Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Auch Spanien weist Rettungsboot „Lifeline“ ab
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Auch Spanien weist Rettungsboot „Lifeline“ ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:25 25.06.2018
Die Crew des deutschen Rettungsschiffs "Lifeline" mit 234 Fluechtlingen an Bord hofft weiter auf eine Erlaubnis zur Einfahrt in einen europaeischen Hafen. Quelle: epd-bild/Hermiine Poschmann/Mission Lifeline
Madrid

Für das blockierte deutsche Rettungsschiff „Lifeline“ mit rund 230 Migranten an Bord wird die Lage immer bedenklicher. Auch Spanien erteilte der Dresdner Organisation Mission Lifeline am Montag eine Absage, in einen Hafen des Landes einzufahren. Zudem droht auf dem Mittelmeer schlechtes Wetter.

Die Lage könnte so für die deutsche Besatzung und für die Flüchtlinge lebensgefährlich werden, sagte der Grünen-Parlamentarier Manuel Sarrazin nach einem Besuch auf dem Schiff. „Wenn das Wetter schlecht ist, haben wir eine Seenotsituation.“ Derweil wartet vor Sizilien ein Containerschiff mit Flüchtlingen seit Tagen vergeblich auf Einlass.

Malta fühlt sich nicht verantwortlich

Die „Lifeline“ hatte am Donnerstag die Migranten aufgenommen und befindet sich immer noch in der Nähe von Malta in Warteposition. Malta fühlt sich aber nicht zuständig. Und in Italien will die neue populistische Regierung private Hilfsorganisationen komplett verbannen.

„Es besteht konkrete Gefahr auch für deutsche Staatsbürger“, sagte Sarrazin. Nach seinen Angaben sind 17 deutsche Besatzungsmitglieder an Bord. „Die Menschen sitzen dicht gedrängt an Bord.“ Der Kapitän habe seit Tagen keine Anweisungen mehr erhalten, auch nicht aus Ländern wie Libyen, wo die Migranten abgelegt hatten. Mit der Verzögerungstaktik riskiere man, dass die Lage „eskaliert“.

Spanien will nicht dem Fall „Aquarius“ folgen

Alle Rufe nach Solidarität blieben bisher ungehört. Spanien will nicht dem Beispiel im Fall der „Aquarius“ folgen. Das zivile Rettungsschiff durfte nach einer ähnlichen Hängepartie schlussendlich nach Valencia fahren. Zwar wolle das Land ein humanitäres Gesicht zeigen, sagte der Minister für öffentliche Arbeiten, José Luis Ábalos, dem spanischen Radiosender Cadena Ser. „Aber es ist eine andere Sache, jetzt zur maritimen Rettungsorganisation für ganz Europa zu werden.“

Tunesien ist keine Option

Das nicht allzuweit weg gelegene Tunesien ist für die Retter als Hafen keine Option, da sie das Land nicht als sicher ansehen. Die dortige Regierung lehnt es zudem ab, Flüchtlinge aufzunehmen. So hatte Ministerpräsident Youssef Chahed es im vergangenen Jahr auch abgelehnt, ein Auffanglager einzurichten. Flüchtlingslager könnten die Stabilität des Landes gefährden, hieß es damals. Außerdem streben selbst viele Tunesier wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage in Richtung Italien.

Von RND/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Italien und Spanien haben das Flüchtlingsschiff mit 230 Menschen an Bord abgewiesen, obwohl Helfer inzwischen vor lebensgefährlichen Zuständen auf dem Schiff warnen. Unsere Gastautorin erklärt, wann Länder zur Hilfe verpflichtet sind – und wo das Seerecht Lücken hat.

25.06.2018

Immer mehr Menschen gehen mit ihren Beschwerden den direkten Weg ins Krankenhaus, ohne vorher bei dem zuständigen Bereitschaftsdienst anzurufen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen wollen das mit einer Gebühr ändern.

25.06.2018

Im Streit zwischen den Unionsparteien sieht CDU-Vize Armin Laschet die Stabilität der Demokratie in Deutschland bedroht. Im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) fordert er deshalb eine tragfähige Einigung.

25.06.2018