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Panorama „Ich brauche die Selbstzweifel“
Nachrichten Panorama „Ich brauche die Selbstzweifel“
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11:29 31.01.2018
Meryl Streep zählt zu den erfolgreichsten Schauspielerinnen der Welt. Und dennoch hat die 67-Jährige manchmal Versagensängste. Quelle: imago
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Los Angeles

Meryl Streep st eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen der Welt. Drei Oscars hat die 67-Jährige bereits gewonnen, und schon bald könnte der vierte in ihrer Vitrine stehen: Für ihre Rolle in „Die Verlegerin“ (Kinostart 1. Februar) ist sie bei Verleihung der Academy-Awards am 6. März als beste Hauptdarstellerin nominiert.

Sie standen für den Film „Die Verlegerin“ zum ersten Mal mit Tom Hanks vor der Kamera. Wieso hat es so lange gedauert, dass zwei Superstars wie Sie zusammengekommen sind?

Um ehrlich zu sein, ich bin sieben Jahre älter als Tom. Damit war ich für Hollywoodverhältnisse 27 Jahren zu alt, um seine Filmpartnerin zu sein. Das ist in Hollywood leider ein Fakt.

Sie spielen mit der Verlegerin Katharine Graham eine außergewöhnliche Frau, die sich in einer Männer-Enklave durchsetzte. Welche Qualitäten muss frau da mitbringen?

Mut steht ganz oben. Ich habe gerade eine mexikanische Journalistin getroffen, die Korruption zwischen den Drogenkartellen und Politikern in ihrem Land offengelegt hat. Sie wird ständig mit dem Tode bedroht, macht aber unbeirrt weiter. Weil sie einen unglaublichen Optimismus hat, Dinge für ihre Mitmenschen ändern zu können. Das ist ebenfalls eine außergewöhnliche Qualität, sich von diesen Schweinehunden nicht vom Weg abbringen oder runterziehen zu lassen.

In „Die Verlegerin“ stand Streep zum ersten Mal mit Schauspieler Tom Hanks (rechts) vor der Kamera von Starregisseur Steven Spielberg (Mitte). Quelle: 20th Century Fox

Welche Ihrer Fähigkeiten sind die Bausteine Ihrer erfolgreichen Karriere?

Ich habe viele mutige Frauen gespielt, an die ich niemals heranreichen kann. Ich selbst sehe mich als eine neugierige Person. Das habe ich von meiner Mutter (lacht). Und durch meine Neugier habe ich das Talent, zu beobachten, wie andere Menschen verschiedener Herkunft im Angesicht von Angst und Terror Heldentaten vollbringen können. Diese Beobachtungen baue ich dann in meine Rollen ein.

Wenn Neugier Ihre beste Eigenschaft ist, was ist Ihre schlechteste?

Ich kann es einfach nicht leiden, zu spät zu kommen. Und ich werde sehr schnell unwirsch, wenn andere um mich herum trödeln. Ich treibe sie dann an und werde richtig böse.

In „Die Verlegerin“ spielt Streep die erste Frau, die in den USA eine Zeitung herausbrachte – Kay Graham. Quelle: 20th Century Fox

Die Menschen haben heute durch unzählige Nachrichtensender und das Internet mehr Möglichkeiten als je zuvor, sich zu informieren. Ist das ein Vorteil?

Grundsätzlich ist es immer etwas Gutes, weil selbst totalitäre Regimes heute kaum mehr in der Lage sind, allen Informationsfluss zu kontrollieren. Auf der anderen Seite wird es immer schwieriger zu wissen, was nun stimmt und was nicht. So viele Storys, die in den sozialen Medien die Runde machen, sind reine Fantasien. Und viele Menschen verbreiten dann unwissentlich diese Lügen weiter.

Viele mutige Frauen aus Ihrer Branche sind in den letzten Monaten mit ihren Storys von sexueller Belästigung an die Öffentlichkeit gegangen. Glauben Sie, dass sich auf lange Sicht in Hollywood für Frauen die Situation verbessern wird?

Ich hoffe, dass es nicht nur in Hollywood passiert. Ich würde mir wünschen, dass die Kampagne echte Veränderungen auf der ganzen Welt – in jeder Branche – mit sich bringt. Am Ende wird es nur gelingen, wenn wir die Strukturen verändern. Wenn Vorstände und Chefzimmer zur Hälfte auch mit Frauen besetzt sind.

Bereitet Ihnen so etwas schlaflose Nächte?

Auf keinen Fall. Ich liebe Schlaf und brauche ihn. Sobald mein Kopf auf dem Kissen landet, bin ich weg. Ich finde es alarmierend wie viele Menschen auf Schlaf verzichten und so aus dem Rhythmus geraten, dass sie sich mit Schlafmitteln betäuben müssen. Ich bekomme im Schnitt immer meine sieben Stunden, das ist mir wichtig.

Drei Oscars hat Streep bereits gewonnen – der vierte könnte im März folgen. Quelle: imago

Sie sind seit 40 Jahren im Showbusiness. Wird der Beruf da manchmal zur Routine?

O nein, er macht mir so viel Freude. Ich liebe meinen Job, weil er immer etwas anderes ist. Ich meine, außer mit Tom Hanks habe ich auch zum ersten Mal mit Steven Spielberg zusammen gedreht. Ich habe noch nie jemand erlebt, der Ideen visuell so unglaublich gut umsetzen kann.

Wenn man so erfolgreich ist wie Sie, hat man dennoch Versagensängste?

Ich hatte schon immer die Furcht, die in mich gesetzten Erwartungen nicht erfüllen zu können. Ich weiß, das ist meine eigene Schuld (lacht). Vor jeder Rolle geht mir das Selbstvertrauen flöten und ich bekomme Angst, dass ich der Aufgabe nicht gewachsen bin.

Und was passiert dann?

Mein Mann Don kommentiert dann immer „Du sagst jedes Mal ‚Das schaffe ich nicht‘ und machst es dann doch”. Und ich dann: „Nein, diesmal ist es ganz anders und ich werde absagen.” Am Ende mache ich es natürlich. Es ist einfach ein Muster bei mir, das ich nicht wahrhaben will. Ich glaube, ich brauche diesen Selbstzweifel, um jedes Mal wieder alles investieren zu können.

Von Dierk Sindermann/RND

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