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Deutschland / Welt Mediziner-Widerstand gegen mehr Sprechstunden
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16:40 08.05.2018
Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sprach bei der Eröffnung des 121. Deutscher Ärztetages. Quelle: dpa
Erfurt

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekommt Gegenwind der Ärzte für seinen Plan, ihnen mehr Praxis-Sprechstunden für Kassenpatienten vorzuschreiben. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sagte am Dienstag beim Ärztetag in Erfurt, dies erscheine ihm angesichts der hohen Arbeitslast der meisten Mediziner nur „stimmungsverändernd“. Spahn verteidigte die Pläne, mit denen die große Koalition Wartezeiten auf Termine verkürzen will. Er ermunterte die Ärzte, sich auch für mehr reine Online-Sprechstunden zu öffnen.

Der Minister mahnte die Ärzte, man sollte in der Frage, wie schnell gesetzlich Versicherte Termine bekommen, nicht von einen „gefühlten Problem“ reden. Union und SPD wollen die Mindest-Sprechstundenzahl von bisher 20 auf 25 pro Woche erhöhen. Er wisse, dass „die übergroße Zahl“ der Mediziner mehr anbiete, sagte Spahn. Dies solle daher nicht als Generalverdacht empfunden werden, sondern „als eine Ermunterung für diejenigen, die es noch nicht machen“.

Kassenärzte fordern mehr Geld

Gefunden werden müsse hierfür auch eine Vergütungsregelung, damit Ärzte für mehr Patienten nicht bestraft würden, sagt der Minister. Die Kassenärzte verlangen vehement mehr Geld. Die gesetzlichen Kassen wiesen dies aber zurück. „Für seine Patienten da zu sein, ist die Kernaufgabe des Arztberufes“, sagte der Vize-Vorstandschef des GKV-Spitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg. „Über die ohnehin gute Vergütung hinaus kann es dafür, dass ein Arzt für den direkten Patientenkontakt zur Verfügung steht, keine Bonuszahlungen geben.“

Montgomery forderte: „Man muss die Patienten steuern, damit das knapp gewordene Gut „Arztstunde" denen zugutekommt, die es wirklich benötigen.“ Benötigt würden auch weitere Medizin-Studienplätze, um mehr Nachwuchs zu gewinnen. Kein Ausweg könne sein, mehr ausländische Ärzte nach Deutschland zu holen. Das schädige das Gesundheitswesen der Herkunftsländer, zudem seien intensive Prüfungen von Sprach- und medizinischen Kenntnissen erforderlich. „Wo Arzt drauf steht, muss auch Arzt drin sein. Das gebietet der Patientenschutz.“

Spahn: Stärkere Freigabe von Online-Sprechstunden

Spahn rief den Ärztetag auf, den Weg für eine stärkere Freigabe reiner Online-Sprechstunden im Berufsrecht freizumachen. Die Frage sei im Grunde nur, ob Internetkonzerne wie Google, Apple oder Amazon solche Angebote machten, „oder ob wir das gemeinsam in Deutschland hinbekommen“. Auch Montgomery warb für eine Öffnung mit Augenmaß. So müsse die Möglichkeit des direkten Kontaktes von Arzt und Patienten flächendeckend weiter garantiert sein. Patienten dürften auch nicht in vermeintlich einfache und kostengünstige Lösungen gedrängt werden.

Lesen Sie hier unseren Kommentar.

Von RND/dpa