Soll abberufen werden: Thilo Sarrazin.
Die Entscheidung über das berufliche Schicksal von Thilo Sarrazin liegt bei Bundespräsident Christian Wulff. Der Vorstand der Deutschen Bundesbank beschloss am Donnerstag in Abwesenheit Sarrazins einstimmig, dessen Abberufung als Mitglied des Vorstandes beim Staatsoberhaupt zu beantragen. Sämtliche Zuständigkeitsbereiche wurden ihm bis dahin entzogen. Am Abend beschloss auch der Berliner SPD-Kreisverband Charlottenburg einstimmig ein Ausschlussverfahren gegen Sarrazin. Dabei entschieden sich die Sozialdemokraten aber nicht für das verkürzte Verfahren, sondern den üblichen Weg.
Mit einer raschen Entscheidung Wulffs zur Bundesbank wird in Berlin nicht gerechnet. Juristen prüfen derzeit alle Details dieses bislang nie dagewesenen Vorgangs. Auffallend rasch hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den Antrag auf Abberufung Sarrazins begrüßt. Nur wenige Minuten nach der Verlautbarung des Bundesbank-Vorstands erklärte ihr Sprecher: „Die Bundeskanzlerin hat die unabhängige Entscheidung des Bundesbankvorstandes mit großem Respekt zur Kenntnis genommen.“
Der 65-jährige Sozialdemokrat Sarrazin, früher Berliner Finanzsenator, hatte sich mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ und flankierenden Interviews immer mehr ins politische Abseits manövriert.
Vor allem seine Äußerungen zu muslimischen Zuwanderern und einem angeblichen Juden-Gen hatte ihn unter Druck gebracht.
Sarrazins Amtszeit bei der Bundesbank begann im Mai 2009 und sollte regulär im Jahr 2014 enden. Wegen der vom Gesetzgeber gewollten Unabhängigkeit der Bundesbank von der Regierung steht das Recht der Abberufung einzelner Mitglieder – auf Antrag des Bundesbankvorstands – allein dem Bundespräsidenten zu. Voraussetzung für einen Antrag auf Abberufung sind entweder eine krankheitsbedingte Dienstunfähigkeit oder eine „grundsätzliche und weitreichende Verfehlung“ eines Vorstandsmitglieds.
Bundespräsident Wulff selbst vermied am Donnerstag unter Hinweis auf das schwebende Verfahren jeden Kommentierung. Allerdings hatte er am Vorabend gegenüber dem Fernsehsender N24 seine Sympathie für eine Abberufung erkennen lassen: „Ich glaube, dass jetzt der Vorstand der Deutschen Bundesbank schon einiges tun kann, damit die Diskussion Deutschland nicht schadet – vor allem auch international.“
Der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) kritisierte diese Äußerung Wulffs. Es sei skandalös, „dass der Bundespräsident als derjenige, der über die Abberufung Sarrazins neutral und unabhängig entscheiden soll, sich vorher schon äußert.“
Der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte der rbb-„Abendschau“, Sarrazin habe aus Partei und Bundesbank gewarnt worden. „Ich verstehe ihn nicht mehr“, sagte Wowereit. Sarrazin sei immer gut für Extreme gewesen. Aber dass er sich so unsäglich verrenne mit Gen-Definitionen, Ausgrenzungen und Diffamierungen von Menschen könne er nicht mehr nachvollziehen. „Es tut mir wirklich, wirklich leid um Thilo Sarrazin, mit dem ich gut zusammen gearbeitet habe, aber er hat sich da verrannt.“ Man könne nur hoffen, dass Sarrazin „sich selbst aus dieser Ecke wieder herausbringt“.
Reinhard Urschel/dpa
Kommentare
Thilo Sarrazin Philipp – 03.09.10
Ich habe das beklagte Buch leider noch nicht gelesen, kann mir aber aufgrund der Veröffentlichungen einiger Auszüge, eine kleine persönliche Meinung darüber bilden.1. Die in seinem Buch veröffentlichten Thesen im Bezug auf die Gentechnologie beruht auf Fakten, die von mehreren Wissenschaftler bestätigt wurden, des weiteren sind es Zitate und NICHT seine eigenen Worte.
2. Ich finde aber auch, dass er es leider zu verallgemeinert hat, denn es sind nicht alle Muslimischen Mitbürger Integrationsunwillig sondern leider ein Großteil der aus Islamischen Ländern stammenden Muslime.
