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Deutschland / Welt Verlegung der US-Botschaft im Zeichen der Gewalt
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10:31 16.05.2018
Mindestens 60 Menschen sind bei gewaltsamen Protesten im Gazastreifen ums Leben gekommen. Quelle: dpa
Jerusalem

Der 14. Mai ist für viele Israelis ein Tag der Freude, fühlen sie sich doch durch die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, der ein Gesetz des US-Kongresses aus dem Jahre 1995 umsetzte, bestätigt. Für Empörung sorgt der symbolische Schritt hingegen bei weiten Teilen der arabischen Bevölkerung – speziell in Ost-Jerusalem, das die Palästinenser als Hauptstadt ihres zukünftigen Staates beanspruchen. Obwohl Trumps Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels den Osten der Stadt nicht einschließt, empfindet die arabische Bevölkerung dort den Schritt als Demütigung.

Diese Stimmung machen sich die radikalen Kräfte der Hamas und Fatah zu eigen und haben im Gazastreifen und im Westjordanland zum Marsch an Israels Grenzanlagen beziehungsweise die Checkpoints aufgerufen. Israel reagiert darauf mit massiven Sicherheitsvorkehrungen. Israel hatte das von Jordanien besetzte Ost-Jerusalem im Sechstage-Krieg erobert und später annektiert.

  • 60 Tote bei Massenprotesten in Gaza,
  • UN-Sicherheitsrat berät über Gewalt im Gazastreifen
  • Südafrika und Türkei ziehen Botschafter ab

Guatemala eröffnet Botschaft in Jerusalem

Das lateinamerikanische Land Guatemala hat am Mittwoch in Jerusalem feierlich seine Botschaft eröffnet. Botschafterin Sara Solis sprach von einem „historischen Tag, an dem die Botschaft in die israelische Hauptstadt zurückkehrt“. Kommende Woche folgt dann Paraguay. Nach der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem war es am Montag an der Gaza-Grenze zu schweren Konfrontationen gekommen, bei denen israelische Soldaten 60 Palästinenser töteten. Bei der Eröffnung am Mittwoch in Jerusalem waren Guatemalas Präsident Jimmy Morales and Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dabei.

Türkei fordert Israels Generalkonsul in Istanbul zur Ausreise auf

Die türkische Regierung hat nach dem israelischen Botschafter in Ankara auch den Generalkonsul des Landes in Istanbul zur Ausreise aufgefordert. Das Außenministerium habe Israels Generalkonsul Josef Levi Sfari übermittelt, dass er für unbestimmte Zeit in sein Land zurückkehren solle, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Israel und Palästinenser tauschen Vorwürfe bei den UN aus

Nach den erneuten tödlichen Grenzprotesten im Gazastreifen haben sich Israel und die Palästinenser bei den Vereinten Nationen gegenseitig Verstöße gegen internationale Gesetze vorgeworfen. „Wie viele Palästinenser müssen sterben, bevor Sie handeln?“, fragte der palästinensische UN-Botschafter Rijad Mansur den UN-Sicherheitsrat am Dienstag auf einem Treffen im UN-Hauptsitz in New York. Israels Botschafter Danny Danon sagte zu dem Rat: „Sie müssen der Hamas erzählen, dass Gewalt nicht die Antwort ist.“ Das Treffen des Weltsicherheitsrats endete ohne gemeinsame Erklärung.

Israels Botschafter soll die Türkei verlassen

Das harte Vorgehen der israelischen Armee gegen protestierende Palästinenser im Gazastreifen hat für Israel erhebliche diplomatische Konsequenzen. Am schärfsten reagierte der türkische Präsident Recep Tayipp Erdogan auf den Tod von mehr als 60 Palästinensern.

In einer auf Twitter verbreiteten Erklärung nannte er Israel einen „Apartheid-Staat“ und griff Ministerpräsident Benjamin Netanjahu persönlich an: „Er hat das Blut von Palästinensern an seinen Händen.“ Erdogan lud für diesen Freitag zu einem Sondergipfel der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) in Istanbul ein.

