Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Die Türkei verschärft Ton im Erdgas-Streit mit Zypern
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Die Türkei verschärft Ton im Erdgas-Streit mit Zypern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:15 23.02.2018
Eine Bohrplattform vor der Küste von Larnaca (Zypern) im Mittelmeer. Quelle: dpa
Nikosia

„So lange die Zypernfrage nicht gelöst ist, wird die Türkei einseitige Explorationen nicht erlauben“, sagte Energieminister Berak Albayrak am Donnerstag bei einer Energiekonferenz in Istanbul. Sein Wort hat Gewicht: Albayrak ist Schwiegersohn des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan.

Am 9. Februar stoppte die Türkei vor Zypern das Bohrschiff „Saipem 12000“, das dort im Auftrag des Energiekonzerns Eni nach Erdgas suchen soll. Ankara begründet die Blockade mit Marine-Manövern, bei denen mit scharfer Munition geschossen wird. Damit kann das Bohrschiff seine Mission im Suchgebiet Soupiá (Tintenfisch) nicht erfüllen. Am Freitag kapitulierte Eni und zog die „Saipem 12000“ ab. Das Schiff nahm Kurs auf Marokko, wo es Anfang März den nächsten Auftrag hat. Für die Republik Zypern ist das ein herber Rückschlag. Außenminister Ioannis Kassoulides sagt: „Die Gewalt der Waffen obsiegt immer, wenn es keine Kraft gibt, die sich ihr entgegenstellt.“

Zypern kündigt Widerstand an

Mit der türkischen Seeblockade und der Drohung des Energieministers Albayrak erreicht der Gasstreit vor Zypern einen neuen Höhepunkt. Die von ethnischen Griechen und Türken bewohnte Insel ist geteilt, seit die Türkei 1974 den Nordteil militärisch besetzte. Vor der Süd- und Ostküste Zyperns werden bedeutende Erdgasvorkommen vermutet. Die Regierung der international anerkannten Republik Zypern hat Konzessionen an mehrere Energiekonzerne vergeben. Aber die Türkei spricht Zypern das Recht dazu ab. Sie verlangt nicht nur eine Beteiligung der türkischen Zyprer, sondern sie erhebt auch Ansprüche auf Teile der Konzessionsgebiete, die nach ihrer Ansicht zur türkischen Wirtschaftszone gehören.

Der Gasstreit stand am Donnerstagabend im Mittelpunkt eines Treffens des zyprischen Staatschefs Nikos Anastasiades mit dem EU-Ratspräsidenten Donald Tusk in Brüssel. Anastasiades hatte diese Woche angeboten, Erlöse aus der Gasförderung in einen Sonderfonds einzuzahlen und nach einer Zypernlösung proportional an beide Volksgruppen zu verteilen. Damit geben sich aber weder die türkischen Zyprer noch die Türkei zufrieden.

Wie die Türkei weitere Explorationen unterbinden will, führte Energieminister Albayrak nicht aus – vermutlich mit militärischen Mitteln, wie bisher. Mit der türkischen Kriegsmarine können es die paar Patrouillenboote der zyprischen Küstenwache zwar nicht aufnehmen. Außenminister Kassoulides kündigt aber diplomatischen Widerstand an: Die von Ankara gewünschte Erweiterung der Zollunion werde Zypern in der EU nun ebenso mit einem Veto blockieren wie eine Lockerung der Visapflicht. „Und selbstverständlich werden wir auch der Eröffnung neuer Beitrittskapitel nicht zustimmen“, sagte Kassoulides.

Von Gerd Höhler/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Einen Tag nach der leidenschaftlichen Bundestagsrede von Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir gegen die AfD haben Abgeordnete von Union, SPD, FDP und Grünen die Rechtspopulisten erneut scharf kritisiert. Die Aussagen der AfD seien „menschenverachtend“. Vize-Bundestagspräsident Kubicki musste AfD-Politiker während der Debatte mehrmals ermahnen.

01.03.2018

Frankreichs Regierung will Asylverfahren und Abschiebungen beschleunigen. Nicht nur Menschenrechtsorganisationen schreien auf – erstmals richten sich auch Abgeordnete der Präsidentenpartei gegen ein Gesetzesprojekt der eigenen Regierung.

23.02.2018

Die US-Regierung will weitere Sanktionen gegen Nordkorea verhängen. Präsident Trump kündigte ein umfassendes Paket an. Noch vor Ende der Olympischen Winterspiele am 18. März sollen die neuen Strafmaßnahmen geltend gemacht werden.

23.02.2018