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09:02 16.09.2018
Schon seit den Siebzigerjahren versucht die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Pille für den Mann zu entwickeln. Mittlerweile gibt es mehrere vielversprechende Ansätze. Quelle: iStockphoto
Hannover

Eberhard Nieschlag war lange Jahre als Professor am Institut für Reproduktionsmedizin in Münster tätig. Schon seit den Siebzigerjahren versuche die Weltgesundheitsorganisation WHO (World Health Organization), die Pille für den Mann zu entwickeln, sagt er. Damals hatte die Organisation Nieschlag in eine eigens gegründete Arbeitsgruppe berufen.

“Man hofft, dass es dadurch weltweit zu weniger ungewollten Schwangerschaften und Abtreibungen kommen würde“, sagt er über die Motivation der Gesundheitsorganisation zu dieser Arbeitsgruppe. „Die WHO kann aber nur die Forschung fördern und selber keine Medikamente auf den Markt bringen. Dafür braucht es die pharmazeutische Industrie.“

Die zögere laut Nieschlag, denn sie verspreche sich nicht genug Gewinne davon. Weil die Pille für Frauen derart beliebt und zudem günstig zu haben sei, dürfe ein Konkurrenzprodukt nicht zu teuer verkauft werden.

Studie der WHO zeigte gute Wirkung

Nach welchem Prinzip die Verhütung bei Männern gelingen könnte, zeichnet sich aber ab: „Am besten funktionieren dürfte ein Hormonpräparat“, sagt Nieschlag. Dieses müsste zum einen das männliche Geschlechtshormon Testosteron enthalten.

Wenn viel Testosteron im Blut zirkuliert, fährt der Organismus die körpereigene Testosteron-Produktion in den Hoden und die Synthese weiterer Hormone zurück. Spermien können dann nicht mehr richtig ausreifen. Verstärken lässt sich diese Wirkung durch die zusätzliche Gabe eines anderen Hormons: einem Gestagen, das auch in der Pille für Frauen enthalten ist.

Eine im Jahr 2009 gestartete Studie der WHO mit Testosteron- und Gestagen-Spritzen habe eine gute Wirkung gezeigt, sagt Nieschlag. Leider sei die Studie abgebrochen worden, weil einige Männer über Verstimmungen und Gewichtszunahme klagten – man hielt das offenbar für nicht zumutbar. „Ich fand das sehr schade“, sagt der Wissenschaftler, “auch deshalb, weil sich die Versuche in einer frühen Phase befanden, in der es lediglich um die Wirksamkeit ging. Über eine Anpassung der Dosis hätten sich die Nebenwirkungen nach und nach reduzieren lassen.“

Die Antibabypille für Frauen hat starke Nebenwirkungen

Dazu kommt, dass auch die Antibabypille für Frauen nicht ohne ist, was die Nebenwirkungen angeht: Zu Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahmen kommt das Risiko für gefährliche Thrombosen hinzu. Wäre ein besser verträgliches, männliches Kontrazeptivum verfügbar, könnte das Frauen von diesem Risiko befreien.

Und so wurde der Ansatz für eine hormonelle Verhütung bei Männern auch nicht verworfen: Derzeit laufen klinische Studien mit einer Pille, die den Wirkstoff Dimethandrolone undecanoate (DMAU) enthält. DMAU, entwickelt in den USA, vereint die Eigenschaften von Testosteron und einem Gestagen und blockiert sicher die Spermienproduktion – bei allenfalls geringen Nebenwirkungen. Getestet wird zudem ein Gel mit den gleichen Wirkstoffen, das Männer sich auf die Haut reiben sollen.

Es gibt aber auch Ideen für männliche Verhütungsmittel ohne Hormone: In Versuchen mit Makaken-Affen gelang es, Spermien unfähig zu machen, zu schwimmen. Ein anderer Ansatz besteht darin, ein Kunststoffgel in den Samenleiter zu injizieren. Dieses Gel soll zwar Samenflüssigkeit, aber keine Spermien durchlassen. Schottische Wissenschaftler verfolgen die Idee, ein Gen zu blockieren, das für die Reifung der Spermien benötigt wird.

In festen Partnerschaften könnte die Verantwortung geteilt werden

Wichtig wäre, dass ein Verhütungsmittel für Männer die Spermienqualität nicht dauerhaft beeinträchtigt. Falls es doch zur Schwangerschaft kommt, könnten sonst Erbgutschäden beim Nachwuchs drohen. „Die hormonelle Verhütung wäre aber vollständig reversibel“, sagt Nieschlag. “Setzt man sie ab, kehrt auch die Fruchtbarkeit zurück. Und nach allem, was wir wissen, ist sie nicht schädlich für die Kinder, wenn doch welche gezeugt werden.“ Bei den anderen Ansätzen kenne man die Risiken nicht.

Aber würden Mittel zur männlichen Verhütung überhaupt Käufer finden? “Da bin ich mir sicher, die Bereitschaft der Männer, Mitverantwortung zu übernehmen, ist deutlich gewachsen“, meint Nieschlag. “Umfragen haben ergeben, dass etwa jeder zweite Mann Kontrazeptiva nehmen würde, wenn sie einfach anzuwenden sind und die Fruchtbarkeit nur vorübergehend unterdrücken.“

Dass Verhütung irgendwann zu einer reinen Männersache wird, glaubt er aber nicht: “Ich stelle mir vor, dass sich Männer und Frauen in festen Partnerschaften abwechseln, und mal er, mal sie die Pille nimmt. So würden sie nicht nur das Risiko für Nebenwirkungen, sondern auch die Verantwortung teilen.“

Von Irene Habich

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