Das türkische Außenministerium forderte am Dienstag Israels Botschafter nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu auf, „für einige Zeit“ das Land zu verlassen. Die türkischen Botschafter in Israel und Washington wurden zurückberufen. Israel forderte seinerseits den türkischen Konsul in Jerusalem auf, das Land für „einige Zeit“ zu verlassen.

Südafrika zog seinen Botschafter aus Israel ab, Belgien bestellte die israelische Botschafterin für Mittwoch ins Außenministerium in Brüssel ein, auch in Irland wurde der israelische Botschafter einbestellt. Die Palästinenserführung in Ramallah teilte am Dienstagabend mit, man habe den palästinensischen Repräsentanten aus Washington abberufen.

Desmond Tutu erschüttert über „Massaker“ an der Gaza-Grenze

Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat sich betroffen über die tödlichen Konfrontationen von Palästinensern mit israelischen Soldaten gezeigt. „Ich bin zutiefst erschüttert und habe ein gebrochenes Herz wegen des vom Staat Israel verübten Massakers gestern in Gaza“, erklärte der frühere Erzbischof von Kapstadt und Anti-Apartheidaktivist am Dienstag.

Bundesregierung wirft Hamas Anstachelung zur Gewalt vor

Nach den tödlichen Konfrontationen an der Grenze zwischen Israel und dem Gaza-Streifen hat die Bundesregierung die israelischen Streitkräfte aufgerufen, beim Einsatz von Gewalt verhältnismäßig vorzugehen. „Die israelische Regierung hat das Recht und sie hat die Pflicht, sowohl (...) die Sicherheit ihrer Bürger, als auch die Sicherheit ihrer Grenzen zu schützen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag in Berlin.

„Aber dabei muss Verhältnismäßigkeit eingehalten werden und das gilt insbesondere für den Einsatz von scharfer Munition.“ Seibert warf aber der im Gaza-Streifen herrschenden Hamas Anstachelung zur Gewalt vor: „Jeder hat das Recht auf friedlichen Protest“, sagte er. „Aber genauso klar ist, dass dieses Recht auf friedlichen Protest nicht missbraucht werden darf, um Gewalt anzustacheln. Die Hamas legt es auf eine Eskalation der Gewalt an, das ist zynisch.“

Opfer der Auseinandersetzungen beerdigt

Tag der Trauer statt neuer Massenproteste: Nach den schweren Zusammenstößen an der israelischen Grenze zum Gazastreifen trugen die palästinensischen Familien am Dienstag ihre 58 Toten vom Vortag zu Grabe. In dem von der Terrorgruppe Hamas kontrollierten Gebiet und dem Westjordanland ruhte das öffentliche Leben. In der Hauptstadt des Westjordanlands, Ramallah, heulten zum 70. Jahrestag von Flucht und Vertreibung palästinensischer Familien aus dem heutigen Israel 70 Sekunden die Sirenen.

Israel weist Kritik Erdogans an Gaza-Gewalt zurück

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Kritik des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan am israelischen Vorgehen an der Gaza-Grenze zurückgewiesen. „Erdogan ist einer der größten Unterstützer der Hamas, daher gibt es keinen Zweifel, dass er sich gut auskennt mit Terror und Massakern“, sagte Netanjahu am Dienstag. „Ich rate ihm, uns keine Moral zu predigen.“

Israelische Kampfflugzeuge greifen Hamas-Stellungen an

Israelische Kampfflugzeuge haben nach den Massenprotesten an der Grenze zum Gazastreifen dem Militär zufolge mehrere Hamas-Ziele in der Region bombardiert. Es seien elf „Terrorziele“ in einer Militäranlage der Hamas getroffen worden, teilte das israelische Militär am Dienstag mit. Panzer hätten zwei weitere Hamas-Ziele im Gazastreifen angegriffen.

