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Panorama So lief die Bombenentschärfung in Frankfurt
Nachrichten Panorama So lief die Bombenentschärfung in Frankfurt
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19:25 03.09.2017
Es war die größte Evakuierung in der Geschichte der Bundesrepublik: 60 000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Die Entschärfung der 1,4-Tonnen-Bombe verzögerte sich, weil sich einige noch am Sonntag weigerten,zu gehen.   Quelle: Fotos: dpa
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Frankfurt

 Als die Frankfurter Aktion Blockbuster um 14.30 Uhr endlich beginnen konnte, gab es auch schnell die erste Erfolgsmeldung. Der erste von drei Zündern war schon nach einer halben Stunde entfernt. Durch die Republik ging ein erstes, erleichtertes Seufzen.

Diesen Tag wird Frankfurt wohl nicht so schnell vergessen: Die Evakuierung von 60.000 Menschen gerät am Sonntag in der Schlussphase zur Nervenprobe. Und auch die Sprengmeister stoßen auf unverhoffte Probleme.

Aller Augen waren an diesem Nachmittag auf die Stadt am Main gerichtet, man wartete auf Nachricht über den nächsten Zünder, hoffte, bangte, fürchtete um das Leben der Sprengmeister. Ein Tag als Thriller.

Zwar werden in Deutschland gefühlt täglich Bomben entschärft, aber das Ding, das da im Frankfurter Westend gefunden worden war, war ein ganz besonderes Monstrum. Ein britischer Blockbuster („Wohnblockknacker“), eine mit 1,4 Tonnen Sprengstoff bestückte Luftmine, die im Zweiten Weltkrieg in einem Umkreis von einem Kilometer Dächer deutscher Häuser abdeckte, um für die danach abgeworfenen Brand- und Sprengbomben eine möglichst verheerende Wirkung vorzubereiten.

Ein Dutzend Leute hält die ganze Maschinerie auf

Mehr als 70 Jahre lag der Koloss still in der Erde. Um 12 Uhr mittags sollte dann am Sonntag mit seiner Entschärfung begonnen werden. Der Zeitplan kam durcheinander, weil sich die Evakuierung der 60 000 Anwohner im Umkreis von 1,5 Kilometern um den Bombenfund in der Schlussphase hinauszögerte. Weil bis Sonntagmittag immer neue Bitten um Hilfe bei der Feuerwehr eingingen, dauerten die Transporte länger als geplant.

Für die längste Verzögerung sorgten jedoch renitente Anwohner, die sich weigerten, ihre Häuser zu verlassen. „Wegen weniger als einem Dutzend Leuten ist jetzt die ganze Maschinerie angehalten“, schimpfte Feuerwehrchef Reinhard Ries am Mittag, als die Entschärfung eigentlich schon hätte laufen sollen. Seit dem Morgen hätten Polizei und Rettungskräfte einen super Job gemacht „und diese Herrschaften verhageln uns alles“. Ries sprach von einer Mischung aus „Ignoranz und Dummheit“. Rettungskräfte, die Hilfsbedürftige aus der Sicherheitszone brachten, hätten Anwohner winkend am Fenster gesehen. Das sei „unverschämt“. „Ich hoffe, dass das Konsequenzen hat.“

Zwei Sprengkapseln lassen sich nicht entfernen

Eine Person musste nach Angaben von Polizeichef Gerhard Bereswill in Gewahrsam genommen werden. Der Mann musste mit einer Drehleiter über den Balkon aus der Wohnung geholt werden. Die Behörden prüfen, ob sich der widerspenstige Anwohner damit strafbar gemacht hat oder ob man ihm die Kosten für den längeren Polizeieinsatz in Rechnung stellen kann. Einige Anwohner hätten sich auch zunächst versteckt und dann Angst bekommen und die Polizei gerufen.

Pro Zünder rechneten die Experten mit etwa einer Stunde, um 17.03 Uhr wurde dann der Ausbau der beiden anderen Zünder im Liveblog der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vermeldet. Zugleich sprach Polizeichef Bereswill von „unerwarteten Schwierigkeiten“. Hatte beim ersten Zünder die Sprengkapsel ohne Probleme mit dem Zünder entfernt werden können, funktionierte das weder beim zweiten noch beim dritten Zünder. Die Entschärfer benötigten zur Bewältigung dieser Aufgabe andere Gerätschaften. „An der Gefahrensituation hat sich nichts verändert“, gab die Polizei somit bekannt. Allzu lange musste die Stadt Frankfurt aber nicht mehr die Luft anhalten. Kurz nach 18 Uhr waren die Sprengkapseln beide weg von der Bombe, wurde der gezähmte Blockbuster zum Abtransport vorbereitet. Applaus in der Frankfurter Messehalle und in anderen Evakuierungszentren, als die Nachricht über Twitter kam.

Nach der Entwarnung: Möglichst schnell wieder nach Hause

Der ursprüngliche Zeitplan sah vor, dass um 20 Uhr der Verkehr wieder freigegeben werden sollte. Laut Frankfurter Krisenstab sollten dann als Erstes die Patienten wieder in ihre Krankenhäuser verbracht werden. Die Erwartung manches in Sicherheit gebrachten Anwohners, er könne „bis zum TV-Duell“ gemütlich im Fernsehsessel sitzen, schien sich am späten Nachmittag zu zerstreuen. Von Mitternacht war zwischenzeitlich die Rede, was vor allem die Eltern schulpflichtiger Kinder in Schrecken versetzte. Nach der Entwarnung kam wieder Hoffnung auf, es vor Einbruch der Dunkelheit in die eigenen vier Wände zu schaffen. Dreifaches Krachen wurde dann noch von der Polizei in Aussicht gestellt. Es müsse sich aber niemand Sorgen machen, da würden nur die Kapseln gesprengt.

Zwischendurch kamen Frankfurter an die Absperrung und versorgten die diensttuenden Polizisten mit Verpflegung. Was deren Stimmung nach den Evakuierungsproblemen des Vormittags verbesserte.

Am selben Wochenende waren zwei Bomben in Koblenz und Nordhausen entschärft, eine Entschärfung in Hannover verschoben worden.

Von Sandra Trauner und Matthias Halbig / RND

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