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Deutschland / Welt Endlagersuche für Atommüll startet
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15:56 05.09.2017
Kritiker fordern den Salzstock in Gorleben von vornherein von der Suche auszunehmen. Quelle: dpa
Berlin

Die Entscheidung, wo in Deutschland hoch radioaktiver Abfall mindestens eine Million Jahre lang lagern soll, ist politisch extrem brisant. Eine „Jahrhundertaufgabe“ hat Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) die Suche genannt – die wissenschaftlich, transparent und ergebnisoffen ablaufen soll.

An diesem Dienstag leitet die neue Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) das sogenannte Standortauswahlverfahren offiziell ein: Hendricks hält ein Grußwort und Ex-Umweltminister Klaus Töpfer erklärt, wie zwischen Politik und Bürgern vermittelt werden soll.

Wie läuft die Suche ab?

Theoretisch kommt jeder Ort der Bundesrepublik in Frage – „weiße Landkarte“ heißt das Prinzip. Dann sortieren Experten mit Hilfe schon vorliegender Daten Regionen aus, die nicht in Frage kommen – etwa, weil Erdbebengefahr besteht oder viele Menschen dort wohnen. Im nächsten Schritt werden Gebiete ausgewählt, die bestimmten Mindestanforderungen entsprechen. Anhand weiterer Kriterien wie der Nähe zu Wohngebieten werden dann theoretisch geeignete Standorte bestimmt. Es folgt eine Erkundung über Tage, dann unter Tage. Bis 2031 soll ein Standort gefunden sein.

Welche Orte kommen infrage?

Die hoch radioaktiven Atomabfälle sollen unterirdisch tief in einem Bergwerk entsorgt werden. Als geologische Formationen kommen Salz, Ton und kristallines Gestein wie Granit in Frage. Solche Gebiete gibt es mehrere in Deutschland. Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) verlangte deshalb Verantwortungsbereitschaft und Standhaftigkeit von der Politik. „Ich appelliere an alle Bundesländer, dem Suchprozess keine Steine in den Weg zu legen“, sagte Habeck. Bayern und Sachsen hätten am Ende des Gesetzgebungsverfahrens noch versucht, ihre Länder aus dem Spiel zu nehmen. „Das geht nicht - der Atommüll ist da, und es ist unsere Aufgabe, für einen Ort zu sorgen, an dem er so sicher wie möglich aufbewahrt werden kann.“

Wer entscheidet letztlich über den Standort?

Der Gesetzgeber – also Bundestag und Bundesrat, anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die kommunale Planungshoheit wird dafür ausgehebelt. Allerdings sollen Bürger von Anfang an mitreden können und informiert werden. Ein Endlager könnte dann Mitte des Jahrhunderts fertig sein. Viele Experten halten den Zeitplan aber schon jetzt für unrealistisch.

Ist die Entscheidung über den Standort endgültig?

Eigentlich schon. Der Müll soll aber 500 Jahre lang „rückholbar“ sein, falls es Probleme gibt oder die Wissenschaft ganz neue Erkenntnisse bringt. Hintergrund dieser Entscheidung sind Erfahrungen mit dem ehemaligen Salzbergwerk Asse, wo schwach- und mittelradioaktive Abfälle lagern. Dort drang Grundwasser ein – deswegen sollen die 125 000 Fässer mit Atommüll zurückgeholt werden.

Gibt es Widerstand gegen dieses Verfahren?

Die Mehrheit für das Gesetz im Bundestag war groß, die Linke sagte aber nein. Unter anderem bemängelt die Partei „Schlupflöcher“ im Exportverbot für hoch radioaktiven Atommüll. Außerdem sollte der Salzstock Gorleben ihrer Meinung nach nicht mehr im Rennen sein – das sehen auch manche Umweltschützer und Aktivisten vor Ort so. Kritiker halten auch die Regelungen zu Bürgerbeteiligung, Rechtsschutz und Transparenz im Suchverfahren für unzureichend. Greenpeace findet es nicht richtig, dass die unterirdische Lagerung schon festgelegt ist.

Was ist jetzt mit Gorleben?

Wegen des jahrzehntelange Streits um den niedersächsischen Salzstock wurde die Endlager-Suche überhaupt erst neu gestartet. Über keinen anderen potenziellen Standort weiß man so viel wie über diesen – daher fürchten Kritiker, dass es am Ende doch wieder auf Gorleben hinausläuft.

Was passiert als nächstes in der Endlager-Suche?

Die BGE, eine GmbH im Besitz des Bunds, fragt die geologischen Landesbehörden und auch private Unternehmen nach Daten und erstellt eine Karte mit Regionen, in denen ein Endlager gebaut werden könnte – möglichst innerhalb der kommenden Legislaturperiode, also bis 2021. Wenn Unternehmen in großer Tiefe etwa nach Wasser, Gas oder Erdwärme bohren wollen, gibt es nun unter Umständen ein Extra-Prüfverfahren. Denn sie könnten mögliche Standorte für ein Endlager untauglich machen. Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) veröffentlicht die Prüfergebnisse auf seiner Homepage.

Von dpa/RND