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Panorama Heike Drechsler soll nie als IM „Jump“ gearbeitet haben
Nachrichten Panorama Heike Drechsler soll nie als IM „Jump“ gearbeitet haben
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17:41 24.10.2018
„Meine Unterschrift war etwas Blindes und Doofes“: Heike Drechsler zeigt bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney ihre Goldmedaille. Quelle: Foto: Arne Dedert/dpa
Berlin

Immer wieder gab es diese Gerüchte. Sie hörten nicht auf. Für viele war klar, dass Heike Drechsel als IM „Jump“ für die Staatssicherheit gearbeitet hatte. Jetzt kann die prominente DDR-Leichtathletin und zweimalige Weitsprung-Olympiasiegerin die Vorwürfe durch ein Gutachten widerlegen: Entgegen der bisheriger Annahmen war die mittlerweile 53-Jährige keine Inoffizielle Mitarbeiterin (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Das zumindest ergibt sich aus der Expertise, die der Stasi-Forscher Helmut Müller-Enbergs im Auftrag von Drechsler angefertigt hat.

Das Gutachten umfasst 31 Seiten

In dem 31 Seiten umfassenden Gutachten heißt es: „Frau Heike Drechsler war zu keinem Zeitpunkt (...) als IM ‚Jump‘ beim MfS erfasst gewesen.“ Drechsler selbst sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Das Ergebnis bedeutet, dass ich Recht hatte, dass ich nie IM gewesen bin.“

1987 hatte die 1964 im thüringischen Gera geborene und heute in Aachen lebende Sportlerin von Heinz Bergner, einem Stasi-Offizier und Freund der Familie, 500 D-Mark erhalten – und zwar unmittelbar vor der Leichtathletikweltmeisterschaft in Rom. Dafür hatte sie ihm eine Quittung mit dem Namen „Jump“ unterschrieben. Drechsler beteuert nun, sie habe damals nicht gewusst, dass dieser inzwischen verstorbene Mann bei der Stasi gewesen sei. Zusammen mit Bergner trat sie 1993 sogar im ZDF-“Sportstudio“ auf, um sich zu rechtfertigen. „Heike Drechsler hat zu keiner Zeit Informationen abgegeben oder konspirativ gearbeitet“, sagte der Stasi-Major seinerzeit – was ihm viele nicht glaubten.

Drechsler fühlte sich jahrzehntelang belastet

Drechsler fühlte sich durch diese Wahrnehmung ihrer Person offenbar jahrzehntelang belastet. Im Juni vorigen Jahres wandte sie sich deshalb an Müller-Enbergs, der auf das Thema Inoffizielle Mitarbeiter spezialisiert ist. Er recherchierte über ein Jahr lang und urteilt nun, nicht alles, was man Drechsler vorgeworfen habe, sei falsch: „Sie hatte Kontakte zur Stasi, ob wissentlich oder nicht, und sie war – zumindest vorübergehend – Begünstigte der Stasi.“ Aber vom MfS sei sie immer nur als VIM, also als Vorlauf-IM, geführt worden. Sie sollte demnach irgendwann IM werden. Auf die Frage, ob Drechsler „nach den Maßstäben des Ministeriums für Staatssicherheit beziehungsweise im weiteren Fortgang der Untersuchung auch denen des Stasi-Unterlagen-Gesetzes als Inoffizielle Mitarbeiterin des MfS zu bewerten ist, fällt die Antwort eindeutig aus: Nein.“ So fehlt eine Verpflichtungserklärung. Auch schrieb Drechsler keine Berichte.

Lexikon bezeichnete Drechsler als IM

Müller-Enbergs zufolge traf sich die Stasi mit Andreas Drechsler, dem damaligen Mann der Sportlerin, der allerdings ebenfalls kein IM gewesen sei. Eine Analyse der Treffzeiten ergebe zudem, dass sie an den Treffen gar nicht teilgenommen haben könne, weil sie sich woanders aufgehalten habe.

Tatsächlich wurde Drechsler in dem 1992 erstmals erschienenen Lexikon „Wer war wer in der DDR?“ als IM bezeichnet. Müller-Enbergs gehörte zu den Mitherausgebern. Der Eintrag in der Onlinefassung des Lexikons wurde von dem dafür zuständigen Verfasser inzwischen allerdings korrigiert. Dort steht jetzt: „Sie war kein IM des MfS.“ Die 500 D-Mark, sagt Drechsler rückblickend, habe sie als Ausgleich dafür betrachtet, dass sie vor dem Mauerfall von ihren Prämien oft nichts gesehen habe. Ihre Unterschrift von 1987 nennt sie etwas „Blindes, Doofes“. Und es gebe keine Entschuldigung für ihre Naivität.

Stasi-Unterlagenbehörde hält an Einschätzung fest

Laut Bayerischem Rundfunk hält die Stasi-Unterlagen-Behörde unterdessen an der Einschätzung fest, dass Drechsler Mitarbeiterin des Staatssicherheitsdienstes gewesen sei. Dagegen hat die ehemalige Profisportlerin dem Sender zufolge im Februar Widerspruch eingelegt. Gegen Menschen, die Drechsler als IM bezeichnen, will sie sich künftig wehren.

Von Markus Decker/RND

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