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Deutschland / Welt Amerika fehlt im Nahen Osten
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19:30 12.02.2018
Berichtet für das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) aus Washington: Stefan Koch.
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Washington

Große Investitionen in die einheimische Infrastruktur kündigte Donald Trump am Montag an. Nachdem seine Vorgänger mehrere Billionen Dollar im Nahen Osten versenkt hätten, werde er sich einem viel besseren, viel schöneren Projekt widmen: dem Wiederaufbau Amerikas.

Das klingt schön. Teile des heimischen Publikums werden prompt das Glas erheben und ihrem Präsidenten zuprosten: America first! Doch was am Ende übrig bleibt von den vollmundigen Versprechungen Trumps, bleibt unklar.

Fest steht aber, dass sich das reduzierte außenpolitische Engagement der USA rächt. Wie sich die Abwesenheit einer Ordnungsmacht auswirken kann, lässt sich besonders eindrucksvoll im Nahen Osten beobachten. Obwohl die Vereinten Nationen zu einer Feuerpause in Syrien aufgerufen haben, toben dort jetzt die schlimmsten Kämpfe seit Beginn des Bürgerkriegs.

Die Unübersichtlichkeit des immer schon komplizierten Konflikts wird jetzt noch gesteigert. Russen und Amerikaner, Iraner und Saudis, Kurden und Türken, dazu noch der „Islamische Staat“ und Israel – sie alle stehen einander in Syrien gegenüber, sie alle könnten die Lage schon im nächsten Moment eskalieren lassen.

Ein Fehler in der Matrix der westlichen Welt

Die USA haben in der Region inzwischen so wenig, die Russen so viel Einfluss wie noch nie. Washington tut sich schon mit einer bloßen Bestandsaufnahme schwer.

Im Außenministerium sind wichtige Stellen seit Langem verwaist, Insider sprechen von einem Kahlschlag. Wenn Außenminister Rex Tillerson in dieser Woche in Ankara über die verzwickte Lage im Kurdengebiet verhandelt, fehlt ihm die Vorarbeit einer gut geölten Diplomatenmaschine. Es gibt keine Texte, kein Skript, und niemand führt Regie.

Eine kluge, vorbeugende Diplomatie hätte verhindert, dass in Nordsyrien türkische Nato-Panzer auf Milizen schießen, die vom größten Nato-Partner USA unterstützt werden – es ist wie ein Fehler in der Matrix der westlichen Welt.

Plötzlich geht Trump auf Distanz zu Israel

Vertrackt ist die Lage auch rund um Israel: Trump ernannte einen Hardliner zum höchsten Vertreter der USA im Heiligen Land und will die Botschaft nach Jerusalem verlegen. Dass dies alles dem Friedensprozess schadet, spricht sich allerdings auch im Weißen Haus herum.

In einem bemerkenswerten Interview wirft Trump jetzt nicht nur den Palästinensern einen mangelnden Verhandlungswillen vor, sondern zweifelt zudem an der Ernsthaftigkeit im Bemühen der Israelis, einen Ausgleich mit den Nachbarn zu finden. Der US-Präsident geht sogar erstmals auf Distanz zur israelischen Siedlungspolitik.

Langsam, millimeterweise, wächst in Washington die Erkenntnis, dass im gesamten Nahen und Mittleren Osten etwas ins Rutschen gerät. Schon bald könnte das heutige „America first“-Gerede in Washington als das entlarvt werden, was es ist: gedankenlos und gefährlich.

Von Stefan Koch/RND

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