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Loriot vor Gericht

Urheberrecht Loriot vor Gericht

Darf man in einer Biografie über Loriot Zitate des Komikers verwenden oder nicht? In Braunschweig ist jetzt darüber ein Prozess entbrannt.

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Die „Loriot Biographie“ ist Gegenstand der Zivilklage von Susanne von Bülow.

Quelle: dpa

Braunschweig. Am Platz des Vorsitzenden Richters Jochen Meyer im Saal 119 am Landgericht Braunschweig liegt das Urheberrecht im dicken Einband, darauf ein Buch. Es ist sozusagen das Corpus Delicti an diesem Tag vor der 9. Zivilkammer.

Die „Loriot Biographie“, herausgegeben vom Münchener Riva-Verlag, ist Gegenstand der Zivilklage von Susanne von Bülow, Tochter von Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot. Die Tochter will verhindern, dass das Buch weiter verkauft wird. Sie stört sich daran, dass ihr Vater darin zitiert wird. Unzulässig, wie die Berliner Anwältin Christine Danziger sagt, weil die Erben der Verwendung der Zitate nicht zugestimmt haben. Susanne von Bülow ist nicht in Braunschweig erschienen. Ihre Berliner Anwältin vertritt sie.

Sämtliche Zitate von Loriot seien urheberrechtsfähig wegen der unverkennbaren individuellen Prägung und des hintergründigen Humors, konstatiert die Juristin. Und so, wie Autor Dieter Lobenbrett die Sätze Loriots verwendet, seien sie auch nicht vom Zitatrecht gedeckt. Loriots Worte dienten in dem Buch allein der „Ausschmückung“, meint Danziger. Das reiche nicht.

Vicco von Bülow war im August 2011 gestorben. Keine zwei Wochen später hat der Riva-Verlag das Loriot-Buch auf den Markt gebracht. Der Verlag hatte vor Kurzem schon mit einer anderen Biografie Aufsehen erregt: Bettina Wulffs „Jenseits des Protokolls“.

Der Anwalt des Verlags, Konstantin Wegner, bestreitet die Vorwürfe der Loriot-Erbin. Es könne doch nicht sein, dass man in Biografien niemanden mehr zitieren dürfe, entrüstet sich Verleger Oliver Kuhn, der neben ihm sitzt. Die gesamte Branche blicke nach Braunschweig und sei „ganz aufgeregt“, sagt Kuhn. Er meint, dass viele der übernommenen Zitate wegen fehlender Schöpfungshöhe gar nicht urheberrechtsfähig seien. Sie würden sich bloß auf die Schilderung tatsächlicher Lebensereignisse beschränken. Außerdem handele es sich um eine Biografie über einen Künstler, bei der es darum gehe, dessen kreatives Schaffen aufzuzeigen, eben auch durch Zitate.

„Wir wollen das Zitieren nicht verbieten“, sagt Anwältin Danziger mehrfach. Der Verleger wirkt weiter unglücklich. Zwischendurch tröstet ihn der Vorsitzende Richter: „Wenn Sie den Eindruck haben, es sieht nicht so gut aus. Das wendet sich noch“, sagt Richter Jochen Meyer. Schließlich sei man erst bei Zitat Nummer elf. 57 werden an diesem Tag noch folgen.

Der Vorsitzende Richter entschuldigt sich bei den wenigen Zuhörern für die „etwas mühsame Detailarbeit“ an diesem Tag. 68-mal Loriot zu hören, klingt nach einer amüsanten Veranstaltung. Die Kammer beschränkt sich jedoch beinahe darauf, nur die Nummer der Zitate zu nennen. Zitat Nummer zwölf handelt von Loriots Onkel, der offenbar einen Hang zur Eitelkeit hatte. So schnell, wie der Richter liest, ist nur „holder Knabe“ und „lockiges Haar“ zu verstehen. Klingt nach Loriot. Ist es aber nicht, sagt der Vorsitzende Richter. Es sei lediglich eine Liedzeile. Lachen im Saal.

Kuhns Ansicht nach geht es Loriots Tochter bloß um „wirtschaftliche Interessen“ - „Frechheit“, entgegnet ihre Anwältin. „Es geht uns darum, wie mit einem Künstler und seinem Werk umgegangen wird“, sagt sie später in einer kurzen Unterbrechung.

Nach Ansicht des Gerichts seien etwa die Hälfte der Zitate unzulässig, die andere Hälfte nicht. Die Anwältin telefoniert am späten Nachmittag mit ihrer Mandantin. Doch Loriots Tochter bleibt dabei: Das Buch gehöre vom Markt. Die gütliche Einigung ist gescheitert.

Am 16. Januar 2013 geht es weiter. Vorerst in Braunschweig. Doch der Weg zum Bundesgerichtshof scheint vorgezeichnet. „Ach was?!“, hätte Loriot vermutlich lakonisch bemerkt.

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