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Deutschland / Welt In Syrien sind die Würfel gefallen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt In Syrien sind die Würfel gefallen
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08:02 11.04.2018
Rückkehr in die geliebte Heimat? Für Flüchtlinge ist das keine Option, solange es Giftgasattacken und andere Kriegsverbrechen gibt. Quelle: AP
Berlin

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015, die vor allem Menschen aus Syrien zu uns nach Deutschland führte, schien selbstverständlich, dass ein Großteil der Syrer wieder heimkehren würde. Viele Alteingesessene wären froh über weniger Fremde im Land, viele Flüchtlinge über den Neuanfang in ihrer geliebten Heimat. Doch dieser Zug ist abgefahren. Die meisten werden bleiben. Ihre Kinder haben hier Wurzeln geschlagen. In welches Zuhause sollen sie zurückkehren?

Vermasselt hat die Chancen auf Rückkehr die Politik Deutschlands, der EU, der USA, kurz der Westen. Dieser mächtige Westen mit seinen Bündnissen hat erbärmlich versagt in Syrien – von der planlosen Aufrüstung von Rebellen über die berühmte rote Linie Barack Obamas, die Moskau und Syriens Machthaber Assad dank eines lumpigen Chemiewaffendeals ungestraft überschreiten konnten, bis zum kläglichen Scheitern des UN-Sicherheitsrats. Syrer haben nur noch Hohn und Spott dafür übrig. Oder Wut und Tränen.

Die Würfel sind gefallen. Syrien gehört Russland und dem Iran. Assad werden sie als Marionette an der Macht halten. Sollten die USA und Frankreich in den nächsten Tagen tatsächlich militärisch eingreifen, würden sie die Sache für die Menschen bloß verschlimmern. Die Gefahr einer ernsten Konfrontation mit Russland macht eine nennenswerte Intervention inzwischen unmöglich.

Halbherzigkeit und Planlosigkeit der westlichen Politiker waren die Blaupause für die größte Tragödie der jüngeren Weltgeschichte. Sie sollten wenigstens aufhören, große Töne zu spucken.

Lamya Kaddor ist Publizistin und Tochter syrischer Einwanderer.

Von Lamya Kaddor

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