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Deutschland / Welt Der stille Tod der Indianer
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07:13 09.08.2018
Quelle: picture alliance / Zaruba Ondrej
Bogotá.

Die Gier der Welt frisst sich gnadenlos in die Lunge der Welt. Wie die Metastasen eines Krebsgeschwürs durchziehen riesige Wunden den Amazonas-Regenwald. Jeden Tag wird das fürs Klima so wichtige Ökosystem weiter malträtiert. Dahinter stecken die Interessen verschiedenster Gruppen: mal ist es der Hunger der Welt nach Kokain, nach Gold, nach Erdöl oder Sojabohnen. Und mit jedem Tag wird der Lebensraum jener Völker kleiner, die dort einmal gelebt haben. Der stille Tod des Regenwaldes ist auch ein stiller Tod der Indigenen.

Was vor über 500 Jahren mit der Entdeckung Amerikas begann, setzt sich bis heute fort: Gnadenlos wird das Land der Indigenen geplündert. Waren es vor Jahrhunderten Galeonen, die das geraubte Gold Lateinamerikas nach Spanien brachten, sind es heute Konzerne und Kartelle, die Gold, Kohle, Öl, Kokain und Tropenholz versilbern. Das Geld verdienen China, Japan, Europa und die USA. Und ihre Handlanger: linke Guerilleros, rechte Paramilitärs und korrupte Politiker.

Die Verlierer sitzen in den Fußgängerzonen in Bogotá, Rio de Janeiro, Santiago oder Quito. Bettelnd mit einem Baby im Arm, vielleicht noch mit ein bisschen Kunsthandwerk, vielleicht schon in China produziert. Andere schlagen sich als Touristenattraktion durch, eingesperrt in die Zwänge der westlichen Zivilisation, die sie nie um ihre Anwesenheit gebeten und deren brutale Massaker sie überlebt haben. Es ist ein Leben wie im Zoo: bestaunt, bemitleidet – und wenn der SUV die Touristen zurück in die Luxushotels oder Hostels fährt schon wieder vergessen. Genau wie der heutige Internationale Tag der indigenen Völker. Was für eine Schande für die sogenannte Zivilisation.

Von Tobias Käufer

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