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Inland Göttinger zweifeln an Umsetzbarkeit vieler Wagenknecht-Forderungen
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00:19 11.09.2017
Erleben Sahra Wagenknecht im Interview mit Zeitungslesern: Elke Vogel, Klaus Kulle und Horst Vogel. Quelle: Caspar
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Berlin

Die Rente, Altersarmut von Frauen und eine Vermögenssteuer für Superreiche, Kriege, Rüstungsexporte und islamistischer Terrorismus – diese Themen beschäftigten die drei Tageblatt-Leser besonders. „Die Österreicher fahren mit ihrer Rentenkasse, in die alle – einschließlich der Beamten und Selbstständigen – einzahlen, gut“, erklärt Klaus Kulle, der 30 Jahre bei der Berufsfeuerwehr Göttingen tätig war. Wagenknechts Forderung, so ein System auch in Deutschland einzuführen, könne er daher nur unterstützen.

„Es kann doch nicht sein, dass Frauen, die Kinder groß gezogen haben und ihr Leben lang hart arbeiten mussten, im Alter kaum Rente bekommen“, meint Elke Vogel, eine ehemalige Krankenschwester, die zwei erwachsene Töchter hat. Die Forderung der linken Spitzenkandidation nach mehr sozialer Gerechtigkeit spreche sie an. Weniger überzeugt zeigt sich die Göttingerin von Wagenknechts Lösungsvorschlägen. Die Politikerin fordert unter anderem 350.000 zusätzliche Kita-Plätze, um die Berufstätigkeit von Frauen zu fördern. Vogel: „Mehr Kitaplätze wollen alle.“

Eine andere Wagenknecht-Forderung hält Horst Vogel, der Ehemann der Krankenschwester, für „unrealisitsch“. Die Politikerin setzt auf eine Vermögenssteuer für Superreiche, um so unter anderem Pflegekräfte besser zu bezahlen. Die Reichen würden nicht zahlen, ist sich Vogel sicher. Das Geld werde „verschwinden“. Seiner Einschätzung nach sei das Vermögen der Superreichen zudem – anders als es die Politikerin darstelle – nicht unproduktiv. Die Reichen legten ihr Geld an. Es stehe somit Unternehmen zur Verfügung, belebe die Wirtschaft und schaffe Arbeitsplätze.

Physiker Vogel überzeugt auch nicht, dass Wagenknecht Rüstungsexporte nach Saudiarabien stoppen will. „Das haben schon viele vor ihr gefordert, später in der Regierungsverantwortung aber nicht umgesetzt“, erinnert er sich. Offensichtlich lasse sich das in der Praxis nur schwer verwirklichen. Darüber gelte es zu sprechen.

Applaus, auch von Göttinger Lesern, erhielt Wagenknecht für einen Hinweis zu deutschen Rüstungsexporten ganz allgemein. Wer Waffen in Kriegsgebiete liefere, dürfe sich über Flüchtlinge nicht wundern, erklärte sie. Ihre Ablehnung der Beteiligung an Kriegen begrüßte Kulle. Es sei „gut“, dass sich Deutschland nicht am Krieg im Irak und in Libyen beteiligt, meint der frühere Feuerwehrmann. Wagenknecht will auch die deutschen Soldaten aus Afghanistan und Afrika abziehen.

Von Michael Caspar

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