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Panorama „Horrorhaus“ bei Ebay-Kleinanzeigen: Verkäufer zieht sein Angebot zurück
Nachrichten Panorama „Horrorhaus“ bei Ebay-Kleinanzeigen: Verkäufer zieht sein Angebot zurück
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18:23 29.11.2018
Eine Frau hält ein Smartphone mit der geöffneten ebay-App in der Hand (Symbolbild). Bei Ebay-Kleinanzeigen war das „Horrorhaus“ angeboten worden. Quelle: Monika Skolimowska/ZB/dpa
Hohengörsdorf

Das „Horrorhaus“ aus Brandenburg kommt vorerst nicht unter den Hammer. Eigentümer Franz Pruckner hat sich gegen den Verkauf an Berliner Interessenten entschieden. Für die vierköpfige Familie heißt es nun: weiter suchen. Dabei brauchen sie so dringend ein neues Heim. Denn ihre Wohnung in einem Hochhaus in Berlin-Buckow wird immer mehr zum Hindernis für ihre schwerbehinderte Tochter.

Die Interessenten, Mutter Judith und Vater Frank, die ihren vollständigen Namen zum Schutz ihrer Familie nicht nennen wollen, erheben schwere Vorwürfe gegen den Eigentümer. Aus ihrer Sicht hat Franz Pruckner sie eine Woche lang immer wieder hingehalten, obwohl er von vornherein wusste, dass er das Haus nicht an sie verkaufen werde.

Zudem behauptet die Familie, der Eigentümer wolle nach dem großen Erfolg der Anzeige noch mehr Profit aus dem Verkauf herausschlagen. Franz Pruckner verteidigt sich gegen die Anschuldigungen. Er habe sich von der Familie schlichtweg unter Druck gesetzt gefühlt. Für eine Entscheidung brauche er einen Käufer, der etwas mehr Geduld mitbringe, damit er sich in aller Ruhe von dem Objekt trennen kann.

Ehrliche Anzeige wurde zum Netz-Hit

Zwei Wochen ist es mittlerweile her, dass das alte Haus in Hohengörsdorf auf dem Verkaufsportal „Ebay-Kleinanzeigen“ als „Drecksloch“ zum Preis von 9000 Euro angeboten wurde. Binnen 24 Stunden wurde die Anzeige über 3500 Mal geklickt und so zum absoluten Renner im Netz. Schon am Freitag war sie wieder gelöscht worden.

Hinter der außergewöhnlichen Anzeige steckte Hobby-Makler Philipp Schumann aus Luckenwalde. Der 31-Jährige wollte das Objekt mit seiner ehrlich-witzigen Beschreibung nach jahrelangem Leerstand endlich an den Mann bringen. Das gelang ihm auch auf Anhieb – zahlreiche Interessenten meldeten sich bei Schumann, darunter auch Judith und Frank aus Berlin. Sie bekamen am 17. November als einzige einen Besichtigungstermin und waren sofort angetan.

Familie will unbedingt raus aus der Stadt

Ohne zu Zögern entschied sich die Familie dafür, das Haus zum Preis von 9000 Euro zuzüglich dem Grundstückspreis von 1500 Euro kaufen. Judith und Frank suchen ihrer 14-jährigen Tochter zuliebe schon lange nach einem Haus auf dem Land. Der Grund: Regelmäßig fallen in ihrem Berliner Hochhaus die Fahrstühle aus. Mutter Judith muss ihre schwerbehinderte Tochter deshalb mehrmals pro Woche in den sechsten Stock tragen. In das Haus in Hohengörsdorf steckten die 34-Jährige und ihr Partner Frank viel Hoffnung, da es sich für die Bedürfnisse ihrer Tochter ideal umbauen lasse. Zudem läge der Preis der Immobilie im Gegensatz zu vielen anderen im Budget der Familie.

Auch für den einen Tag Bedenkzeit, um den Eigentümer Franz Pruckner die Familie gebeten hatte, zeigten Judith und Frank Verständnis. Denn eine Zusage gab es laut Judith ohnehin. „Er hat uns gesagt, dass wir das Haus definitiv kriegen“, so die 34-Jährige. Ihr Partner Frank kann das bestätigen. Danach zögerte Franz Pruckner den Verkaufstermin jedoch immer wieder hinaus. Nach über einer Woche bekamen die Berliner Interessenten letztendlich die Absage.

Für den Eigentümer ging alles zu schnell

Zum Hintergrund erklärte Franz Pruckner am Donnerstag: „Ich hatte das Haus einmal sehr hoffnungsvoll gekauft. Es war sehr teuer.“ Der Inhaber der „Grafischen Werkstatt“ in Berlin wollte ursprünglich ein Bildhaueratelier dort einrichten. Allerdings hatte er seit dem Kauf kaum Zeit und Geld für die Sanierung des Hauses. Um seine Druckerei vor der Pleite zu bewahren, muss er viel Arbeit in aufwendige Aufträge und anspruchsvolle Kunden investieren. Seine Immobilie in Hohengörsdorf blieb deshalb auf der Strecke.

Trotz des Zustandes will er das Haus aber nicht, wie in der Ebay-Anzeige beschrieben, als „Drecksloch“ bezeichnen. „Es ist ein interessantes altes Haus mit schönen Bogenfenstern und Parkettfußboden“, schwärmt er. Verkauft werden soll es dennoch. Zum angegebenen Preis von 9000 Euro erklärt Pruckner: „Das wäre schon ok, das würde ich schon machen.“ Allerdings brauche er Zeit. Zu den Interessenten aus Berlin erklärt er: „Die Leute bedrängen mich zu sehr. Wenn ich an der Maschine drucke, kann ich nicht ans Telefon gehen.“

Suche nach vergleichbarem Objekt

Judith und Frank hingegen berichten, sie hätten ihn nur wenige Male persönlich kontaktiert. Zudem seien sie immer freundlich gewesen. Ein WhatsApp-Chatverlauf von Judith bestätigt dies. Auch für Besuche des Eigentümers wären die Interessenten jederzeit offen gewesen.

Jetzt muss die vierköpfige Familie aber erst einmal weitersuchen. Vielleicht gelingt es ihnen mit Hilfe von Hobby-Makler Philipp Schumann doch noch, sich ihren Traum zu erfüllen. Denn von dem 31-Jährigen sind Judith und Frank noch immer begeistert. „Er ist immer zuverlässig gewesen und ein wirklich toller, ehrlicher Typ“, so Judith.

Von Isabelle Richter/RND

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