Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Panorama Ermittler sicher: Tunesier wollte biologische Waffen herstellen
Nachrichten Panorama Ermittler sicher: Tunesier wollte biologische Waffen herstellen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:40 14.06.2018
In Köln hat die Polizei Rizin in der Wohnung eines Tunesiers gefunden. Quelle: imago/Eibner
Köln

Der inhaftierte Tunesier, in dessen Kölner Wohnung hochgiftige Rizin-Substanzen gefunden wurden, ist laut Bundesanwaltschaft „dringend verdächtig, vorsätzlich biologische Waffen hergestellt zu haben“. Wie die Justizbehörde am Donnerstag in Karlsruhe weiter mitteilte, gibt es jedoch keine Anhaltspunkte für eine „konkretisierte Anschlagplanung“ oder eine Mitgliedschaft des Beschuldigten in einer terroristischen Vereinigung.

Am Dienstagabend stellten Spezialkräfte der Polizei die hochgiftige Substanz Rizin in der Wohnung eines Tunesiers sicher. Auf den in Köln lebenden 29-Jährigen sind die Sicherheitsbehörden laut einem Experten wegen eines auffälligen Interneteinkaufs gestoßen.

„Er war den Sicherheitsbehörden bisher nicht aufgefallen. Sie hatten ihn nicht auf dem Radar“, sagte ARD-Terrorismus-Experte Michael Götschenberg am Donnerstag im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Das habe sich geändert, als er online versucht habe, in großer Menge Rizinussamen zu bestellen. „Und das hat das Bundesamt für Verfassungsschutz auf ihn aufmerksam gemacht.“ Dies sei der Ausgangspunkt der Ermittlungen.

In Köln hat die Polizei einen Tunesier und dessen Ehefrau festgenommen. Hintergrund sind „toxische Substanzen“, die dort vermutet wurden. Ein terroristischer Hintergrund wird nicht ausgeschlossen.

Der Tunesier solle eine größere Menge Rizinussamen bestellt haben. „Isoliert ist Rizin bereits in der Menge einer einzelnen Bohne für den Menschen gefährlich. In dieser Größenordnung wäre das dann natürlich auch geeignet, um es als Biokampfstoff einzusetzen“, sagte der Terrorismus-Experte.

Rizinussamen sollen verschwunden sein

Laut Informationen der „Bild“-Zeitung haben die Ermittler den Tipp vom US-Geheimdienst CIA bekommen haben. Demnach habe Sief Allah H. 150 Rizinussamen bestellt. Weiter solle er eine Chemikalie gekauft haben, die zur Isolierung des Giftes nötig sei. 50 der bestellten Samen sollen jetzt verschwunden sein. Es sei unklar, ob er sie zu „Übungszwecken verwendet oder einem möglichen Komplizen gegeben hat“. Es handele sich um das „größte Gefahrenpotenzial, das jemals in Europa gefunden wurde“, zitiert die Zeitung einen Ermittler. Der 29-Jährige habe Zutaten für einen Sprengsatz bestellt, hieß es.

Der Bundesgerichtshof hatte am Mittwochabend Haftbefehl gegen den 29-jährigen Tunesier erlassen. Es bestehe der dringende Verdacht des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, sagte ein Sprecher des Generalbundesanwaltes. Bei dem gefundenen Gift handele es sich um eine Rizin-haltige Substanz. Die Behörde ermittele außerdem weiter auch wegen des Anfangsverdachts einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Hier bestehe aber kein dringender Tatverdacht.

Jasmin D. wohne seit sechs Jahren in dem Haus, wie die „Bild“ berichtet. „Vor Jahren“ sei sie zum Islam konvertiert. Sief Allah H. soll sie über das Internet kennengelernt haben.

Rizin kann in kleinsten Konzentrationen tödlich wirken

Das Robert-Koch-Institut stuft das leicht erhältliche Mittel Rizin aus den Samen des Wunderbaums als „potenziellen biologischen Kampfstoff“ ein. Handel und Umgang mit der Reinsubstanz seien nach dem Chemiewaffen-Übereinkommen von 1997 beschränkt. Rizin kann bereits in kleinsten Konzentrationen tödlich wirken. Sollte das Gift gespritzt werden, wirkt es nach RKI-Angaben binnen 36 bis 48 Stunden tödlich.

Von RND/dpa/are