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Die neue Kurden-Krise

Leitartikel Die neue Kurden-Krise

Im Nordirak stehen sich Regierungstruppen und kurdische Kämpfer gegenüber. Beide werden vom Westen unterstützt, weil sie gegen den „Islamischen Staat“ kämpfen. Darum sind Europa und Deutschland jetzt als Vermittler gefordert, meint Jörg Kallmeyer.

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Irakische Truppen marschieren in Kirkuk ein.

Quelle: AP

Hannover. Drei Wochen lang hat sich Deutschland nun intensiv damit beschäftigt, Wahlergebnisse zu deuten und Koalitionsoptionen auszuleuchten. In der Welt drumherum sind die Probleme derweil nicht kleiner geworden. Im Gegenteil: Gestern gab es neue, alarmierende Kriegsszenarien aus Nordkorea, der Konflikt zwischen den USA und dem Iran schwelt, er kann jederzeit aufflammen. Und nun kommt auch noch eine handfeste Kurden-Krise im Nordirak hinzu. Bei diesem Thema kann sich Berlin nicht wegducken – ganz gleich, wie lange die aktuelle Bundesregierung noch im Amt ist und wie fremd sich die Kanzlerin und ihre zuständigen Minister schon sein mögen.

Anders als im Fall Koreas oder des Iran braucht es bei den Kurden keinen Donald Trump, um die Lage eskalieren zu lassen. Die Ereignisse, die sich gerade in Kirkuk abspielen, sind in jeder Hinsicht bizarr: In den Kurdengebieten im Nordirak, einer ölreichen Region, stehen sich die irakische Armee und kurdische Peschmerga-Kämpfer Auge in Auge gegenüber, die Iraker haben bereits große Teile von Kirkuk erobert. Ausgerüstet und unterstützt werden die Kämpfer auf beiden Seiten vom Westen. Die Iraker kämpfen mit US-Rückendeckung gegen die Truppen des „Islamischen Staats“ (IS). Die gleiche Aufgabe hat man im Norden den Peschmerga-Kämpfern zugewiesen. Aus Deutschland bekommen die Kurden dafür Waffen und Ausbildungskurse von Soldaten der Bundeswehr.

Wie bei allen Operationen im Mittleren Osten zeigt sich auch beim Kampf gegen den IS: Neben dem militärischen Vorgehen gibt es keine ausreichenden politischen Strategien des Westens zur Befriedung der Region. Dass die Frage der kurdischen Autonomie eines Tages gestellt werden würde, musste jedem bewusst sein, der den Peschmerga-Kämpfern deutsche Waffen in die Hand gedrückt hat.

Den Kurden ist historisch übel mitgespielt worden, ihr Streben nach einem eigenen Staat mag im Westen auf einige Sympathie stoßen. Und doch wird es ein Wunschtraum bleiben: Neben der irakischen Zentralregierung in Bagdad lehnen die Türkei und der Iran die Unabhängigkeitspläne in aller Deutlichkeit ab.

Der Westen wird sich hüten, ernsthaft an dieser Einheitsfront der Kurden-Nachbarn zu rütteln. Das Referendum der Kurden für einen eigenen Staat wurde allenfalls achselzuckend zur Kenntnis genommen. Jetzt aber kommt auf Europa und Deutschland eine Vermittlerrolle in Kirkuk zu – schon aus eigenem Interesse. Viele Menschen im Irak sind vor den IS-Terrorbrigaden in den Norden des Landes geflohen. Brechen nun hier die Kämpfe zwischen der Armee und den Kurden aus, wird die nächste Flüchtlingswelle ausgelöst. Sie dürfte dann nur noch ein Ziel haben: Europa.

Von Jörg Kallmeyer

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©dpa

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