Guatemalas Staatschef reist zu Botschafts-Eröffnung nach Israel

Ungeachtet internationaler Kritik eröffnet nach den USA auch Guatemala seine neue Botschaft in Jerusalem. Präsident Jimmy Morales reise für die Einweihung am Mittwoch nach Israel, teilte die Regierung des mittelamerikanischen Landes am Montag (Ortszeit) mit.

Guatemala hatte als zweites Land nach den USA die Verlegung seiner Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem angekündigt. Auch Paraguay will seine Botschaft kommende Woche verlegen, in Honduras gibt es ebenfalls Bestrebungen.

UN-Sicherheitsrat berät über Gewalt im Gazastreifen

Der Weltsicherheitsrat wird am Dienstag zu Beratungen über die tödliche Gewalt im Gazastreifen an der Grenze zu Israel zusammenkommen. Kuwait beantragte die Sitzung am Montag.

Während der palästinensische UN-Botschafter den Weltsicherheitsrat aufforderte, die Tötungen zu verurteilen, rief dagegen Israels Botschafter das Gremium auf, die radikalislamische Hamas zu verurteilen.

Unklar ist, was bei den UN-Beratungen herauskommen wird. Bei einer Sondersitzung nach ähnlichen Protesten im März riefen die Ratsmitglieder beide Seiten lediglich zur Zurückhaltung auf. Es gab keine gemeinsame Stellungnahme.

Mindestens 58 Tote bei gewaltsamen Protesten

Während der teils gewaltsamen Proteste Zehntausender Menschen am Grenzzaun im Gazastreifen wurden mindestens 58 Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen – so viele wie bei den sechswöchigen Protesten zuvor. Mehr als 2770 Menschen wurden nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums in Gaza verletzt, jeder zweite davon durch Schüsse. Es war der Tag mit den meisten Todesopfern seit dem Gaza-Krieg 2014.

Macron verurteilt Gewalt

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat „die Gewalt der israelischen Streitkräfte gegen die Demonstranten“ verurteilt. In Telefonaten mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und dem jordanischen König Abdullah beklagte Macron „die große Zahl ziviler palästinensischer Opfer in Gaza heute und in den vergangenen Wochen“, wie der Élyséepalast am Montagabend mitteilte. Macron habe alle Verantwortlichen zur Zurückhaltung und zur Deeskalation aufgerufen und die Notwendigkeit unterstrichen, dass die Demonstrationen der kommenden Tage friedlich bleiben.

Der Franzose erinnerte an die Missbilligung seines Landes für die amerikanische Entscheidung zur Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem. „Der Status von Jerusalem kann nur zwischen den Parteien bestimmt werden, in einem unter der Schirmherrschaft der internationalen Gemeinschaft ausgehandelten Rahmen.“ Am Dienstag will Macron sich mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu austauschen.

Erdogan bezeichnet Vorgehen Israels als „Genozid“

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat das Vorgehen Israels im Gazastreifen als „Genozid“ bezeichnet. „Das was Israel macht, ist ein Genozid. Egal von welcher Seite er kommt, von Amerika oder von Israel, ich verfluche dieses humanitäre Drama, diesen Genozid“, sagte Erdogan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Montagabend. Erdogan ordnete drei Tage Trauer für die getöteten Palästinenser an.

Unterdessen zog die Türkei ihren Botschafter aus den Vereinigten Staaten aus Protest ab. Zudem berief sie ihren Botschafter in Israel für Konsultationen zurück in die Heimat. Das Außenministerium in Ankara teilte mit, die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem sei „juristisch null und nichtig“ und missachte die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes.

Südafrika ruft Botschafter aus Israel zurück

Südafrika hat seinen Botschafter zurückberufen. Südafrika verurteile die „wahllose und gravierende“ Gewalt, erklärte das Außenministerium in Pretoria am Montag. Es bedürfe einer unabhängigen Untersuchung, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. Botschafter Sisa Ngombane werde auf unbestimmte Zeit zurückberufen, erklärte das Ministerium. Südafrika zeigt sich häufig solidarisch mit den Palästinensern.

