein Bürgertelefon eingerichtet. Es ist unter der Nummer (0351) 488 7666 zu erreichen.

Von cg/uh/DNN/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im Fall des in Osnabrück toten Babys in Osnabrück liegt das Obduktionsergebnis vor. Der Säugling starb demnach durch Schläge auf den Kopf. Zuvor hatten die Eltern behauptet, das Kind sei durch einen Hundebiss verletzt worden.

24.05.2018

Die Vorbereitungen für das große Finale von „Germany’s Next Topmodel“ 2018 laufen auf Hochtouren. Jury und Kandidatinnen proben fleißig, damit bei der Show nichts schiefgeht. Doch dabei kam es zu einem kleinen Unfall.

24.05.2018

Die Umstände zum Tod eines vierjährigen Jungen in der Rhein-Main-Therme sind wohl aufgeklärt. Laut des Obduktionsberichts soll das Kind ertrunken sein.

24.05.2018
Anzeige