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18:02 09.08.2018
Der nächste Ärger: Streik bei Ryanair. Quelle: Ghetty Images
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Hannover

Dieser Sommer wird den Urlaubern lange in Erinnerung bleiben. Wegen des Wetters – aber eben auch wegen der großen Probleme, an den Urlaubsort zu gelangen. Viele, die geflogen sind, können lange Geschichten erzählen: von Verspätungen bis zu zehn Stunden, von Flugausfällen und von einem Chaos an Flughäfen, das einen verstörenden Eindruck von einem System hinterlässt, das angeblich so perfekt und vor allem auch sicher ist. Zum Ärger kommt bei manchen daher jetzt ein banges Gefühl hinzu: Wie lange geht das noch gut?

Die aktuellen Zahlen von Deutschlands Flughäfen belegen, dass es sich nicht nur um ein gefühltes Problem handelt. Bis Anfang August wurden 18 749 Flüge annulliert, die Passagiere in Deutschland betreffen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ein Anstieg von 67 Prozent. Fast 5000 Flüge waren um drei Stunden und mehr verspätet. Die Schuld dafür schieben sich Fluglinien, Flugsicherheit und Flughafenbetreiber gegenseitig zu.

Nicht für alles, aber für vieles sind Billigflieger wie Ryanair verantwortlich. Dass bei den Iren ausgerechnet in den Sommerferien die Piloten streiken, ist die Quittung für ein Sparmodell beim Personal, das schon aberwitzige Züge angenommen hat. Piloten fliegen als Selbstständige, Mitarbeiter in Spanien bekommen irische Arbeitsverträge – das kann auf Dauer nicht gut gehen. Aber: Wer für 37 Euro von Bremen nach Mallorca und zurück fliegen will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er am Ende einmal in einem fensterlosen Containerterminal strandet – und nichts mehr geht.

Ryanair ist zum Buhmann geworden, das Geschäftsmodell aber hat sich rasant verbreitet. Lufthansa hat mit seiner Tochter Eurowings gerade mächtig an der Air-Berlin-Übernahme zu schlucken – auch ein Grund für viele Annullierungen. Billigairlines haben ihre Flugpläne so eng getaktet, dass sich im Laufe eines Tages selbst kleine Probleme zu einer großen Verspätung auswachsen. Fällt eine Maschine aus, kommt es gleich zu Verspätungen von zwölf Stunden, denn Ersatz gibt es nicht.

Man sollte sich aber hüten, jetzt das Ende des billigen Fliegens auszurufen. Dass sich viele Deutsche ohne Zögern eine Reise in den Süden leisten können, ist eine Errungenschaft. Es kann nicht darum gehen, das Steuerruder herumzudrehen und das Fliegen wieder zu einer elitären Veranstaltung zu machen. Im Gegenteil: Die Linienfluggesellschaften sind gerade dabei, selbst wie Billigflieger zu funktionieren. Sie sollten in diesem Sommer aber auch die Grenzen des Systems erkennen. Sie müssen sich mit den Kunden auf einer neuen Abflugebene treffen: mit knallhart kalkulierten Preisen – aber ohne Chaos am Flughafen und ohne den Eindruck, dass Urlauber wie Fluggepäck behandelt werden.

Von Jörg Kallmeyer

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