Weißes Haus: Gewalt alleinige Verantwortung der Hamas

Das Weiße Haus sieht die Verantwortung für die Gewalt im Gazastreifen voll und ganz bei der radikal-islamischen Hamas. Die Hamas habe die Situation auf zynische Weise ausgenutzt, sagte der Sprecher von US-Präsident Donald Trump, Raj Shah, am Montag in Washington.

Die aktuelle Eskalation werde einem Friedensplan aber nicht schaden, sagte Shah. Dieser Friedensplan der US-Regierung werde zu einem angemessenen Zeitpunkt vorgelegt werden. Auf die Frage, ob die USA Israel angesichts vieler Toter bei Zusammenstößen vom Montag zur Zurückhaltung aufrufe, sagte Shah, das sei nicht nötig. Die Hamas trage die Verantwortung.

Libanon, Jordanien und Ägypten verurteilen Gewalt in Gaza

Die israelischen Nachbarstaaten Libanon, Jordanien und Ägypten haben die eskalierende Gewalt im Gazastreifen verurteilt. Es handle sich um „exzessive Gewalt gegen wehrlose palästinensische Menschen“, sagte der jordanische Regierungssprecher Mohammed al-Momani am Montag. Dies sei ein „Verbrechen“. Das Außenministerium in Ägypten verurteilte die Bekämpfung „von unbewaffneten palästinensischen Zivilisten von den israelischen Besatzungstruppen“.

Frankreich ruft Israel zur Zurückhaltung auf

Nach den Konfrontationen mit Dutzenden Toten im Gazastreifen hat Frankreich Israel zu „Bedacht und Zurückhaltung beim Einsatz von Gewalt“ aufgerufen. Dieser müsse „strikt verhältnismäßig“ sein, mahnte Außenminister Jean-Yves Le Drian am Montag. Frankreich erinnere an die Pflicht zum Schutz von Zivilisten, vor allem von Minderjährigen, und das Recht der Palästinenser, friedlich zu demonstrieren.

Paris kritisierte erneut die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem – die neue Vertretung war am Montag eröffnet worden. „Diese Entscheidung verstößt gegen das internationale Recht und insbesondere gegen die Resolutionen des Sicherheitsrats und der Generalversammlung der Vereinten Nationen“, so Le Drian. Der Status von Jerusalem müsse im Rahmen von Verhandlungen über die Lösung des Nahost-Konflikts geklärt werden.

Jetzt 52 Tote im Gaza-Streifen

Die Zahl der Toten bei palästinensischen Massenprotesten gegen die Blockade des Gazastreifens ist am Montag bis zum frühen Abend auf 52 gestiegen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden mehr als 1200 weitere Demonstranten von israelischen Soldaten mit Schüssen verletzt. Israel hatte angekündigt, dass es ein Durchbrechen seiner Grenzsicherungen zu dem von der radikalislamischen Hamas regierten Gazastreifen um jeden Preis verhindern werde.

Erekat sieht Botschaftsverlegung als Akt „internationaler Anarchie“

Der palästinensische Chefberater Saeb Erekat hat die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem als eine Entscheidung bezeichnet, „die internationale Anarchie befördert“.

Nahost-Experte: Kein extremes Eskalationspotenzial

Der Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah, Marc Frings, sieht trotz der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem und der angekündigten Massenproteste der Palästinenser kein extremes Eskalationspotenzial. „Ich sehe nicht das Potenzial dafür, dass ein gewalttätiger Flächenbrand entsteht“, so Frings. Der Fokus der Proteste werde auf dem Gazastreifen liegen. „Aber das passiert nicht wegen der Botschaft, sondern weil die Menschen das Gefühl haben, ihr Schicksal selber in die Hand nehmen zu müssen.“

Generalstreik in Gaza

Einen Tag vor dem 70. Jahrestag der sogenannten Nakba, der Vertreibung von Arabern aus dem heutigen Territorium Israels, wird in Gaza jährlich ein Generalstreik ausgerufen.

