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Deutschland / Welt „Ab morgen gibt’s in die Fresse“
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21:00 27.09.2017
„Ein Tag, der mich sehr glücklich macht“: SPD-Fraktionschefin Nahles. Quelle: imago/IPON
Berlin

Wenn man Andrea Nahles etwas nicht vorwerfen kann, dann, dass sie eine undeutliche Sprache pflegen würde. Das stellt die frischgebackene Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion am Mittwoch nur Minuten nach ihrer Wahl unter Beweis. Zu Beginn einer improvisierten Pressekonferenz im Reichstagsgebäude beginnt sie noch ganz staatstragend. „Es ist ein Tag, der mich sehr glücklich macht“, sagt Nahles. „Es ist eine Ehre, dass ich die SPD-Bundestagsfraktion anführen darf.“ 137 der 152 SPD-Abgeordneten haben gerade für sie gestimmt, rund 90 Prozent. Das ist angesichts der Wahlniederlage und des ruckeligen Nominierungsprozesses ein wirklich gutes Ergebnis.

Das Gespräch ist schon fast zu Ende, da wird Nahles gefragt, wie der Abschied von den Kabinettskollegen der Union gewesen sei. „Etwas wehmütig“, gibt die scheidende Arbeitsministerin zu. „Aber ab morgen kriegen sie in die Fresse.“

Die umstehenden Journalisten zucken zusammen. Hat sie das gerade wirklich gesagt? Tonbänder werden zurückgespult. Sie hat.

Nahles hat keine Problem anzuecken

Man muss fairerweise dazusagen, dass Nahles solche Sätze nicht ganz ernst meint. Wer sie ein bisschen kennt, weiß, dass sie redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Und dass sie Aussagen wie diese gerne mit einem lauten Lachen beendet. Im konkreten Fall hat sie den Witz schon am Morgen im Kabinett gemacht – und da wurde herzlich gelacht, wie Teilnehmer berichten.

Aber in der Öffentlichkeit funktioniert Ironie meist nur bedingt, und natürlich nehmen Gegner die Steilvorlage gerne auf. In sozialen Netzen schwappt die Aufregung hoch. Es wird an AfD-Fraktionschef Alexander Gauland erinnert, der für seine Ankündigung, Angela Merkel „jagen“ zu wollen, scharfe Kritik einstecken musste. Der Unterschied, dass Gauland seinen Satz ernst meinte und Nahles den ihren nicht, geht bei der Debatte unter.

Wohlmeinende deuten den Witz als Botschaft um. Ministerin war gestern, ab heute ist Nahles Oppositionsführerin und als solche zuständig für die Abteilung Attacke.

Die neue Fraktionschefin kündigte eine harte Opposition an

Die 47-jährige Rheinland-Pfälzerin sieht ihre Berufung als Teil des Erneuerungsprozesses der SPD. Immerhin ist sie die erste Frau an der Spitze der SPD-Fraktion. Und sie hat sehr konkrete Vorstellungen davon, wie der Prozess jetzt weitergehen soll. Für eine „sehr leidenschaftliche und sehr intensive“ Oppositionsarbeit soll die SPD künftig stehen. Für die Aufarbeitung der Wahlniederlage will sie sich ausreichend Zeit nehmen. Und auch inhaltliche soll einiges auf den Prüfstand. Zwei Leitfragen sollen die Themensetzung künftig bestimmen, erklärt die Fraktionschefin. „Ist das ein Problem, dass die Menschen gelöst haben wollen? Und können wir das kommunizieren?“

An der Seite von Nahles wird der Thüringer Abgeordnete Carsten Schneider das zweite Gesicht der SPD-Fraktion sein. Der Haushaltsexperte aus Erfurt wird mit 117 Stimmen zum Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer gewählt. Das Ergebnis ist nicht wirklich berauschend, aber im Vorfeld der Wahl hatte es einigen Unmut in der Partei gegeben.

Von Andreas Niesmann/RND

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