Da muss man aber auch wiederum einen großen Unterschied machen, denn diese Leute sind nicht dumm oder Schaden dem Land durch Verdummung, sondern sie leben meistens nach ihren eigenen Regeln und dass heißt Frauen sollten eher den Haushalt machen und die Kinder erziehen,
was meiner Meinung nach auch ein sehr wichtiger Aspekt ist, jedoch sollten auch Frauen nach einer gewissen Zeit, wo das Kind zB. im Kindergartenalter ist, eine Arbeit aufnehmen und ausführen können bzw. dürfen.
Jedoch sind es meistens die männlichen Muslime die die Frauen unterdrücken und nicht zulassen das sie geregelt wie jede andere Frau einer Tätigkeit auch außerhalb der eigenen Vier Wände ausüben dürfen.
Das hat aber nichts mehr mit dem Islam zu tun, sondern nur mit der Kultur und der (falschen) Denkweise der Männer, da es in ihren Ländern keine wirkliche Frauenarbeit gibt.
Der Islam ist für Bildung und laut dem Islam sollten sich auch Frauen bilden und einer Tätigkeit nach gehen, es sei den sie ist schwanger oder hat gerade ein Baby bekommen, denn auch im Islam sollte die Frau das Kind erziehen, wie auch seit Jahrhunderten hier in Deutschland.
Ein Bsp. laut dem Islam sollte nur der Ehemann die Frau Unbekleidet sehen dürfen oder anfassen dürfen, doch auch Frauen werden mal Krank oder müssen zum Frauenarzt und ich finde eine Frau und auch der Ehemann würden sich bei einer Ärztin, die die gleiche Herkunft hat viel besser verstanden und auch aufgehoben.
Dieses ist nur ein Bsp. für arbeiten wo Frauen sehr gebraucht werden und auch für den Islam sehr geschätzt werden.
3.Der Großteil der in Integrationsunwilligen sind zwar Muslime jedoch hat dies nichts mit dem Islam zu tun.
Wie ich oben schon kurz angesprochen habe, ist der Islam für Bildung und das gilt nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen.
Diese Verallgemeinerung ist auch der Punkt der die Kritiker aus ihren Höhlen holt,
denn es werden auch Muslime angegriffen die sich voll Integriert haben und auch sehr gebildet sind.
Ein Bsp. ist unsere Integrationsbeauftragte Aygül Özkan, die ihr Abitur mit einem NC von 1,6 gemacht hat, danach Studiert und heute in der Politik tätig ist.
Dies ist wieder nur ein Bsp. aber man könnte noch einige mehr von Integrierten Muslimen aufzählen alleine in meinem Bekanntenkreis sind es mehrere die ihr Abitur gemacht, eine Ausbildung oder sich sogar selbständig gemacht haben.
4. Ich will mit meinem Kommentar sagen, dass Herr Sarrazin zum großen Teil recht hat mit seinen Thesen, jedoch diese nicht zu sehr Verallgemeinern sollte, denn es gibt immer Muslime die sich die größte Mühe geben sich hier zu Integrieren und alles dafür geben und jene dadurch in ein tiefes Loch fallen und nicht mehr verstehen, wenn man alle Migranten über einen Kamm schert, wozu mache ich mir noch die Mühe und versuche alles zu tun um hier als deutscher Staatsbürger anerkannt zu werden. Zu guter Letzt finde ich es einfach nur Lächerlich wie die ganzen Politiker so einen Hass gegen Herrn Sarrazin schüren, wobei die meisten dieser Politiker dieses und sogar noch schlimmeres Gedankengut gegen Muslime bzw. generell gegen Migranten haben. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Wir sind das Volk! Meine Anrede – 03.09.10
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An dieser Stelle wurde durch die Redaktion ein Kommentar gelöscht, da er nicht den Nutzungsbedingungen entsprach. Die Nutzungsbedingungen für Leserkommentare auf den Internetseiten des Tageblattes finden Sie hier: http://www.goettinger-tageblatt.de/Portal-Service/Nutzungsbedingungen. (pto) Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenSarrazin D. Beck – 03.09.10
Es ist schon seltsam: viele Menschen begrüßen Sarrazins Klartext zu Missständen bei unserer Einwanderer- und Integrationspoltik. Die für diese Mängel verantwortlichen Politiker schlagen aber auf Sarrazin ein wegen seinen stümperhaften Erklärungsversuchen mit Genetik und Religion. So wollen sie nur von Ihren Fehlern ablenken. Sarrazin hat leider alle Menschen einer Gruppe über einen Kamm geschoren, das war dumm. Seine Analyse der Zustände wird dadurch nicht widerlegt. Was wäre, wenn Sarrazin eine neue Partei gründen würde? Bekäme sie 20, 30 % Stimmenanteil oder gar mehr? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben
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