Frauen gehen während des Generalstreiks in Gaza an geschlossenen Geschäften vorbei. Quelle: dpa

800 Ehrengäste zur Botschaftseröffnung erwartet

Die offizielle Zeremonie zur Botschaftseinweihung startet um 15 Uhr deutscher Zeit (16 Uhr Ortszeit). Erwartet werden 800 Ehrengäste. Yair Lapid, linksliberaler israelischer Politiker und ehemaliger Finanzminister seines Landes, forderte gegenüber bild.de, auch die Bundesrepublik solle mit seiner diplomatischen Mission nach Jerusalem umziehen: „Natürlich soll Deutschland seine Botschaft verlegen!“

Die Lage der US-Botschaft (des bisherigen Generalkonsulats) in Jerusalem Quelle: dpa

Zahlreiche Verletzte bei ersten Konfrontationen an Gaza-Grenze

Schon Stunden vor der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem ist es am Montag an Israels Grenze zum Gazastreifen zu Protesten gekommen. 28 Palästinenser seien bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten verletzt worden, teilte der palästinensische Rettungsdienst Roter Halbmond mit. Mehr als 20 seien durch Schüsse verletzt worden, zwei davon lebensgefährlich. Zahlreiche Palästinenser setzten im Grenzbereich Reifen in Brand; dichter schwarzer Rauch stieg in den Himmel. Nach Berichten von Augenzeugen versuchten mehrere Männer, den Grenzzaun zu Israel zu durchschneiden.

Historiker Wolffsohn: Botschaft in Jerusalem erkennt Wirklichkeit an

Der deutsch-israelische Historiker Michael Wolffsohn hat die umstrittene Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem als konsequent bezeichnet. „Es tut mir leid oder eben nicht leid: Ohne das Anerkennen der Wirklichkeit kann man keine Politik machen“, sagte Wolffsohn im Interview des Bayerischen Rundfunks (Radiosender Bayern 2) am Montag.

Herzog: „Trumps Entscheidung lässt Israel Gerechtigkeit widerfahren“

Der sozialdemokratische israelische Oppositionsführer Jitzchak Herzog von der „Zionistischen Union“ sagte gegenüber der „Jerusalem Post“, der Umzug der Botschaft „lässt Israel, Jerusalem und dem jüdischen Volk Gerechtigkeit widerfahren.“ Wir sind Präsident Trump für seine Entscheidung dankbar. Jetzt müssen wir danach streben, dass der Frieden in Jerusalem keine Sehnsucht bleibt.“

Todesopfer an der Grenze zum Gazastreifen

Bei Protesten an der Grenze zwischen dem Gaza-Streifen und Israel sind bei Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza bisher neun Menschen erschossen worden. Mehr als 500 seien verletzt worden.

Palästinenser schleudern an der Grenze Gazas Steine gegen israelische Soldaten. Quelle: AP

Armeesprecher: Proteste an Gaza-Grenze von ungeahntem Ausmaß

„Wir haben derlei Ausschreitungen an der Grenze Gazas seit Beginn der Proteste noch nicht erlebt“, sagte der Sprecher der israelischen Armee, Ronen Manelis dem Israelischen Rundfunk. „35.000 Palästinenser protestieren an zwölf Orten, und an jedem dieser Orte versuchen Hamas-Aktivisten die Grenze zu überschreiten, um Terrorakte zu begehen bzw. Soldaten zu entführen.“

Zahl der Toten bei Protesten an Gaza-Grenze auf 18 gestiegen

Israelische Soldaten haben am Montag an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel nach palästinensischen Angaben mindestens 18 Menschen erschossen, mehr als 900 seien verletzt worden. Israel hat angekündigt, um jeden Preis jeden Versuch zu vereiteln, die Grenzsicherungsanlagen an seiner Südgrenze zu durchbrechen. Es ist international für seinen Schießbefehl an die Grenztruppen kritisiert worden. Die Regierung hat das mit der Erklärung zurückgewiesen, Israel habe das Recht, seine Grenzen zu verteidigen.

