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Göttingen: Drei Menschen sterben bei Bombenexplosion

Zehn-Zentner-Bombe Göttingen: Drei Menschen sterben bei Bombenexplosion

Bei der Explosion einer Zehn-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg sind am Dienstagabend in Göttingen drei Menschen getötet und sechs weitere verletzt worden, zwei von ihnen schwer.

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Quelle: dpa

Die Explosion ereignete sich nach Angaben der Polizei während der Vorarbeiten zur Entschärfung der Bombe. Der Sprengkörper detonierte den Angaben zufolge um 21.37 Uhr auf dem Schützenplatz der Universitätsstadt. Noch am Mittwochmorgen blieb der Bereich gesperrt. 300 Meter um den Unglücksort sei zur Sicherheit noch alles abgeriegelt, teilte die Polizei mit. Zudem blieben mehrere Schulen und Kindergärten im Umfeld des Explosionsortes geschlossen. Die Anwohner, die ihre Häuser verlassen mussten, konnten dagegen in der Nacht in ihre Wohnungen zurückkehren.

Über die Identität der Opfer gab es bis zum späten Abend keine eindeutigen Angaben. Laut Polizei hatten alle Toten und Verletzten mit der Entschärfung des Blindgängers zu tun gehabt. Nach Angaben von Frank Gloth, Sprecher der Göttinger Feuerwehr, handelt es sich bei den Todesopfern und den Verletzten sämtlich um Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, der bei der Zentralen Polizeidirektion in Hannover angesiedelt ist. Die Schwerverletzten wurden in die Unfallchirurgie des Universitätsklinikums gebracht. Sie waren am Abend außer Lebensgefahr.

Zeugen berichteten, die Detonation sei so heftig gewesen, dass der Knall noch in einigen Kilometern Entfernung zu hören gewesen sei. Die Evakuierung von rund 7000 Einwohnern, die im Umkreis von einem Kilometer um den Bombenfundort wohnen, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht endgültig abgeschlossen.

Die groß angelegte Evakuierung der Anwohner sollte nach dem Bombenfund um 19 Uhr eingeleitet werden. Nach den Plänen der Stadt sollten alle Anwohner in einem Umkreis von 1000 Metern rund um den Fundort in der Nähe des Hauptbahnhofs evakuiert werden; es war bereits der zweite Fund einer Bombe binnen weniger Tage in dem Stadtgebiet. Dort wird derzeit eine Sportarena gebaut.

Hunderte von Einsatzkräften der Berufsfeuerwehr, der freiwilligen Feuerwehren, von Polizei und Bundespolizei sowie von Rettungs- und Hilfsdiensten und städtischen Diensten sollten im Einsatz sein. Die Bombe sollte den Plänen zufolge gegen 22.30 Uhr entschärft werden, nachdem der letzte ICE auf der nahe liegenden Trasse vorbeigefahren wäre. Der mehr als 65 Jahre alte Sprengkörper explodierte dann allerdings beim Aufbau der Technik zur Entschärfung, wie Feuerwehrsprecher Frank Gloth sagte. Die Explosionsstelle wurde weiträumig abgesperrt.

Keiner hatte mit Problemen bei der Entschärfung des Blindgängers gerechnet, betont Stadtsprecher Detlef Johannson. Ganz im Gegenteil: Bis zur Detonation sei alles nach Plan verlaufen. „Alles lief super, die Spezialisten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst waren vorher top zufrieden.“ Diese waren mit 13 Leuten vor Ort, viele von ihnen hatten bereits am vergangenen Donnerstag in unmittelbarer Nähe eine ähnliche Bombe entschärft - völlig problemlos. Gegen 21.30 Uhr hörte Johannson die Explosion, er war gerade in der Feuerwehrwache. „Ich dachte nichts Gutes“, sagt er. Zusammen mit anderen lief er in das Lagezentrum. „Nach zwei Minuten hatten wir Klarheit, dass etwas Schreckliches geschehen war.“

Auf dem Schützenplatz in Göttingen war bereits in der Nacht zum vergangenem Freitag eine 500-Kilo-Bombe entschärft worden. Dabei mussten 5000 Bürger ihre Wohnungen verlassen. Auch der Göttinger Bahnhof wurde für die Entschärfung am vergangenen Donnerstagabend geräumt. Diese Entschärfung, bei der erstmals ein sogenanntes Wasserschneidegerät zum Unschädlichmachen des Zünders eingesetzt wurde, verlief dann planmäßig.

Insgesamt hatte der Kampfmittelbeseitigungsdienst gestern in Niedersachsen mit vier Blindgängern zu tun. In Löningen im Kreis Cloppenburg sprengten die Experten eine Fliegerbombe, im zum Harzstädtchen Bad Sachsa gehörenden Ortsteil Tettenborn entschärften sie den Sprengkörper. Beide Einsätze waren beendet, bevor die Göttinger Bombe explodierte. Die vierte Entschärfung in Hannover wurde zu diesem Zeitpunkt noch vorbereitet. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst informierte die Mitarbeiter über den Tod der Kollegen und stellte ihnen frei, den Einsatz abzubrechen oder zu beenden. Sie entschieden sich dafür, weiterzuarbeiten und konnten gegen 1 Uhr morgens Entwarnung geben.

 Von Tobias Morchner, Heidi Niemann und Britta Bielefeld/dpa

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Hintergrund

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) in Niedersachsen ist für die Entschärfung, Zerlegung und fachgerechte Entsorgung von Munitionsteilen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg zuständig. Er hat rund 50 Mitarbeiter.

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