Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Panorama Ziemlich putzig – alte Mittel in neuem Glanz
Nachrichten Panorama Ziemlich putzig – alte Mittel in neuem Glanz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:03 02.09.2018
Putzen mit Retroflair: Immer mehr Hersteller bieten Reinigungsmittel mit althergebrachten Rezepturen und in dekorativen Verpackungen an. Quelle: Dr. Theo Krauss
Hannover

Sand, Soda, Seife – über Generationen war das die Formel für ein sauberes Zuhause. Die Zutaten wurden lose beim Drogisten oder Apotheker gekauft, bis die Firma Henkel damit begann, Mixturen wie Persil und Ata in eigens dafür entworfenen Verpackungen zu verkaufen. Die 1920 für das Scheuermittel Ata (“Putzt alles!“) entworfene Pappgussflasche avancierte gar zum Prestigeobjekt der modernen Hausfrau.

Heute wird Schmutz im Keim erstickt mit Mitteln aus Flaschen mit Pistolenaufsatz, deren Ingredienzienliste nicht selten mit dem Warnhinweis endet, bei unsachgemäßem Gebrauch das Giftinformationszentrum zu kontaktieren.

Demgegenüber mutet die Vorstellung, mit Soda, Sand und Seifenflocken zu putzen, fast wie eine Wellnesseinheit an. In der Tat sind Uromas Mittelchen wieder im Kommen – in schmucken Behältnissen ohne Piktogramme, die vor Feuersbrünsten und Verätzungen warnen.

“ATA fein, Putz - und Scheuermittel ", Reinigungsmittel aus der DDR, hergestellt von VEB Waschmittelwerk Genthin. Quelle: Wikipedia

Nicht mehr nur die Möbel- und die Lebensmittelindustrie schwimmen auf der Retrowelle. Auch das Putzmittelangebot in Drogerien und auf Internetverkaufsportalen besinnt sich neuerdings auf uralte Patentrezepte für Kragenspeck und Kalkrückstände. An heutige Lebens- und Lifestylebedürfnisse angepasst, mutet das im ersten Moment, nun ja, putzig an.

Zum Beispiel wenn Flaschen plötzlich mit dem Hinweis “vegan“ gekennzeichnet sind. Klingt irgendwie, als könne man mit dem Inhalt auch gurgeln, wirkt aber eben durchaus moderner als Zusätze wie “ohne tierische Produkte“. Zu denen zählen Tierfette oder Rindergalle in Seife.

Die Marke Dr. Theo Krauss, nach einem Apotheker aus den Fünfzigerjahren benannt, wirbt mit veganen Rezepturen aus alten Zeiten. Dunkle Kunststoffflaschen mit pergamentfarbenen Etiketten erinnern optisch ein wenig an die erste Ata-Pappverpackung. Das mag mancher Retrofan für dekorativ halten, doch was fängt man eigentlich an mit 150 Gramm Seifenflocken oder 250 Gramm Waschsoda? Bei Krauss verkauft man diese “Bestandteile eines Baukastensystems“ als “vielseitige Komplizen im Haushalt“. Man könne damit “individuelle Wasch- und Reinigungsmittel ganz einfach selbst herstellen“.

Vielleicht tragen Produkte wie “Omas grüne Seife“ zur Erhaltung der “Kulturtechnik des Putzens“ bei. Quelle: Kieler Seifen

Wozu die Mühe? Auch darauf weiß man bei Krauss eine Antwort: So werde nicht nur die Wäsche sauber und rein, “das Gewissen bleibt’s auch!“. Andere Firmen, die auf Putznostalgie setzen wie das Unternehmen Kieler Seifen, das etwa den Allzweckreiniger “Omas grüne Seife“ vertreibt, wedeln nicht so plump mit dem moralischen Zeigefinger, beschwören jedoch auch “traditionelle Klassiker aus Omas Erfahrungsschatz“.

Mögen alte Putzmittel in neuem Glanz erstrahlen – dieser legt sich nicht automatisch auch über Heim und Herd. Der Berufsverband der Haushaltsführenden monierte im vergangenen Jahr, dass Putzen heute nicht mehr den Stellenwert habe, der angebracht sei. Es fehle an Wissen über korrekte Dosierungen und geeignete Produkte.

Nicole Karafyllis, Philosophin und Autorin des Buches “Putzen als Passion“, sorgte sich in einem Interview ebenfalls um die “Kulturtechnik des Putzens“. Vor allem unter Akademikern, Büroangestellten und “Digital Natives“ nähmen die Fähigkeiten zur manuellen Problemlösung im Haushalt ab. Wer sich zu diesen Gruppen zählt, sollte besser die Hände vom Anmischen individueller Reinigungsmittel lassen. Es könnte womöglich ätzend werden.

Von Kerstin Hergt

Paul McCartney will während eines Drogenrauschs eine Begegnung mit Gott gehabt haben. Auch glaube der Ex-Beatle an eine Existenz nach dem Tod.

02.09.2018

Mit einem Leichenwagen hat sich ein Mann in Mexiko aus dem Staub gemacht. Der Fahrer hatte die Schlüssel in dem Fahrzeug liegen gelassen.

02.09.2018

Food-Magazine und Gourmet-Communitys überschlagen sich derzeit vor Begeisterung über den jüngsten Ernährungstrend: die Levante-Küche. Wo kommt sie her – und was macht sie aus?

02.09.2018