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Deutschland / Welt „Gelbwesten“ plündern in Paris – Wohnhaus in Flammen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Gelbwesten“ plündern in Paris – Wohnhaus in Flammen
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16:02 16.03.2019
Bei „Gelbwesten“-Protesten in Paris kam es erneut zu heftigen Krawallen. Quelle: Christophe Ena/AP/dpa
Paris

Ein Wohnhaus ist in Paris bei Protesten der „Gelbwesten“ in Flammen aufgegangen - eine Mutter und ihr Baby wurden gerettet. Das Feuer wurde nach Angaben von Innenminister Christophe Castaner vorsätzlich gelegt. Es brach in einer Bank im Erdgeschoss des Haues in der Nähe der Prachtmeile Champs-Élysées aus und breitete sich dann aus, wie der Sender France 3 berichtete.

Die Mutter und ihr Kind befanden sich den Angaben nach im zweiten Stock und wurden von Feuerwehrleuten in Sicherheit gebracht. „Die Personen, die diese Tat begangen haben, sind weder Demonstranten noch Randalierer, sie sind Mörder“, erklärte Castaner via Twitter.

Bei den Protesten der „Gelbwesten“ ist es am Samstag wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen in Frankreichs Hauptstadt gekommen. Auf den Champs-Élysées wurden Läden geplündert, Schaufenster zerschlagen und Autos angezündet. Randalierer verwüsteten vor allem Luxusgeschäfte und zündeten unter anderem eine Bankfiliale an. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein und nahm bis zum frühen Nachmittag 64 Personen fest, wie sie der Nachrichtenagentur AP mitteilte.

Chaotische Straßenschlachten

Protestierer warfen nahe dem Arc de Triomphe Rauchbomben und andere Gegenstände auf Polizisten, dann begannen sie, auf die Scheiben eines Polizeifahrzeugs einzudreschen. Die Polizei zog sich zunächst zurück. Später versuchte ein ebenfalls abgezogener Wasserwerfer, eine Menschenmenge von zwei Luxusgeschäften zu vertreiben. Modegeschäfte wurden geplündert, Schaufensterpuppen aus den zertrümmerten Scheiben geworfen.

Innenminister Christophe Castaner sprach von 7000 bis 8000 Demonstranten, von denen 1500 extrem gewalttätig und nur auf Zerstörung aus seien. Er verurteilte Aufrufe zur Gewalt und befahl der Polizei, energisch gegen „unzulässige“ Aktionen vorzugehen.

„Ultimatum“ an Regierung

Für die Gelbwesten war es der 18. Protestsamstag in Folge gegen die Politik von Präsident Emmanuel Macron, dem sie vorwerfen, Eliten zu bevorzugen. Nachdem die Teilnehmerzahl in den vergangenen Wochen stetig zurückgegangen war, hofften Vertreter von Lehrern, Arbeitslosen und Gewerkschaften diesmal wieder auf größeren Zulauf, nicht nur in Paris, sondern auch in anderen Städten Frankreichs. Auch die Polizei hatte sich auf eine wieder wachsende Demonstrantenzahl eingerichtet.

Grund ist das Ende einer zweimonatigen Bürgerdebatte, mit der Macron auf die Proteste reagiert hat. Die Demonstranten sahen darin nur leere Worte und einen Wahlkampftrick. In einem Online-Aufruf hieß es, der Samstag solle als „Ultimatum“ an die Regierung und die Mächtigen verstanden werden.

Kommentar: Macron-Appell: Sind seine Ideen nur plakative Slogans?

Von RND/dpa