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Deutschland / Welt Das gefährliche Spiel der alten Freunde
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07:30 14.05.2018
Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident von Israel, hält eine Rede zum Empfang der US-Delegation. Zum 70. Jahrestag der Gründung Israels eröffnen die USA am Montag ihre Botschaft in Jerusalem. Quelle: dpa
Berlin

Es sind keine einfachen Zeiten für lange gewachsene Allianzen. Das transatlantische Verhältnis ist seit Donald Trumps Rückzug aus dem Anti-Nuklear-Abkommen mit dem Iran zerrüttet wie nicht einmal in den dunkelsten Stunden unter George W. Bush. Und die Freundschaft Deutschlands zu Israel steht am heutigen 70. Jahrestag der Staatsgründung ebenso auf dem Prüfstand.

Donald Trump und Benjamin Netanjahu sind eine Allianz miteinander eingegangen, in der Provokation und Eskalation Teil ihres politischen Spiels geworden sind – eines gefährlichen Spiels, das die friedliche Koexistenz konkurrierender Staaten in einer ganzen Region infrage stellt.

Ein Krieg der Erzfeinde hätte unvorstellbare Folgen

Der schwelende Konflikt Israels mit dem Iran ist die größte diplomatische Herausforderung dieser Zeit. Ein Krieg der Erzfeinde hätte unvorstellbare Folgen – nicht nur für den Nahen Osten, der sich seit Jahren in einer sich wandelnden Dauerkrise befindet, sondern auch für den Westen, dem jetzt eine unüberwindbare Spaltung droht.

Das Iran-Abkommen hat das Regime in Teheran auf den Weg der Kooperation gezwungen, es war ein enormer außenpolitischer Erfolg. Die einseitige Kündigung durch die USA ist ein Foul Washingtons gegen die engsten Verbündeten, gegen internationale Verlässlichkeit im Allgemeinen und gegen die Bemühungen, das Konfliktpotenzial einer ganzen Region wenigstens überschaubar zu halten. Und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu scheint fast euphorisiert durch die Entscheidung Trumps – und pfeift auf mäßigende Stimmen aus Europa. Ist das nach dem Jahrhundertverbrechen des Holocaust gewachsene Freundschaftsverhältnis zwischen Israel und Deutschland damit auch in Gefahr?

Existenz Israels bleibt Staatsraison

Die einfache und zugleich komplizierte Antwort lautet: Das darf es nicht sein. Mit dem 70. Jahrestag der Staatsgründung wird auch Deutschland schmerzlich daran erinnert, was die Ursache für die Gründung eines jüdischen Staates war: Es war die Diskriminierung, Verfolgung und schließlich Ausrottung jüdischen Lebens im dritten Reich. Die Existenz Israels bleibt auch heute deutsche Staatsräson, diese Verantwortung hat kein Verfallsdatum. Wie dringend die Erinnerung daran ist, zeigen die antisemitischen Vorfälle, die wieder Alltag in Deutschland geworden sind.

Der 70. Jahrestag der Gründung Israels sollte ein Moment sein, sich an Verbrechen der Vergangenheit zu erinnern und daraus Verantwortung für das Jetzt abzuleiten. Diese Erinnerung ist eine deutsche Angelegenheit, aber eben nicht nur. Sie sollte alle, die politisch zündeln, daran erinnern, dass Frieden nichts ist, was es geschenkt gibt und was einfach so bleibt. Er muss jeden Tag wieder erarbeitet werden, und er braucht starke und laute Fürsprecher. In Berlin, in Washington, in Jerusalem und Teheran und überall sonst.

Von Gordon Repinski

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