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Deutschland / Welt Hollywood-Star setzt sich für Atom-Deal ein
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11:32 19.04.2018
Nazanin Boniadi, bekannt aus der TV-Serie „Homeland“, sprach in der Bundespressekonferenz unter anderem die Diskriminierung von Frauen in ihrer Heimat an. Quelle: imago
Berlin

Das Ultimatum der USA zum Atomabkommen mit dem Iran hat auch den Besuch der iranischstämmigen Schauspielerin und Menschenrechtsaktivistin Nazanin Boniadi in Berlin dominiert.

Boniadi, unter anderem bekannt aus der TV-Serie „Homeland“, sprach sich in einer Bundespressekonferenz deutlich für einen Erhalt des Abkommens aus. Ohne die Abmachung sei es nur schwer möglich, auf die prekäre Menschenrechtslage im Land Einfluss zu nehmen.

Trump droht mit Rückkehr zu Sanktionen

Das sieht man in Washington offenbar anders. US-Präsident Donald Trump drängt Teheran, bis zum 12. Mai einer Verschärfung des Nukleardeals zuzustimmen. Ansonsten will er zu den aktuell ausgesetzten Sanktionen gegen das Land zurückkehren.

Das wäre ein fataler Schritt, erklärte Bijan Djir-Sarai, Bundestagsabgeordneter der FDP, im Rahmen der gemeinsamen Pressekonferenz mit Boniadi. „Die Sanktionen haben vor allem den Menschen im Iran geschadet.“ Die staatlichen Strukturen hingegen seien gestärkt aus den Strafmaßnahmen hervorgegangen.

Bijan Djir-Sarai (r.) von der FDP hält eine Abkehr vom Nukleardeal mit dem Iran für ein fatales Zeichen. Auch sein Bundestags-Kollege von den Grünen, Omid Nouripour, ist gegen die Rückkehr zu Sanktionen. Quelle: imago

Man neige dazu, im Gespräch über außenpolitische Belange die Situation im Iran aus den Augen zu verlieren, so der Politiker der Liberalen weiter. Dabei sei diese zum Teil dramatisch, wie die Schauspielerin deutlich machte.

So gehöre etwa die Diskriminierung von Frauen zum Alltag im Iran. Zudem säßen zahllose Menschenrechtsaktivisten wegen der bloßen Teilnahme an politischen Protesten im Gefängnis. Ein prominentes Beispiel ist der Anwalt Abdolfattah Soltani, der zu 18 Jahren Haft verurteilt wurde.

Spitzenreiter bei der Todesstrafe

„Im Iran gibt es all das an Menschenrechtsverletzungen, was man sich nicht wünscht“, sagte Frank Schwabe (SPD). Auch bei der Todesstrafe spiele das Land eine traurige Spitzenreiterrolle, gerade bei der Verurteilung von minderjährigen Straftätern.

Mindestens fünf Urteile sind Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge allein 2017 an Straftätern mit dieser Historie vollstreckt worden. In 80 vergleichbaren Fällen säßen die Verurteilten noch in den Todeszellen.

Aus Sicht der Schauspielerin Nazanin Boniadi könnten deutsche Unternehmen und die Politik ihre Zusammenarbeit mit Partnern im Iran an Bedingungen knüpfen. Quelle: imago

Umso mehr seien deutsche Politiker ebenso wie Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen in das Land unterhalten, dazu aufgerufen, bei künftigen Treffen die Menschenrechtslage offen anzusprechen, so Schwabe.

Investitionen in den Iran sollten an Bedingungen geknüpft werden, forderte Boniadi. Nach Ansicht der Schauspielerin könnte in dieser Frage gerade Deutschland mit seiner Führungsposition in der EU eine wichtige Rolle spielen.

Ohne Iran keine Aussicht auf Frieden in Syrien

Eine Aufkündigung des gemeinsamen Nuklearabkommens und damit ein Abbruch der Beziehungen wären jedoch das falsche Signal. Neben der Menschenrechtslage im Iran selbst sei das Land auch für die Region ein wichtiger Partner, betonte Djir-Sarai. Weder eine Lösung im Syrien-Konflikt noch Stabilität im Nahen Osten seien ohne den Iran möglich.

„Das Atomabkommen muss gerettet werden“, sagte auch der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour. Nur so sei es möglich, Ruhe in das Land zu bringen und sich um wichtige Belange wie die Menschenrechte zu kümmern.

Von Lennart Hecht

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