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Deutschland / Welt Seehofer und Söder in Eintracht: „Konnte da keinen Streit feststellen“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Seehofer und Söder in Eintracht: „Konnte da keinen Streit feststellen“
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09:46 09.10.2018
Horst Seehofer und Markus Söder während der Wahlkampfkundgebung in Ingolstadt. Quelle: Armin Weigel/dpa
Ingolstadt

Ein paar Tage sind es noch bis zur Entscheidung, da begibt sich Markus Söder zu Horst Seehofer nach Hause. Nicht ins Wohnzimmer, aber zumindest nach Ingolstadt. Das Stadttheater ist der Treffpunkt, und wie sich herausstellt, passt das vielleicht ganz gut.

Am Wochenende haben sich der Ministerpräsident und der Parteichef mal wieder bekriegt, zumindest hat es so ausgesehen. Söder hat gesagt, dass Berlin schuld sei an den schlechten Umfragewerten der CSU.
Seehofer, der Bundesinnenminister ist und damit irgendwie auch Berlin, ließ wissen, für den Wahlkampf sei allein Söder verantwortlich. Eine Woche vor der Landtagswahl schien es, als suche da jeder die Schuld für ein schlechtes Wahlergebnis möglichst weit von sich wegzuschieben.

Und dann müssen beide miteinander ins Theater. Seehofer kommt und hat Harmonie in der Stimme: „Ich konnte da keinen Streit feststellen“, sagt er und dass er einen schönen Abend haben wolle. Mit Söder, soso. Der hat sich auch einen Satz überlegt: „Ich kenne keine Partei, die so entschlossen und geschlossen auftritt“, sagt er, bevor er hinein geht ins Gebäude. Davor hängen CSU-Fahnen an einem aufblasbaren Gerüst, ein Nadelpieks, und der Partei fehlte der Schwung zumindest optisch. Würde passen zu den gerade noch 30-und-ein-paar-Prozent statt der gewohnten knapp 50.

Kurz betreten Söder und Seehofer gemeinsam die Bühne

Drinnen im Theatersaal haben sich knapp 400 Zuschauer versammelt. SIe haben bereits einen Stromausfall hinter sich und die Vorstellungsrunde einiger CSU-Leute. SIe wissen nun, dass einer der CSU-Landtagskandidaten Polizist ist und bei Fernsehkrimis nicht alles gut findet. SIe haben einen Kreistagskandidaten gehört, der so schnell und mit so spitzen I’s von den Vorzügen der Spitzenmedizin geschwärmt hat, dass er sich als Double des einstigen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber qualifizieren würde.

Es ist eine Wahlkampfveranstaltung der CSU, sie findet in geschütztem Raum statt. Kein Freiluftauftritt, da hat man im Bundestagswahlkampf unangenehme Erfahrungen mit trillerpfeifenden AfD- und Pegida-Leuten gemacht. Als Seehofer und Söder kommen, klatscht ein Teil des Saales, ein Viertel der Leute steht auf. Manche suchen vor allem eine bessere Perspektive für ihr Handyfoto.

Der Saal ist in blaues Licht getaucht, kurz betreten die beiden gemeinsam die Bühne. Zehn Monate ist es her, dass Söder Seehofer das Ministerpräsidentenamt abgetrotzt hat, nach jahrelangem Kampf. Manche in der CSU gehen davon aus, dass es nur noch wenige Tage sind, bis Seehofer auch den Parteivorsitz verlieren wird.

Söder beklagt Zerfall und Zersplitterung der Gesellschaft

Seehofer und Söder schütteln sich die Hand, nicht zu lange, nicht sehr herzlich, die Arme bleiben lang. Dann ist Söder alleine auf der Bühne. „Danke Horst, die Presse ist da“, sagt er, als sei das Gezeter am Wochenende eine gute Inszenierung gewesen. Söder malt Bayern als Wirtschaftswunderland, in dem alle so gerne leben würden, dass sie wenigstens in Dirndl und Lederhosen aufs Oktoberfest pilgern. Er findet, man könne endlich mal „etwas stolzer sein, dass wir in diesem Deutschland, in diesen Zeiten leben“.

Wenn mehr Parteien in den Landtag kämen, wenn die CSU nicht regiere, warnt Söder, dann könne es mit der Herrlichkeit vorbei sein. „Der Landtag wird nicht kultivierter werden. Es wird harte, scharfe Kämpfe geben.“ Man kommt nicht ohne Weiteres auf die Idee, dass die Auseinandersetzungen in der Union und der Koalition in den vergangenen Wochen und Monate besonders kultiviert und entspannt gewesen sein könnten.

Die CSU, die eine „Herrschaft des Unrechts“ in Deutschland beklagt, das war offenbar gestern. Negative Bilder zeichnen, so sagt Söder es nun, vor allem die Medien. Zerfall und Zersplitterung der Gesellschaft beklagt Söder und findet, es brauche jemand, der alles zusammmenhalten könne. „Ideologen links, Populisten rechts, und dann sind wir da.“ In der Mitte, wer hätte etwas anderes gedacht?

„Es geht nicht darum, irgendwen auf den Mond zu schießen“

Und nach der Pflegepolitik, die er als wichtig entdeckt hat und mit dem Sterben seiner Eltern illustriert, ist Söder dann bei der Wissenschaftsförderung. Auch wichtig, für die Entwicklung des Landes, für die Zukunft. Söder sagt: „Es geht nicht darum, irgendwen auf den Mond zu schießen. Wobei ich einige wüsste..“. Er macht eine bedeutungsvolle Pause.

„Ich war nicht gemeint“, versichert Seehofer 40 Minuten später. Da ist auch er am Ende seiner Rede angelangt. Er lacht dem Satz ein bisschen hinterher. Ein paar Tage noch, dann ist vielleicht wieder Theater angesagt in der CSU.

Von Daniela Vates/RND

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