Angeblich Terroranschlag vereitelt

Nach Angaben der „Jerusalem Post“ haben israelische Streitkräfte einen Anschlag am Grenzübergang Rafah nach Gaza verhindert. Demnach hätten drei bewaffnete Palästinenser an der Grenze einen Sprengsatz platziert. Soldaten hätten sie erschossen. Zudem hätte ein israelisches Kampfflugzeug eine Hamas-Stellung beschossen, von der aus auf Soldaten geschossen worden sei.

Frontversorgung: Ein Mann mit einem Eiswagen geht während der Ausschreitungen in Gaza an der Grenze zu Israel auf Kundenfang Quelle: Screenshot/i24

Fußballclub benennt sich in Beitar Trump Jerusalem um

Der israelische Fußballclub Beitar Jerusalem will anlässlich des Botschaftsumzugs den Nachnamen von US-Präsident Donald Trump zum bisherigen Teamnamen hinzufügen. Der Club werde „ab jetzt „Beitar Trump Jerusalem“ heißen“, hieß es auf der Facebook-Seite des Fußballvereins. „Präsident Trump hat Mut gezeigt und echte Liebe für das israelische Volk und dessen Hauptstadt“, teilte Beitar Jerusalem mit. Der Fußballclub ist auf dem zweiten Platz in der israelischen Liga und muss nur noch ein Spiel bestreiten. Er hat sich bereits für die Europaliga qualifiziert.

Eröffnungszeremonie der Botschaft beginnt

Unter dem Jubel der geladenen Ehrengäste begeben sich Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Donald Trumps Tochter Ivanka samt Ehemann Jared Kushner auf ihre Plätze in der ersten Reihe. Das Festzelt vor dem bisherigen Generalkonsulat der Vereinigten Staaten in Jerusalem ist prall gefüllt. Die Feier soll 81 Minuten dauern und fünf Reden enthalten – darunter eine Videobotschaft von US-Präsident Trump. Eine Ehrenformation der US-Armee betritt die Bühne. US-Botschafter David Friedman erinnert in seiner Rede davon, dass die USA das erste Land gewesen seien, das vor 70 Jahren die junge Nation Israel anerkannt habe. „70 Jahre später gehen die Vereinigten Staaten endlich den nächsten Schritt.“ Dieser Schritt sei besonders dem Mut und der Geradlinigkeit einer Person zu verdanken: dem US-Präsident Donald J. Trump, sagte Friedman unter dem Jubel der Anwesenden. Auch bei der Vorstellung der Honoratioren bekamen alle anwesenden israelischen Würdenträger, ob Regierung oder Opposition, gleichermaßen Applaus.

Der US-Botschafter in Israel, David Friedman, bei seiner Eröffnungsrede während der Eröffnungszeremonie Quelle: Screenshot/JPost Livestream

US-Botschafter Friedman

„23 lange Jahre hat es gedauert zwischen dem Gesetz von 1995 und dessen Umsetzung – heute anerkennen wir endlich Israels Recht, das Recht, das jeder unabhängige Staat hat: seine eigene Hauptstadt zu wählen.“ Danach folgten einige religiöse Segnungen unterschiedlicher Konfessionen und Glaubensrichtungen.

John J. Sullivan, Vize-Außenminister der USA

Der stellvertretende Außenminister der USA, John J. Sullivan betonte in seiner Rede, dass das Außenminister stolz darauf sei, seine engen Beziehungen zur israelischen Regierung ab jetzt vom neuen Standpunkt der US-Botschaft in Israel fortsetzen zu können. Die Vereinigten Staaten würden sich weiterhin mit voller Kraft für eine Friedenslösung für Israel und Palästina einsetzen. Das gelte insbesondere auch für die Heiligen Stätten auf dem Tempelberg. „May there be peace“.

