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Panorama „Ich finde diese Fotos bescheuert“ – Politik kritisiert Özil und Gündogan
Nachrichten Panorama „Ich finde diese Fotos bescheuert“ – Politik kritisiert Özil und Gündogan
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13:52 15.05.2018
Recep Tayyip Erdogan, Staatspräsident der Türkei, hält zusammen mit Fußballspieler Mesut Özil vom englischen Premier League Verein FC Arsenal, ein Trikot von Özil. Quelle: Pool Presdential Press Service/A
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London/Berlin

Nachdem sich die deutschen Fußballnationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan am Montag mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan getroffen haben, hagelt es deutliche Kritik. So sagte der grüne Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir: „Anstatt Erdogan diese geschmacklose Wahlkampfhilfe zu leisten, wünsche ich mir von den Spieler, dass sie sich aufs Fußballspielen konzentrieren. Sie sollten noch einmal die Begriffe Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nachschlagen.“

Sich um jene Werte wenig zu scheren – dafür steht Erdogan in Europa massiv in der Kritik. Vor einigen Wochen hatte er die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen auf den 24. Juni vorverlegt. Die Opposition in der Türkei wirft ihm vor, diesen kurzen Zeitraum bewusst gewählt zu haben. Sie sieht kaum eine Chance, so kurzfristig einen effektiven Wahlkampf zu organisieren. Erdogan indes will seinem Ziel eines Präsidialsystems mit den vorgezogenen Wahlen einen Schritt näher kommen.

Politiker sind „irritiert“

Das Treffen zwischen den deutschen Fußballnationalspielern und dem türkischen Präsidenten sorgte indes auch bei anderen deutschen Politikern für Unmut. Stefan Müller, der stellvertretende Geschäftsführer der CSU im Bundestag, sei „irritiert“, schrieb er auf Twitter.

„Spieler der Nationalmannschaft sollten sich genau überlegen, ob sie sich wirklich von einem Autokraten so im Wahlkampf instrumentalisieren lassen wollen.“ Ilkay Gündogan wies das zurück. „Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen. Fußball ist unser Leben und nicht die Politik.“

Bei dem Treffen in einem Londoner Hotel hatten die beiden deutschen Spieler und der FC-Everton-Fußballer Cenk Tosun, der in der türkischen Nationalmannschaft spielt, Erdogan Vereinstrikots überreicht. Gündogan versah seines mit dem Satz „Mit großem Respekt für meinen Präsidenten“. Der Kommentar der AfD zum Thema spielte direkt auf diese Signatur an. Die stellvertretende Vorsitzende des Partei im Bundestag, Beatrix von Storch, legte ihm nahe, „für seinen Präsidenten kicken zu gehen“.

„Ich finde es ziemlich naiv“

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) äußerte indes teilweise Verständnis. „Ich finde die Fotos bescheuert“, sagt sie im NDR-Info-Radio. Sie verstehe aber das Argument Gündogans, sich dem Präsidenten der Türkei, dem Land seiner Eltern, höflich gegenüber verhalten zu wollen. „Ich muss es ja aber nicht teilen.“ Auf die Frage des Moderators, ob Gündogans Aussage, keinen Wahlkampf gemacht zu haben, glaubhaft sei, antwortete Roth: „Ich finde es ziemlich naiv.“

Roth stört indes besonders die Art und Weise, wie debattiert wird. „Frau Merkel hat vor zwei Jahren de facto Wahlkampf für Erdogan gemacht. Wir sollten wirklich auf dem Boden bleiben. Wo ist denn die große Empörung, dass der Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder eng mit Putin verbunden ist und dass Herr Seehofer mit Orban befreundet ist?“ Sie kritisierte, dass die Bundesregierung ungebrochen Waffen in die Türkei liefere und deren Angriff auf Afrin nicht verurteilte. „Und jetzt werden diese drei Fußballspieler an die Wand gestellt. Das finde ich schon ziemlich doppelbödig.“

Von aj/RND

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