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Deutschland / Welt Regionalkonferenz in Düsseldorf: Merz kann seinen Heimvorteil nutzen
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08:29 29.11.2018
Zwei winken, einer freut sich: Ex-Unions-Fraktionschef Friedrich Merz, CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Gesundheitsminister Jens Spahn (von links nach rechts) bei der Regionalkonferenz in Düsseldorf. Alle drei wollen Angela Merkel als CDU-Vorsitzende beerben. Quelle: Federico Gambarini/dpa
Düsseldorf

Es gibt etwas zu gewinnen oder zu verlieren an diesem Abend und da behilft sich Friedrich Merz mit einem Präsidenten, einem Konkurrenten und einer positiven Botschaft. Die Messehalle in Düsseldorf ist voll, der größte CDU-Landesverband Nordrhein-Westfalen empfängt die Kandidaten für den Parteivorsitz. Es ist die sechste von acht Regionalkonferenzen, und weil NRW die meisten der Delegierten stellt auf dem Parteitag kommende Woche – nämlich 296 von 1001 - ist es mit die wichtigste.

Merz leiht sich den Ruck, den Roman Herzog als Bundespräsident einst fürs Land gefordert hat, und sagt: „Es geht ein Ruck durch die Partei.“ Er will der oberste Ruckler werden, aber CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat mindestens genauso gute Chancen. Und NRW ist nicht nur die Heimat von Merz, sondern auch die des dritten Bewerbers Jens Spahn.

„Mit guter Laune die Zukunft gestalten“

Merz verändert seine Rede ein wenig, bei jeder Konferenz hat er ein bisschen variiert. Diesmal probiert er es mit Fröhlichkeit: „Wir wollen Spaß haben, an dem was wir tun“, sagt er. Freude am Diskutieren gebe es und Freude daran, „dass wir uns sehen“. Spahn redet auch viel vom Diskutieren und vor ein paar Tagen hat er den Satz gesagt: „Mit guter Laune Zukunft gestalten, das war doch immer ein Markenzeichen der CDU.“

Das hat sich Merz offenbar gemerkt. Der Ruf als Racheengel begleitet ihn ständig, als einer, der in die Politik zurückkehrt, um einen späten Triumph über Angela Merkel zu feiern, die ihn vor über 15 Jahren beiseite schob. Der Ruf ist eines seiner größten Handicaps. Also: Raus aus der Griesgram-Ecke, positiv dagegenhalten. Merz spricht die Sache mit Merkel auch noch mal direkt an: Er werde oft gefragt, wie das denn gehen solle mit Merkel als Kanzlerin und ihm als Parteichef, sagt er. „Natürlich geht das gut“, ist seine Antwort. Die Regierung werde nicht über ihn stürzen. „Es gibt keinen Grund über Neuwahlen zu spekulieren.“

Geklatscht wird bei Merz

Es gibt langen Applaus für Merz‘ Rede, deutlich länger als bei seinen Konkurrenten Spahn und Annegret Kramp-Karrenbauer. Das setzt sich fort, als die drei Bewerber später auf Zuschauerfragen antworten. Kramp-Karrenbauer sagt, der Mittelstand müsse mehr gefördert werden. Merz sagt, der Mittelstand müsse mehr gefördert werden. Spahn sagt: Moderner Patriotismus. Merz sagt: Gesunder Patriotismus. Mehr – oder zumindest lauter - geklatscht wird stets bei Merz.

 Kramp-Karrenbauer versucht, sich zu wehren. Mit kleinen Nadelstichen macht sie das, mit solchen, die nicht sofort erkennbar sind. Der Parteivorsitzende sei nicht als einzelne Person wichtig, er müsse mit der Partei zusammenarbeiten, fordert sie. Und die sei „Mehr als Hinterzimmer- und Personalgeklüngel.“ Im Übrigen habe sie als saarländische Ministerpräsidentin ja schon Wahlen gewonnen: „Ich weiß, wie sich 40 Prozent anfühlen“, sagt sie und erinnert die Zuhörer an die nordrhein-westfälische Landtagswahl vor zwei Jahren. Die hat die CDU zwar nicht mit 40 Prozent, aber immerhin gewonnen. „Ihr habt den Schulz-Zug zum Entgleisen gebracht“, sagt Kramp-Karrenbauer. Auf dem saß der damals noch umjubelte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Vorsicht vor dem Merz-Zug, das sagt Kramp-Karrenbauer natürlich nicht.

Und dann ist da noch Jens Spahn. Der Gesundheitsminister hat in Düsseldorf eigentlich auch ein Heimspiel, aber es gibt eben noch diesen anderen Nordrhein-Westfalen. Spahn hängt sich in seine Rede. Er fordert ein jährliches öffentliches Gelöbnis der Bundeswehr in Berlin und bekommt großen Applaus für sein „Nein zu Vollverschleierung und Machotum“. Das folgende „Ja zur Gleichberechtigung von Mann und Frau“ bekommt nur einzelne Klatscher. Aber das mag ein Zufall sein. Spahn jedenfalls hat sich noch Sätze zurechtgelegt wie aus einem Motivationstraining: „Wir sind die CDU“; ruft er. Und die CDU wolle weiter das Land prägen. „Wir können das, wir müssen das.“ Und der letzte Satz des Abends kommt auch von ihm: „Ich möchte gerne Parteivorsitzender werden“, sagt Spahn. Vielleicht hat es ja jemand vergessen.

Von Daniela Vates/RND

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