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Deutschland / Welt Das Ende des Kapitalismus
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12:01 07.04.2018
Gefährlicher Kapitalismus: Die Büste auf dem Grab von Karl Marx auf dem Friedhof von Highgate in London. Quelle: dpa
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Berlin

In manchen ehemals sozialistischen Ländern kam der Kapitalismus verkehrt an. Anstatt das freundliche Gesicht der freien Marktwirtschaft zu sehen, sahen die Bürger den Arsch. Letzte Woche ist in Moskau Sergej Mavrodi gestorben, der Mann, der in den Neunzigerjahren die erfolgreichste Aktiengesellschaft Russlands gründete, die MMM. Seine Firma versprach 1000 Prozent Dividende, genauso hatten sich die Sowjetbürger den Kapitalismus vorgestellt. Wie ein schwarzes Loch saugte die MMM das Geld aus dem Volk: die Renten der Eltern und die Sparschweine der Kinder. MMM war ein Schneeballsystem, es investierte nur in Eigenwerbung.

Jeden Tag erzählte der berühmte Schauspieler X. im Fernsehen, wie reich er geworden sei. Nach einem halben Jahr brach MMM zusammen, 15 Millionen Russen hatten ihr Geld verloren, der Gründer wurde wegen Steuerhinterziehung verhaftet. Es kam zu Demonstrationen von verprellten Anlegern, die die Freilassung des Schurken forderten, sie glaubten, weil er im Knast saß, könne er sie nicht auszahlen. Der Staat ließ Mavrodi frei, er ging ins Ausland: in Indien, Südafrika, Simbabwe und Nigeria versuchte er Menschen reich zu machen. Er war erst 63 Jahre alt und hätte sicher weitergemacht, wenn nicht der blöde Infarkt an der Bushaltestelle gewesen wäre. Über Ostern lag seine Leiche in der Leichenhalle, niemand kam, um sie abzuholen. Seine Frau hatte ihn vor langer Zeit verlassen, zu seiner Schwester hatte er keinen Kontakt. Nach russischem Gesetz wird jemand, um den sich niemand kümmert, in einem Massengrab für nicht identifizierte Personen beigesetzt.

Wladimir Kaminer lebt als Schriftsteller in Berlin

Von Wladimir Kaminer

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