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08:06 07.04.2018
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Wir zahlen an ihn mit unseren Daten. Quelle: AP
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Hannover

Ist Facebook ein „Evil Empire“, ein Reich des Bösen, wie manche Internetnutzer in ihrer Empörung über den Umgang mit ihren Daten meinen? So einfach ist es nicht.

Zunächst einmal wurde niemand jemals gezwungen, sich bei Facebook anzumelden und die nimmersatte Maschine mit persönlichen, ja den intimsten Daten, Fotos und Videos zu füttern. Und die Tatsache, dass sich Facebook mittels zielgerichteter Werbung finanziert, die nur deshalb möglich ist, weil wir auf der Plattform so viel von uns preisgeben, dürfte auch kaum jemandem verborgen geblieben sein.

Vermutlich würde auch niemand bestreiten, dass die Nutzung von Facebook einen echten Wert hat. Manche werden sich erinnern: 1980 kostete ein achtminütiges Ortsgespräch 23 Pfennig, ein längeres Auslandsgespräch in die USA einen halben Monatslohn. Facebook und andere Plattformen stellen uns Möglichkeiten der Kommunikation zur Verfügung, die früher unvorstellbar waren. Wir können aus unserem Ayurveda-Ressort in Indien Livebilder nach Hause schicken, um den Lieben zu Hause zu zeigen, dass es uns gut geht. Dafür hätte man vor wenigen Jahren ein millionenschweres TV-Equipment und eine Satellitenverbindung benötigt.

Und das bekommen wir alles umsonst? Nein. Wir bezahlen mit unseren Daten. Und das wäre auch okay, wenn Facebook zum einen dafür sorgte, dass diese Daten nicht von externen Firmen missbraucht werden können, und zweitens klar und leicht verständlich zeigte, welche Daten es von uns sammelt und wie es diese zu seiner eigenen Refinanzierung nutzt. Das aktuelle Problem lautet: Intransparenz.

Zu Recht fordert Justizministerin Katharina Barley, dass Facebook einen Teil seiner Firmengeheimnisse, die Funktionsweise seiner Algorithmen zur Verarbeitung personenbezogener Daten, offenlegen muss.

Mark Zuckerberg wollte lange nicht wahrhaben, dass seine Firma eine gesellschaftliche Verantwortung hat. Zu lange hat er sich auf die Position zurückgezogen, Facebook sei nur eine technische Plattform, eine Art moderne Variante des Telefonnetzes. Nach dem Skandal um die Manipulation von Wählern in den USA und Großbritannien durch Cambridge Analytica mittels Facebook-Userdaten wurde diese Argumentation unhaltbar. Doch auch dann reagierte er zu spät, zu langsam und unternahm zu wenig.

Bei all dem sollten wir nicht vergessen: Facebook ist 14 Jahre alt. Gigantisch groß, aber letztlich ein pubertierendes Unternehmen. So unbekümmert, manchmal verantwortungslos und dreist wie ein pubertierender Jugendlicher. Es wird Zeit, das Pubertier Facebook Mores zu lehren. Gut, dass Politik und Gesellschaft aufgewacht sind.

Facebook wird sich radikal ändern oder radikal reguliert werden müssen.

Von Wolfgang Büchner/RND

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