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Nachrichten Panorama Warum dieser Mann ein neues Dorf gründen will
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13:57 16.09.2018
Frederik Fischer sagt: „Ich bin stadtmüde.“ Quelle: privat
Potsdam

Frederik Fischer hat genug von der Großstadt. Genug von der leblosen Schießscharten-Architektur der Neubauten. Genug von den endlosen Wegen, die zurücklegen muss, wer Freunde in einem entfernten Stadtteil besuchen will. „Ich bin stadtmüde“, sagt Fischer, der fast sein gesamtes Leben in Metropolen verbracht hat. In San Francisco und London, in Amsterdam und seit rund zehn Jahren in Berlin.

Deswegen will Fischer, der hauptsächlich als Journalist arbeitet, raus aufs Land – aber ohne alle urbanen Vorzüge aufgeben zu müssen. „Egal wen man in Berlin in meinem Freundeskreis fragt, fast jeder hat schon einmal darüber nachgedacht aufs Land zu ziehen. Viele aber haben Angst bei Null anzufangen.“ Das soziale Netzwerk hinter sich zu lassen, auf Cafés und Bars zu verzichten, können sich viele nicht vorstellen.

Fischer will die Stadt aufs Land holen – ins Kodorf

Um beides zu vereinen, will Fischer nun ein Stück der Stadt aufs Land holen. Gemeinsam mit Architekten, Handwerkern, Kreativen will er ein Dorf gründen: das Kodorf. Angelehnt an die Philosophie des Co-Working, der neuen Arbeitsform für digitale Nomaden, die zum Geldverdienen nur ihren Laptop brauchen, kommt nun also das Co-Living – auf dem Land. In dem neuen Dorf sollen vor allem Digitalarbeiter, wie Fischer sie nennt, die Möglichkeit haben, ihrem Beruf nachzugehen und gleichzeitig die Weite der Natur zu genießen.

Der Plan ist wagemutig, aber schon einigermaßen konkret. Das Grundstück, etwa zwei Hektar, soll mindestens 50 Wohnhäuser beherbergen. Ein beteiligtes Architekturbüro erarbeitet gerade die konkrete Umsetzung. Angeboten werden, sollen Miniaturhäuser in drei Größen: 30, 50 und 70 Quadratmeter – zu erschwinglichen Preisen. Ein Haus soll ab 100 000 Euro zu haben sein. Dazu kommen Cafés, ein Coworking-Space, ein Restaurant. Gemeinschaftshäuser, die allen Dorfbewohnern gehören. Denn finanziert werden sollen sie durch eine Genossenschaft, die auch Inhaber des gesamten Grundstücks bleibt. Jeder Bewohner zahlt einen monatlichen Beitrag und finanziert so direkt das Dorfleben.

Rund 500 Interessenten haben sich eingetragen

An Interessenten mangelt es nicht. Rund 500 Leute haben sich auf einer Liste für das Dorf eingetragen. „Natürlich werden nicht alle schlussendlich Teil des Dorfes sein“, sagt Fischer. „Bei vielen hängt es davon ab, wo wir bauen wollen.“ Denn die größte Frage ist noch nicht gelöst: Wo soll das neue Dorf entstehen?

„Am liebsten würden wir in Brandenburg bauen“, sagt Fischer. Die Nähe zu Berlin, die Schönheit der Landschaft: „Für viele von uns wäre Brandenburg perfekt.“ Doch die Suche nach einem geeigneten Grundstück läuft in ganz Deutschland. Und obwohl das Team schon von einigen Bürgermeistern angesprochen wurde, ist sie nicht ganz einfach. „Es muss passen“, sagt Fischer. „Wir wollen uns nirgendwo aufdrängen und wir wollen vor allem kein Ufo in der Region sein.“ Eine benachbarte Stadt, ein benachbartes Dorf müsse daran interessiert sein, die Kodorf-Gemeinschaft aufzunehmen. „Sonst hat das keinen Sinn.“

Kodorf soll kein „exklusiver Kreis“ werden

Denn das Kodorf soll kein reiner Niedrigpreis-Landwohnsitz werden. „Wir möchten schon eine gewisse Fluktuation.“ Etwa die Hälfte der Bewohner solle dauerhaft im Kodorf wohnen, sagt Fischer. Dazu könnten kurzzeitige Zwischenmieter immer wieder frische Ideen in das Dorf bringen. „Wir wollen kein exklusiver Kreis werden, der nicht durchlässig ist“, sagt Fischer.

Er selber möchte dauerhaft in das Dorf ziehen. Auch wenn er Berliner Kinos mit englischsprachigen Filmen dann nur noch seltener besuchen könnte. „Aber dafür würde ich jeden Tag nach der Arbeit die Nähe zur Natur nutzen“. Fischer ist sich sicher: „Das steigert die Lebensqualität um 300 Prozent.“

Die Wirtschaftsförderung in Brandenburg steht neuen Konzepten offen gegenüber: „Das gibt einen zusätzlichen Impuls und entspricht dem Trend, im Grünen arbeiten zu wollen. Vor allem die florierende Gründerszene des Landes sucht ein Umfeld, wo sie sich mit Gleichgesinnten treffen und austauschen kann. Diese Entwicklung betrachten wir als Pluspunkt für den Standort“, sagt Alexander Gallrein, Sprecher der Wirtschaftsförderung im Land Brandenburg.

Von Ansgar Nehls/MAZ/RND

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