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Deutschland / Welt Die Kurden pokern hoch
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18:23 26.09.2017
Jubelfeier in Erbil (Irak): Mit großer Mehrheit haben die Kurden für ihre Unabhängigkeit gestimmt. Quelle: dpa
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Erbil

Es ist ein klares Votum: Ersten Ergebnissen zufolge haben gut 90 Prozent der knapp 4,6 Millionen wahlberechtigten Kurden für die Unabhängigkeit der Region vom Irak gestimmt. Doch wahrscheinlich weiß Kurden-Präsident Massud Barsani momentan selbst noch nicht, wie er die Entscheidung seines Volkes künftig nutzen will.

Er könnte die Unabhängigkeit ausrufen und sich mit allen regionalen Nachbarn plus Europa und den USA anlegen. Oder er könnte das Plebiszit einsetzen, um vom Irak weitreichende Konzessionen herauszuschlagen. Und so werden die Kurden trotz ihres klaren Referendums am Ende doch wieder vor der strategischen Frage stehen, ob sie de facto autonom unter dem Dach des irakischen Staates besser fahren als ausdrücklich autonom in einem eigenen Staat. Denn ihr neuer Staat wäre permanent erpressbar, weil in seinem Wirtschaftsdasein komplett umzingelt von den misstrauischen und feindseligen Nachbarn Türkei, Iran und Rest-Irak.

Bisher gelten die nordirakischen Kurden in dem Chaos des Nahen Osten als eine Insel der Stabilität. Ihre ökonomische Lage ist besser als im Rest des zerrütteten Zweistromlandes. Auch viele Minderheiten in der Nachbarschaft wie Jesiden und Christen würden nach dem Albtraum des „Islamischen Staates“ künftig lieber unter kurdischer als unter arabischer Herrschaft leben. Und so haben die Kurden mit ihrem Referendum hoch gepokert. Sie streben nach maximaler Distanz zu dem schiitisch dominierten Bagdad. Sollten sie im Staatsverbund verbleiben, müsste die ungeliebte Zentralregierung ihnen noch einmal erheblich entgegenkommen. Scheitert aber dieser Fundamentalkompromiss, dann könnte bald der nächsten Region des Orients das Schicksal von Schutt und Asche drohen.

Von Martin Gehlen/RND

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