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Deutschland / Welt „Der Iran ist ein großes Problem“
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18:55 14.05.2018
Hellmut Königshaus ist Vorsitzender der Deutsch-israelischen Gesellschaft und sieht im derzeitigen Iran-Konflikt ein großes Gefahrenpotenzial. Quelle: krohnfoto

Herr Königshaus, die Feierlichkeiten zum
70. Jahrestag des Staates Israel
werden durch die Aufkündigung des Iran-Abkommens überschattet. Welche Gefahr geht vom Iran aus?

Der Iran ist ein großes Problem. Das ist offenkundig, seit das Land terroristische Aktivitäten gegen Israel unterstützte. Der Höhepunkt wurde erreicht durch den Angriff auf die Golanhöhen. Der Iran ist derzeit nicht in der Lage, mit regulären Truppen zu drohen. Doch wenn er atomar ausgerüstet wäre, bestünde die Gefahr der Auslöschung.

Warum hat Israel das
Atomabkommen
nie als Chance für den Frieden wahrgenommen?

Der Iran hält sich buchstabengetreu an dieses Abkommen, das bestätigt die Internationale Atomenergiebehörde. Doch es geht nicht nur darum, den Wortlaut eines Abkommens, sondern auch seinen Geist zu erfüllen. Den Geist dieses Vertrags, nämlich auf ein Atomprogramm zu verzichten, damit andere sich nicht mehr bedroht fühlen, verletzt der Iran weiterhin.

Wodurch?

Der Iran tut alles, um das Atomprogramm zu jedem Zeitpunkt wieder aufnehmen zu können. Es ist leicht, vom deutschen Sofa aus zu sagen: Naja, vielleicht hätten wir irgendwann die Chance, dieses Abkommen weiter zu entwickeln. Wenn aber nicht, dann ist Israel, umgeben von Feinden, in einer strategisch sehr schwierigen Position. Das Land kann seine Sicherheit nicht dem Prinzip Hoffnung überlassen, es muss aktiv werden.

Also muss die Lösung lauten, alles einzustampfen?

Die Amerikaner wollen genau wie Israel ein Abkommen, das nicht nur eine Scheinlösung bringt und in der die Entwicklung der Atombombe nur aufgeschoben wird. Sie wollen eine Dauerlösung.

Wie soll das noch möglich sein?

Der Westen muss Nachverhandlungen führen. Die westliche Gemeinschaft muss die Befürchtungen Israels aufgreifen. Wir werden an der Reaktion des Irans feststellen, ob er es ernst meint mit dem Inhalt des Abkommens. Der Iran muss die Entwicklung weitreichender Raketen unterlassen. So könnte man auch die Amerikaner wieder ins Boot holen.

Wie wird in Israel die Absicht Berlins wahrgenommen, Iran im Abkommen zu halten?

Man erkennt den guten Willen an. Inoffiziell sagen einige Vertreter, dass die Position der Europäer naiv ist. Aus der Sicht Israels geht es immer um alles oder nichts. Wer am Ende Recht hat, hängt davon ab, wie sich die Lage im Iran selbst entwickelt.

Zusätzlich zum Ausstieg aus dem Atomabkommen verlegt Amerika seine Botschaft nach Jerusalem. Wie bewerten Sie diesen Schritt?

Die Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem erkennt die gewachsenen Realitäten der letzten 70 Jahre endlich an. Leider nutzen die Kräfte, die Israel nichts Gutes wollen, dies aus. Die Hamas stachelt die Bürger an, Gewalt gegen Israel auszuüben.

Der Schritt von Donald Trump wird nicht bloß von Feinden Israels kritisiert.

Die Verlegung der Botschaft ist die Umsetzung eines Gesetzes, das 1995 im amerikanischen Kongress verabschiedet wurde. Das hat nicht Herr Trump erfunden, die bisherigen Präsidenten haben es nur nicht umgesetzt. Man kann darüber streiten, ob dies der richtige Zeitpunkt ist. Faktisch aber haben wir auch in Deutschland Jerusalem als Hauptstadt von Israel anerkannt. Wenn die Bundeskanzlerin, die Bundespräsidenten und viele andere in das Land reisen und Staatsgeschäfte führen oder in der Knesset sprechen, dann wissen sie sehr genau, dass sie das in der Hauptstadt Israels tun. Das israelische Parlament sitzt nun mal in Jerusalem. Das wussten sicher alle, als sie ihre Reden gehalten haben.

Von Jean-Marie Magro/RND

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