Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt „Eine Welt ohne Hunger ist möglich“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Eine Welt ohne Hunger ist möglich“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:51 16.10.2017
Für Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) ist eine Welt ohne Hunger möglich Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

815 Millionen Menschen hungern weltweit – alle zehn Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen von Mangel-und Unterernährung. Der heutige Welthungertag soll auf die Missstände aufmerksam machen. Mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) über die Pflichten der Bundesrepublik, den afrikanischen Handel und Wege aus der Hungerkrise gesprochen.

Herr Müller, ist die Welt immer noch nicht reich genug um allen Menschen Nahrung zu ermöglichen?

Doch. Die Erde hat das Potenzial zehn Milliarden Menschen satt zu machen. Es ist eine Frage der Verteilung. Hunger ist auch eine Frage der Armut, wenn man nicht die Mittel hat, sich Nahrung zu leisten. Die Industrieländer müssen mehr tun.

Was genau muss geschehen, damit weniger Menschen auf der Welt hungern?

Am meisten wird dort gehungert, wo Kriege toben. Frieden ist die Voraussetzung für die Lösung des Hungerproblems. Daneben müssen die Staaten besonders auf dem afrikanischen Kontinent die Entwicklung der Landwirtschaft zum Schwerpunkt machen. Afrika kann sich selbst ernähren, eine Welt ohne Hunger ist möglich. Wir müssen dazu unseren Beitrag leisten, indem wir unser Wissen gezielt in die berufliche Ausbildung der Länder investieren. So haben wir in den vergangenen Jahren 14 grüne Innovationszentren aufgebaut.

Welches Land oder welche Region bereitet ihnen zurzeit die größten Sorgen?

Die Region in Ostafrika bereitet mir die größten Sorgen. Somalia, der Südsudan und Ost-Äthiopien. Dort fiel drei Jahre kein Regen, folglich gedeiht dort nichts. Völlig entrüstet bin ich über die Situation in den Flüchtlingslagern Dadaab und Kakuma in Kenia und die aktuelle Entwicklung, dort erneut Essensrationen zu kürzen. Wir haben die Mittel für das Welternährungsprogramm massiv erhöht. Es ist verantwortungslos, dass sich andere Länder hier ihrer Verantwortung entziehen.

Wegen der Subventionierung der Landwirtschaft tragen auch die Europäer Verantwortung an der Lebensmittelkrise. Kann man die Agrarsubventionen nicht verringern, um einen fairen Handel zu ermöglichen?

Deutschland und Europa müssen sich stärker als bisher in Afrika engagieren. Auf der Basis unseres Marshallplankonzepts muss dies in den Koalitionsverhandlungen ein Schwerpunkt werden. Dazu gehört eine Stärkung des Entwicklungsministeriums, ein Bildungs- und Investitionspakt Deutschlands und der EU mit Afrika und faire Rahmenbedingungen für den Handel. Globalisierung gerecht gestalten heißt, die afrikanischen Länder wesentlich stärker an der Wertschöpfung der Ressourcen vor Ort zu beteiligen und Beschäftigung für Afrikas Jugend zu schaffen, um Fluchtbewegungen vor Ort zu vermeiden.

Müsste man nicht wenigstens verhindern dass EU-Produkte auf den afrikanischen Markt gelangen?

Der afrikanische Markt kann sich durch Schutzzölle vor Importen aus der EU schützen. Wir dagegen müssen den Marktzugang für Afrikas Produkte fördern. Es ist doch viel sinnvoller, unsere Märkte für Datteln und Oliven aus Nordafrika zu öffnen, als Millionen Euro in Entwicklungshilfe dort zu stecken. Bislang erfüllen viele afrikanische Produkte allerdings unsere Standards und Auflagen nicht. Deshalb beraten wir die afrikanische Exportwirtschaft.

Was sind die Ziele der Bundesregierung in der nächsten Legislaturperiode?

Unser Schwerpunkt ist eine Welt ohne Hunger. Darüber hinaus rücken wir den Klimaschutz und den Zugang zu Energie durch Investitionen in erneuerbare Energien in den Mittelpunkt. Dabei setzen wir auf Ausbildung und beschäftigungswirksame Maßnahmen.

Möchten Sie in der nächsten Legislaturperiode Minister bleiben?

Ich möchte gerne auch in der neuen Legislaturperiode das weiterführen, was ich begonnen habe. Als Entwicklungsminister braucht man eine gewisse Erfahrung und Vertrauen zu den Partnern. Die habe ich in den vergangenen Jahren gewinnen dürfen. Und genau da würde ich gerne weitermachen.

Von Lisa Neumann/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kataloniens Regierungschef Puigdemont hat ausweichend auf das Ultimatum der spanischen Zentralregierung geantwortet, ob er die Unabhängigkeit seiner Region erklärt hat oder nicht. Im Fall einer Abspaltung droht Madrid mit „harten Maßnahmen“.

16.10.2017

Das schlimmste Einzelattentat in der Geschichte Somalias hat mindestens 300 Menschenleben gekostet. Der Täter hatte sich auf einer Kreuzung in der Hauptstadt Mogadischu in einem Lastwagen in die Luft gesprengt. Die Regierung beschuldigte die Terrormiliz Al-Shabaab, diese wies am Montag die Schuld von sich.

16.10.2017

Der philippinische Verteidigungsminister Delfin Lorenzana hat den Tod des IS-Anführers Hapilon bestätigt. Die USA hatte auf den Terroristen ein Kopfgeld in Höhe von fünf Millionen Dollar ausgesetzt.

16.10.2017
Anzeige