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Deutschland / Welt Digitaler Nachlass – „Die meisten halten das für ein Nerd-Thema“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Digitaler Nachlass – „Die meisten halten das für ein Nerd-Thema“
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20:44 12.07.2018
Kai Lociks ist Bestatter in Pansdorf bei Lübeck und Digitalexperte beim Verband unabhängiger Bestatter. Quelle: privat
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Lübeck

Herr Lociks, der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Eltern das Facebook-Konto ihrer verstorbenen Tochter erben dürfen. Was heißt das für Sie?

Ich begrüße das Urteil sehr, es bringt uns hoffentlich mehr Klarheit – und Bewusstsein für ein wichtiges Thema.

Was erleben Sie, wenn Sie Hinterbliebene heute auf das Thema Daten ansprechen?

Das ist schon erschreckend: Die meisten winken erst mal ab und halten das für ein Thema für Nerds. Aber wenn ich dann frage, ob der oder die Verstorbene nicht ein Smartphone gehabt habe, ob sie Fotos gemacht und Nachrichten verschickt haben, dann wird ihnen klar, welche Bedeutung das hat.

Kennen Sie ähnliche Fälle wie den der Eltern des verstorbenen Mädchens?

Ja. Bei plötzlichen Toden haben die Angehörigen natürlich häufig den Wunsch, die letzten Nachrichten oder Fotos der Verstorbenen zu sehen und zu sichern. Als Bestatter ist das nicht unmittelbar unsere Aufgabe, aber wir helfen natürlich, wo wir können. Einmal haben wir zum Beispiel mit der „Passwort vergessen“-Funktion den Zugang zur Cloud und den dort gespeicherten Fotos bekommen. Da niemand den Code des Handys kannte, waren die Daten darauf aber verloren.

Für die Hinterbliebenen ist das schwer erträglich, oder?

Ja, aber generell muss man natürlich auch akzeptieren, dass es auch nach dem Tod eine Privatsphäre gibt. Vielleicht wollte der oder die Verstorbene auch nicht, dass die Angehörigen alle persönlichen Nachrichten und Fotos sehen.

Wie reagieren Unternehmen, wenn sich die Angehörigen mit der Sterbeurkunde an sie wenden und Einblick in die Daten möchten?

Unterschiedlich. Es gibt den Fall des Komponisten, der seine Partituren in einer Cloud gespeichert hatte. Nach seinem Tod sperrte sich der Anbieter, den Angehörigen Zugang zu gewähren, die Noten waren und sind verloren. Das ist natürlich bitter.

Und andere Unternehmen?

Einige, wie Ebay, reagieren inzwischen sehr professionell. Sehr häufig haben es die Angehörigen aber mit viel Bürokratie und unvorbereiteten Mitarbeitern zu tun. Meist müssen sie bei Hotlines anrufen, bei denen eigentlich die Bestellungen entgegengenommen werden. Das ist schon sehr mühsam.

Wozu raten Sie?

Zur Vorsorge. Zu Testamenten, in denen das digitale Erbe mitgeregelt ist. Möglichkeiten gibt es inzwischen viele: Generalschlüssel für alle Passwörter oder auch spezielle Datendienste.

Erzwingt das Netz eine neue Gedenkkultur?

Viele träumen von einem ewigen Leben im Netz, mit einer dauerhaften Facebook-Seite etwa. Aber ein Profil mit dem letzten Eintrag von 2014 ist ähnlich deprimierend wie ein schlecht gepflegtes Grab. Ich bin dafür, Daten und Seiten nach einem bestimmten Zeitraum zu löschen, aber das muss natürlich jeder selbst entscheiden.

Von Thorsten Fuchs/RND

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