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Deutschland / Welt Erdogan fordert Bürger auf, Euro in Lira zu wechseln
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Erdogan fordert Bürger auf, Euro in Lira zu wechseln
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20:39 26.05.2018
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan versucht, den Sturz der Lira zu bremsen Quelle: imago/Depo Photos
Ankara

Die Lira befindet sich weiterhin im freien Fall. Gegenüber dem Dollar und dem Euro hat die türkische Währung seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Nach einem Absturz am Mittwoch, entschied die Zentralbank in einer Krisensitzung, einen wichtigen Leitzins anzuheben. Tatsächlich gewann die Lira nach der Zinserhöhung zwar an Wert, der Effekt drohte aber schon am Donnerstag zu verpuffen.

Auf einer Wahlkampfveranstaltung am Samstag hat Präsident Erdogan nun für Stützungskäufe der Lira geworben. „Meine Brüder, die Dollars oder Euros unter ihren Kissen haben: Geht und tauscht euer Geld in Lira um“, forderte Erdogan in Erzurum, einer Stadt im Osten des Landes.

Höhere Preise für importierte und nationale Waren

In Lira wird derzeit fast alles teurer. Preise für Importwaren haben stark zugelegt, was viele Lebensbereiche betrifft: Die Türkei hat ein großes Handelsbilanzdefizit, sie führt also wesentlich mehr ein als aus. Für Lebensmittel muss deutlich tiefer in die Tasche gegriffen werden, und wegen der zweistelligen Inflationsrate gilt das nicht nur für importierte, sondern auch für einheimische Waren.

Ein Grund für die alarmierende Entwicklung ist nach Einschätzung von Analysten die Wirtschaftstheorie Erdogans, die der gängigen Lehre widerspricht. Diese besagt, dass eine Zentralbank mit Zinserhöhungen reagiert, um die Inflation und den Wertverfall der eigenen Währung zu stoppen.

Erdogans Wirtschaftstheorie schreckt Investoren ab

Erdogan hingegen ist vehement gegen Zinssteigerungen. Er geht davon aus, dass höhere Zinsen nicht zu weniger, sondern zu mehr Inflation führen. Die Konsequenz daraus ist allerdings, dass das Wirtschaftswachstum nachlässt, das in der Türkei im vergangenen Jahr bei stolzen 7,4 Prozent lag.

Beschleunigt hat die Talfahrt der Lira ein Besuch Erdogans in London in der vergangenen Woche. Dort kündigte er an, dass er die Zentralbank im Falle seines Wahlsieges stärker an die Leine nehmen werde. Jene Notenbank also, die unabhängig sein sollte. Investoren zeigten sich irritiert über Erdogans Aussagen. Viele von ihnen dürften ihr Geld schnellstmöglich aus der Türkei abziehen.

Regierung spricht von einer Verschwörung

Erdogans Regierung sieht hinter dem Verfall der Lira keine ökonomischen Gründe, sondern eine Verschwörung zur Abwahl des Präsidenten. „Wenn manche glauben, sie können die Ergebnisse dieser Wahlen ändern, indem sie mit dem Dollar spielen und damit Zustände schaffen, die dem Volk und dem Geldbeutel des Volkes schaden, dann irren sie sich“, sagte Regierungssprecher Bekir Bozdag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Ob solche Argumente die Wähler überzeugen, ist offen. Zwar machten in einer Umfrage vergangene Woche mehr als 42 Prozent „einen Komplott ausländischer Mächte gegen die Türkei“ für die Liraschwäche verantwortlich. Für die absolute Mehrheit, die Erdogan bei der Präsidentenwahl am 24. Juni anstrebt, reicht das aber nicht. Und das Thema, das die Türken einer weiteren Umfrage zufolge derzeit mit weitem Abstand am meisten beschäftigt, ist die Lage der Wirtschaft.

Von RND/dpa/mkr

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