Im Anschluss enthüllten US-Finanzminister Steven Mnuchin und die Präsidenten-Tochter und -beraterin Ivanka Trump das Wappen der neuen US-Botschaft in Jerusalem.

US-Botschafter David Friedman Mnuchin und Ivanka enthüllen das Wappen der US-Botschaft. Quelle: JPost StreamJPost Stream

Videobotschaft von Donald Trump

In einem per Video ausgestrahlten Grußwort sagte US-Präsident Trump, „die USA werden immer ein enger Freund Israels und ein Partner im Ringen um Freiheit und Frieden sein. Wir reichen unsere Hand in Freundschaft Israel, den Palästinensern und allen anderen Nachbarn. Möge der Friede kommen.“

Israels Präsident Reuven Rivlin

Als nächstes spricht Israels Präsident Reuven Rivlin. „3000 Jahre lang haben die Juden für Jerusalem gebetet, seit der Gründung des Staates Israel war Jerusalem die Hauptstadt Israels. Jerusalem ist Sitz des Parlaments, der Regierung und des höchsten Gerichts Israels. Jerusalem ist ein Mikrokosmos, der das Zusammenleben von Juden und Arabern ermöglicht. Präsident Trump, die Israelis danken Ihnen, dass sie Wort gehalten haben. Wir hoffen und erwarten, dass andere Nationen Ihrem Beispiel folgen werden.“

Israels Präsident Reuven Rivlin Quelle: Screenshot US Embassy

Jared Kushner

Jared Kushner: „Ich fühle mich besonders geehrt, heute hier als Vertreter des 45. Präsidenten der USA, Donald Trump, sprechen zu dürfen. Wenn Donald Trump etwas verspricht, dann hält er es auch. Die USA stehen an der Seite Israels, weil wir an Freiheit, Menschenrechte und die Verteidigung der Demokratie glauben.“ Israels sei eine Insel der Freiheit. „Am 6. Dezember hat US-Präsident Trump klar gemacht, dass sich durch diese Entscheidung nichts an unserer Verpflichtung gegenüber einer Friedenslösung für die Region und dem Status quo der heiligen Stätten ändert. Wenn einst Frieden in dieser Region herrschen wird, werden wir auf diesen Tag zurück schauen, an dem der Frieden eingeleitet wurde – durch die Anerkennung der Realitäten. Wenn wir groß denken, können wir den Gang der Geschichte von hoffnungslos zu grenzenlos wenden.“

Jared Kushner Quelle: US Embassy

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begrüßt „all die Freunde, die diesen Tag herbei gesehnt und für ihn gebetet haben. Was für ein glorreicher Tag – lasst ihn uns niemals vergessen. Präsident Trump: Indem Sie die Geschichte anerkannt haben, haben Sie Geschichte geschrieben.“ Netanjahu erinnert an seine Kindheit, die er in der Nähe der heutigen Botschaft verbracht habe, und wie die jordanischen Scharfschützen in dieser Gegend ein Näherkommen unmöglich gemacht hätte. „Heute steht hier die Botschaft der mächtigsten Nation der Welt, unseres engsten Verbündeten. Wir sind hier in Jerusalem und wir bleiben hier. Heute, Herr Botschafter, haben Sie die Ehre, der erste Botschafter zu sein, der seinem Land von Jerusalem aus dient. Ich glaube, dass heute auch ein großer Tag für den Frieden ist. Denn ein Frieden, der auf Lügen fußt, wird an den Realitäten des Nahen Ostens zerschellen. Nur ein Frieden, der auf Wahrheit beruht, ist ein wahrer Frieden. Und die Wahrheit ist, dass Jerusalem die ungeteilte, ewige Hauptstadt Israels ist.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Quelle: US Embassy

Nach einem Segen und einem musikalischen Beitrag beendete Botschafter David Friedman die Zeremonie. „Bitte besuchen Sie uns bald wieder.“

Von RND/dpa/AP/dk/fw

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