Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Das Ende der Kreidezeit: Der Digitalpakt ist nicht mehr als ein Anfang
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Das Ende der Kreidezeit: Der Digitalpakt ist nicht mehr als ein Anfang
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:31 20.02.2019
Die Digitalisierung eröffnet Chancen für die Schulen – aber gebraucht werden jetzt auch gute Konzepte. Quelle: Marc Tirl/dpa
Berlin

Für Enttäuschung in letzter Sekunde gibt es kaum ein schöneres Sinnbild als eine berühmte Szene aus der Zeichentrick-Serie „Die Peanuts“: Darin will Charlie Brown einen Football kicken, den seine Mitschülerin Lucy für ihn festhält. Charlie Brown nimmt Anlauf, tritt so fest wie möglich zu – und landet auf seinem Hosenboden. Denn Lucy zieht ihm den Ball im letzten Moment weg: immer wieder.

So in etwa ist es seit Jahren Schülern, Lehrern und Eltern ergangen, die darauf gewartet haben, dass es mit dem Start der Schulen ins Internetzeitalter endlich losgeht. Schon in der letzten Legislaturperiode hatte die damalige Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) fünf Milliarden Euro für einen Digitalpakt versprochen. Doch dazu kam es nie. Zuletzt hakte es daran, dass Bund und Länder sich über Grundgesetzänderungen zerstritten hatten.

Der Bund gibt Geld – und redet mit

Damit ist jetzt Schluss. Der Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern hat sich am Mittwochabend auf eine Lösung des langwierigen Streits verständigt. Damit ist klar: Obwohl Bildung Ländersache ist, kann der finanzkräftige Bund künftig problemlos Geld für wichtige Verbesserungen der Bildungsinfrastruktur geben. Und: Wenn er Geld gibt, dann darf er auch mitbestimmen und nachhalten, wofür es verwendet wird.

Das ist so logisch, überzeugend und vernünftig, dass es kaum zu glauben ist, wie lange es für diese Einigung gebraucht hat. Daran tragen alle Beteiligten eine gehörige Portion Mitschuld. Der Bund hatte überzogen, als er eigens im Grundgesetz festschreiben wollte, dass die Länder sich bei gemeinsamen Projekten jeweils genau zur Hälfte finanziell beteiligen müssten. Das hätte gerade kleinere Länder überfordern können. Diese 50:50-Regel ist zu Recht in den Verhandlungen gekippt worden.

Das Problem mit den Eitelkeiten

Übertrieben und von persönlichen Eitelkeiten getrieben war allerdings auch die von einigen Ministerpräsidenten geäußerte Furcht, mit etwas Bundeshilfe in wichtigen Projekten sei gleich der ganze deutsche Bildungsföderalismus am Ende. Den Eltern ist es völlig egal, wer das Geld für wichtige Investitionen gibt. Hauptsache, es kommt bei den Schulen an.

Hinzu kommt: Es ist doch sinnvoll, dass der Bund nicht nur Geld für Kabel und Tablets geben kann – sondern zum Beispiel auch für Medienassistenten und projektbezogene Fortbildungen. Was wäre denn für die Länder besser, wenn der Bund sie grundsätzlich mit solchen Kosten allein sitzen ließe? Genau. Nichts.

Jetzt können die fünf Milliarden des Bundes für den Digitalpakt also bald fließen. Eines muss klar sein: Das ist nur der Startschuss, der Anfang der Digitalisierung in den deutschen Schulen. Die Länder müssen jetzt pädagogisch durchdachte Konzepte entwickeln, wann der Einsatz von Internet und Laptops sinnvoll ist und wo nicht. Das Tablet soll die Tafel ergänzen, nicht ersetzen. Aber es bietet viel Potenzial, um individuelle Lernprozesse zu ermöglichen. Wir müssen damit nur endlich loslegen.

Lesen Sie auch ein Interview mit OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher: Der Geist ist willig, aber das WLAN ist schwach

Von Tobias Peter/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Monatelang haben Bund und Länder erbittert über Grundgesetzänderungen gestritten. Jetzt haben sie sich geeinigt. Damit ist der Weg für den Digitalpakt frei. Mit ihm sollen die Schulen endlich im Internetzeitalter ankommen.

21.02.2019

Jessica Bießmann von der AfD war seit November nicht mehr im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Partei will die 37-Jährige ausschließen – doch die kassiert weiter 6436 Euro pro Monat.

20.02.2019

Mit hehren Slogans wirbt Ex-Starbucks-Chef Howard Schultz um Unterstützung als unabhängiger Präsidentschaftsbewerber. Doch am Ende könnte er Donald Trump helfen.

20.02.2019