Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Panorama Wohntrends fürs Bad: Ein wunderbarer Waschsalon
Nachrichten Panorama Wohntrends fürs Bad: Ein wunderbarer Waschsalon
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:01 05.08.2018
Vom Schlachthauscharme zur Wohlfühloase: Das Badezimmer wird immer wichtiger – als privater Wellnesstempel und repräsentativer Rückzugsort. Quelle: Corbis RM Stills
Anzeige
Berlin

Schwimmlegende Franziska van Almsick ist “Badbotschafterin“. Denn was den Vergleich von Nasszellen angeht, dürfte die mehrfache Welt- und Europameisterin Expertin sein. Das scheinen auch die Renovierer, Neubauer und Umgestalter zu glauben. Denn Van Almsicks regelmäßige Stellungnahmen und Werbebotschaften im Namen der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) werden erhört. Ihre zentrale Forderung lautet: “Neue Bäder braucht das Land.“

Diese Ansicht teilen laut einer im Jahr 2017 veröffentlichten Studie des Forsa-Instituts 16,7 Millionen Deutsche. So viele planen bis 2019 Veränderungen beziehungsweise Anschaffungen im und für das Bad. Vor allem die 18- bis 29-Jährigen messen dem Badezimmer der Studie zufolge eine “gesteigerte Bedeutung“ zu. Die VDS wähnt das Bad bei der Relevanz denn auch “hinter Küche und Wohnzimmer in Lauerstellung“. Ersetzt die Horizontaldusche also bald das Sofa?

Auf dem Weg aus der Tabuzone

“Das Badezimmer ist heute ein Raum, der nicht nur zum Waschen da ist. Wir pflegen sowohl unser Äußeres als auch unser Inneres. Wer sich ein Privatspa einrichtet, verbringt dort auch möglicherweise mehr Zeit als im Wohnzimmer“, sagt Torsten Müller, Experte für Baddesign aus Bad Honnef. In jedem Fall ist das Bad auf dem besten Wege, der Tabuzone zu entrinnen.

Bei allem Stolz über fließend Wasser und ein Klosett, das nicht auf halber Treppe lag und mit den Nachbarn geteilt wurde, war das ureigene Badezimmer, das erst nach dem Zweiten Weltkrieg zur Regel wurde, jahrzehntelang Verschlusssache. Als Besucher in einer fremden Wohnung erkannte man das Bad an der stets geschlossenen Tür.

Es zählte wie das Schlafzimmer zur absoluten Intimsphäre, aber anders als dieses fiel das Bad auch häufig aus dem ästhetischen Rahmen des restlichen Wohnumfeldes: Abgesehen vom Schlachthauscharme bis unter die Decke gekachelter Wände sollten Gäste vom Flur aus nicht gleich ins Klo fallen, sich ihrem dreigeteilten Spiegelbild im Alibert gegenübersehen müssen oder auf Schmutzwäscheberge, Antifaltencreme und Mundwasser aufmerksam werden.

Viel Raum, wenig Möbel: Laut Branchenexperten liegen Minimalismus, Naturmaterialien und fugenlose Böden und Wände im Trend. Quelle: iStockphoto

Seit der nach Ansicht von Branchenkennern vor rund acht Jahren einsetzenden Wandlung von der funktionalen Nasszelle zum individuellen “Wohlfühlbad“, ist man deutlich offener geworden: “Ein modernes und schönes Bad ist heute ein repräsentativer Raum, den man gerne zeigt“, sagt Müller.

Doch was gilt als “schön und modern“? Europas wichtigste Fachmesse, der Salone Internazionale del Bagno in Mailand, rief in diesem Frühjahr “Emotionen“ zum Trendthema aus. Das Bad soll demnach als eine Art wunderbarer Waschsalon alle Sinne berühren.

Im Idealfall misst es dafür mindestens 20 Quadratmeter, die aber nicht mit Badmöbeln ausgefüllt sind, sondern viel Luft lassen. Minimalismus ist angesagt. Farblich dominieren Weiß- und Grautöne. Außerdem wird viel auf Naturmaterialien wie Holz und Stein mit Struktur gebaut, auf rauen Putz, fugenlose matte Steinvertäfelungen – und wasserfeste Tapeten.

