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Deutschland / Welt Fall Skripal: Zweiter Verdächtiger soll russischer Militärarzt sein
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Fall Skripal: Zweiter Verdächtiger soll russischer Militärarzt sein
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07:15 09.10.2018
Dieses von der Metropolitan Police zur Verfügung gestellte Standbild einer Überwachungskamera soll Alexander Petrow und Ruslan Boschirow, die zwei Verdächtigen im Fall Skripal, zeigen. Quelle: Metropolitan Police/AP/dpa
Moskau

Die Recherche-Website Bellingcat hat nach eigenen Angaben auch die Identität eines zweiten Verdächtigen im Fall des Nervengiftanschlags auf Sergej Skripal ermittelt. Es handele sich um einen Arzt des russischen Militärgeheimdiensts GRU namens Alexander Mischkin, der als Alexander Petrow nach England eingereist sei, berichtete die Investigativ-Gruppe mit.

Schon im September hatten britische Behörden bei der Anklageerhebung gegen zwei Russen im Fall Skripal erklärt, dass es sich bei Petrow wahrscheinlich um einen Decknamen handele.

Am heutigen Dienstag wollte Bellingcat forensische Beweise und andere Informationen zur Stützung der Angaben offenlegen. Weder die britische noch die russische Regierung kommentierten zunächst den Bericht der Gruppe.

Fall Skripal löste schwere diplomatische Krise aus

Die britischen Behörden werfen zwei Agenten vor, im März in Salisbury einen Giftanschlag auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter verübt zu haben. Sie hätten mit Zustimmung von höchster Ebene des russischen Staates gehandelt. Der Kreml bestreitet das. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise zwischen Moskau und dem Westen aus.

Erst kürzlich hatte die Recherche-Webseite nach eigenen Angaben den anderen Verdächtigen als Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU identifiziert. Der als Ruslan Boschirow nach Großbritannien eingereiste Mann heiße in Wahrheit Anatoli Tschepiga. Einwohner eines russischen Dorfes bestätigten anschließend die Identität des Mannes – er stamme aus Berjosowka und sei als Geheimdienstmitarbeiter bekannt, sagten sie.

Nachdem Großbritannien die beiden Russen anklagte, erschienen sie unter den Namen Boschirow und Petrow im Fernsehen und widersprachen, mit dem Anschlag in Verbindung zu stehen. Sie seien nach Salisbury gefahren, um die Kathedrale der Stadt zu besichtigen.

Westen macht GRU für Cyberattacken verantwortlich

Sergej Skripal und seine Tochter Julia überlebten den Anschlag. Allerdings starb Monate später eine britische Frau und ihr Partner wurde schwer verletzt, als die beiden in Berührung mit Resten aus einem Fläschchen kamen, in dem das Nervengift Nowitschok im Frühjahr anscheinend transportiert worden war.

Britische, niederländische und US-amerikanische Behörden werfen dem GRU vor, für diverse internationale Cyberangriffe verantwortlich zu sein. In der vergangenen Woche beschuldigten Ermittler in Den Haag den Militärgeheimdienst, vergeblich versucht zu haben, die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen zu hacken.

Von RND/AP