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Panorama Das „Bundesbüdchen“ kehrt zurück
Nachrichten Panorama Das „Bundesbüdchen“ kehrt zurück
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21:32 19.12.2013
Das legendäre „Bundesbüdchen“kommt zurück. Der jahrelang eingelagerte Kiosk im früheren Bonner Regierungsviertel soll wieder aufgebaut werden. Quelle: Martin Gerten
Bonn

Helmut Kohl ließ seinen Fahrer dort Brötchen holen; Wolfgang Clement trank bei ihm oft einen Kaffee oder aß eine Bratwurst: Jürgen Rausch kannte die Bonner Politprominenz, denn sie stand täglich an seinem Kiosk im Bonner Regierungsviertel. Das 20 Quadratmeter große „Bundesbüdchen“ galt als Symbol der Bonner Republik - insgesamt fast 50 Jahre lang. „Joschka Fischer hat bei mir immer seine Comics gekauft“, erinnert sich Rausch. Auch Fischers Dackel „Dugo“ habe sich ihm eingeprägt. Der habe den späteren Außenminister nämlich ständig wie ein Verrückter angebellt. „Doch Fischer hatte nie Angst, hat nicht mal mit der Wimper gezuckt“, sagt Rausch. „Das war ein Spiegelbild dessen, wie er sich in der Politik gegeben hat.“

Doch als der Regierungssitz 1999 nach Berlin verlegt wurde, blieben Rausch und sein Kiosk zurück. 2006 verschwand auch der Kiosk, eines der letzten Relikte der Bonner Republik. Er musste einem Konferenzbau weichen. Weil Rauschs Zeitungsstand, Baujahr 1957, unter Denkmalschutz steht, wurde er am Stück auf einen Schwertransporter verladen und auf einem Bauhof eingelagert. Auf unbestimmte Zeit.

Ihn an anderer Stelle wieder herrichten zu lassen, konnte sich Rausch nicht leisten. Also trennte er sich schweren Herzens von dem Büdchen, in dem er seit 1984 fast jeden Tag Zeitungen und Zigaretten verkauft hatte. „Seitdem arbeite ich in einem Provisorium, eine Straße weiter. Da verkaufe ich auch Essen, das ist schon fast Gastronomie“, sagt der 57-Jährige nicht ohne Stolz. Gut gingen die Geschäfte dort aber nicht: „Ich habe über Jahre am Existenzminimum gelebt.“

Das könnte sich nächsten Jahr ändern, wenn sein Kiosk überraschend zurückkommt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die rund 60 000 Euro zur Verfügung stellt, und ein privater Förderverein finanzieren den Wiederaufbau. Insgesamt wird er wohl 300 000 Euro kosten. Spätestens im Sommer soll es so weit sein. Den neuen Namen „Jürgen Rauschs Bundesbüdchen“ hat er sich schon mal schützen lassen: „Der Kiosk hat doch hohen symbolischen Wert“, sagt der 57-Jährige. Der Pavillon wird nach dem Wiederaufbau Eigentum der Stadt, Rausch ist künftig nur noch Betreiber. Doch das ist ihm egal, er möchte nur endlich wieder in sein Büdchen.

In Kürze soll das Fundament gegossen werden, nur wenige Meter von Rauschs Imbissbetrieb entfernt. Dort wird der 57-Jährige, der vor Kurzem Besuch vom ehemaligen Arbeitsminister Norbert Blüm bekam, dann wieder Zeitungen und Zigaretten verkaufen. Fast so wie früher. Nur, dass jetzt andere Kunden kommen. Statt Politprominenz erwartet Rausch Mitarbeiter der Vereinten Nationen und die Belegschaft der Deutschlandzentralen der Deutschen Post und der Telekom. Er hofft, auch für sie zur Stammadresse zu werden. „Ich werd’ das noch ’ne Weile machen“, sagt Rausch mit fester Stimme.

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