Die Wanne ist dem Untergang geweiht

Passend zum Naturthema setzt die Wasserversorgung auf Nachhaltigkeit: Zeitgemäße Duschköpfe sprühen nur noch fünf Liter statt wie bisher durchschnittlich 18 Liter pro Minute Wasser – ein Vollbad verbraucht rund 200 Liter.

Doch nicht nur hinsichtlich der Ökobilanz ist die Wanne dem Untergang geweiht. Sogenannte Erlebnisduschen, die das Brausen im Liegen, mit Regen-, Wasserfall- oder Kneipp-Effekt ermöglichen, verdrängen die Badewanne. Denn: Duschen geht auf Knopfdruck. Die barrierefreie Dusche passt für jedes Alter. Und eine Wanne braucht Platz.

In einer Zeit, in der Styling-, Hygiene- und Pflegeprodukte drogeriemarktähnliche Ausmaße annehmen, platzt das deutsche Durchschnittsbadezimmer mit einer Größe von sechs bis neun Quadratmetern ohnehin aus allen Fugen. Da ist eine “bodengleiche Dusche“ in mehrfacher Hinsicht eine Wohltat.

Der Traum vom privaten Spa: Moderne Duschen wie in diesem Bad von Scott Donald bieten alle erdenklichen Massage- und Zusatzfunktionen – und eine weit bessere Ökobilanz als die Badewanne. Quelle: Arcaid Images

Dass das Bad oftmals zu klein ist, stört die Deutschen noch stärker (85 Prozent) als die Renovierungsbedürftigkeit (49 Prozent). Dabei ist diese relativ hoch: 17 der insgesamt rund 46 Millionen Badezimmer hierzulande sind älter als zwei Jahrzehnte, hat Forsa ermittelt. Ein gruseliger Zustand für Franziska van Almsick: “Die Leute wissen gar nicht, was ihnen an Wohlfühlpotenzial entgeht.“

Vielleicht müssen wir alle mal den Kopf unter die Schwallbrause halten, um aufzuwachen und das Badezimmer nicht nur als funktionalen Ort zu sehen, sondern als “Rückzugsort für Ruhe und innere Einkehr in einer immer schnelllebigeren Zeit“, wie Badgestalter Müller es formuliert.

Er beobachtet: Wachsender Wohlstand und viele neue Gestaltungsmöglichkeiten führen dazu, dass sich immer mehr Eigenheimbesitzer einen “privaten Spa“ zulegen. Dabei gehe es um die “Inszenierung von Entspannung für den Nutzer, der hier wie auf einer Bühne im Mittelpunkt steht“.

Zwischen Wellness und Event-Location

Mit Infrarot-Kabine, Erlebnisdusche, Hamam-System, Licht-, Raumduftvarianten und individueller Musik oder auch Kino wird aus dem Badezimmer eine Event-Location. Im Idealfall lässt sich noch vom Arbeitsplatz aus alles über Smart-Home-Technik voreinstellen. Man muss nur viel einschalten vorm Abschalten.

Das klingt weniger nach sinnlichem Erlebnis als nach zusätzlicher Reizüberflutung. Und Zeitbedarf. Doch die Taktung ist gerade bei Berufstätigen, die womöglich noch Familie haben, eng. So halten sich die Deutschen im Schnitt täglich gerade mal 40 Minuten im Bad auf (Frauen brauchen in der Regel zehn Minuten länger als Männer). Wer kann da noch ein entspanntes Wellnessevent zwischen Duschen, Zähneputzen und Toilettengang packen?

Von Kerstin Hergt

Zwei Mädchen geraten im Rhein in einen Strudel und gehen unter. Stundenlang wird nach ihnen gesucht. Einen Tag später herrscht traurige Gewissheit: Beide sind tot.

05.08.2018

Zunächst war es nur eine Befürchtung, dann traurige Gewissheit: Alle 20 Insassen eines historischen Flugzeugs sind beim Absturz in der Schweiz ums Leben gekommen. Die zweite Tragödie an einem schwarzen Wochenende für die Schweizer Luftfahrt.

05.08.2018

Dreimal in drei Jahren, immer im August oder September, hat eine Mutter ihre neugeborenen Säuglinge ausgesetzt. Der Fall der drei Schwestern ist in Deutschland einmalig.

05.08.2018
Anzeige